Beruf mit Zukunft

Sie machen sogar Atomkraftwerke dem Erdboden gleich: In Hamm wurden die ersten Meister im Abreißen ausgebildet

Im Vergleich zu einem Atomkraftwerk war das Eisenbahnerwohnheim am Schwarzen Weg nur eine vergleichsweise kleine Baustelle.
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Im Vergleich zu einem Atomkraftwerk war das Eisenbahnerwohnheim am Schwarzen Weg nur eine vergleichsweise kleine Baustelle.

Hamm-Norden – Sie machen kaputt, sie reißen Mauern ein, sie brechen Gebäude ab. Darin sind sie jetzt Meister – die ersten in Deutschland und dazu noch staatlich anerkannt. Übergeben wurden die Meisterbriefe für Abbruch und Betontrenntechnik am Freitagnachmittag im Ausbildungszentrum der Bauindustrie an der Bromberger Straße. Es ist deutschlandweit das einzige Institut, an dem die Ausbildung in Abbruch und Betontrenntechnik angeboten wird.

Über viele Jahre hinweg wurde der Bereich hier systematisch aufgebaut. Angefangen vom Bauwerksmechaniker über den Vorarbeiter und den Werkpolier bis zum bisherigen Schlussstein in der Karriereleiter, dem Meister.

Die Voraussetzungen für den Meister, wie Ausbildungsinhalte und Rahmenpläne, haben der Leiter des Ausbildungszentrums, Gerhard Geske, und sein Team zusammen mit den Fachverbänden (Deutscher Abbruchverband und Fachverband Betonbohren und -sägen) in den vergangenen drei Jahren erarbeitet, sodass die Industrie- und Handwerkskammer die besonderen Rechtsvorschriften dafür zum 1. März des vergangenen Jahres erlassen konnte.

Einzugsgebiet bis nach Österreich und in die Schweiz

Auch Themen wie Statik, Entsorgung und Recycling spielten in diesem Berufsbild eine große Rolle, betonte Geske. „Ich bin stolz darauf, den Beruf nach Hamm geholt zu haben, mit all seinen Facetten“, sagte er. In dieser Branche habe Hamm große Bedeutung im gesamten deutschsprachigen Raum, also auch in Österreich und der Schweiz.

Um den Meistertitel zu erlangen, mussten die Lehrgangsteilnehmer seit Anfang September 2019 fast 1200 Unterrichtsstunden absolvieren – und dies in Vollzeit montags bis freitags. Auch sie hatten coronabedingt unter erschwerten Umständen zu arbeiten. So fielen Unterricht und Prüfungen ab Mitte März für einen Zeitraum von sechs Wochen aus.

Jetzt, am Ende des Meisterlehrgangs, prognostizierte Geske ihnen ausgezeichnete Karrieren. Seien sie doch künftig gefragt, zum Beispiel beim Abbruch von Atomkraftwerken. Zu Beginn dieses Ausbildungsganges im Jahr 2002 hätten den entsprechenden Fachverbänden je rund 200 Mitgliedsbetriebe angehört, inzwischen seien es 700 bis 750.

Entkernen und Sanieren - gefragter Beruf

Ein Grußwort der Stadt Hamm sprach Bürgermeisterin Monika Simshäuser. Sie bezeichnete das Ausbildungszentrum der Bauindustrie als ein bedeutendes Innovationszentrum in Hamm. Ein wichtiges Thema sei seit Jahren Entkernen und Sanieren im Bestand. Daher hätten die neuen Meister einen Beruf mit Zukunft ergriffen.

Pioniere der Bauindustrie: Übergeben wurden die ersten Meisterbriefe für Abbruch und Betontrenntechnik an Nihat Azrag, Mario Hug, Matthias Landgraf, Nils Lemke, Marlon Prestin-Gerecke, Stefan Schmiebusch und Christian Zeh.

Nach weiteren Grußworten und der Übergabe der Zertifikate nahmen die neuen Meister zum Abschluss auch ihren Meisterschluck ein – natürlich mit dem erforderlichen Abstand.

Für den im kommenden Monat beginnenden Lehrgang gebe es bereits zwölf Anmeldungen, berichtete Geske. Und dann sagte er noch, dass man für die Zukunft noch mehr vorhabe: „Wir arbeiten jetzt an einem Studiengang.“

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