Lyrischer Mahlstrom

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Dominique Täger und Christine Walterscheid (hinten) fesselten die Gäste mit Stücken ihrer neuen CD. ▪

HAMM ▪ Gespannt oder neugierig: So wirkten die meisten der fast 100 Gäste der „Lauscher“ CD-Release-Party am Freitag auf Radbod, denn das Duo Dominique Täger und Christine Walterscheid ist immer für eine Überraschung gut. Nach musikalischen Multimedia-Happenings wie OracL-Spektakel und KunstPelz sind die beiden jetzt „Auf der Pirsch“. Von Werner Lauterbach

Passend am Erscheinungstag der neuen CD präsentierte sich der ansonsten etwas ungemütliche Veranstaltungssaal kuschelig. Eine Fülle Oberbetten diente den Musikfreunden als Sitz-, Hock- oder Liegestätte – die räumliche Beschränkung auf die Fläche vor der Bühne sorgte für ein Volles-Haus-Gefühl und diente nebenbei auch der Soundoptimierung. Bevor die „Lauscher“ mit zahlreichen Gastmusikern loslegten, wurden die Zuhörer vom kraftvollen Rock-Trio „Gaia“ eingestimmt.

Ganz selten räumen Roland Mikosch (Gitarre, Gesang), Thomas Schnaube (Bass) und Tom Dieterle (Drums) ihre Werkzeuge vom hauseigenen Proberaum auf die Bühne. Hier allerdings steuerten sie nach ihrem mit viel Applaus bedachten eigenen Auftritt auch einige Male ihre Talente zur Präsentation des „Lauscher“-Klanguniversums bei.

Bis es „auf die Pirsch“ ging, unterhielt Geschichtenerzählerin Mechthild Karsch die Besucher mit einem Märchen. Leider war die Parabel vom zu erfüllenden Daseinssinn der verschiedenen Lebewesen nur für die in der Nähe sitzenden Zuhörer verständlich. Cumhur Topaks unterlegendes, leises Sazspiel bereicherte später auch noch ein „Lauscher“-Stück.

Nicht alle auf der CD zu hörenden Gastmusiker hatten es zur Release-Party geschafft, doch sorgten „Flusis“ Djembe, Andrea Kamps (Flöte), Hendrik Tarvenkorn (Cello) und Zoe Mikoschs Stimme für ein vielschichtiges Klangbild. Tänzerin Maja setzte mit wirbelnden Bolas, Fächern und Schleiern optische Akzente. Doch natürlich standen die beiden „Lauscher“ im Zentrum: Tägers meist dunkle Poesie plus enormer Bühnenpräsenz mit Stimme und Gitarre dominierte das Konzert. Seine Partnerin lieferte ausgezeichnete vokale Ergänzung und rhythmischen Unterbau per Cajon. Der puristische Vorgänger des neuen Werks hatte bereits gezeigt, dass die zwei auch ohne externe Hilfestellung eine tönende Macht sind.

Bei der Pirsch-Präsentation klang alles weniger rau – instrumental dicht, mal liebevoll verspielt, dann düster-skurril. Diese neue Folk-Musik – in „Natürliches“ und „Menschliches“ unterteilt – bannte die Zuhörer unentrinnbar wie ein lyrischer, akustischer Mahlstrom.

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