Schau rund um die Wurst im Lübcke-Museum

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Dr. Maria Perrefort (links) vom Gustav-Lübcke-Museum und Verena Burhenne vom LWL stellten gestern die Wanderausstellung zum Thema Fleischverzehr und Fleischkonsum vor.

Hamm - Jetzt geht’s um die Wurst im Gustav-Lübcke-Museum – mehr noch: auch ums Fleisch. „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ heißt die Wanderausstellung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), die am Sonntag, 19. Juli, um 11.30 Uhr eröffnet wird.

Das ist eine ungewöhnliche Premiere für das „Studio“, das früher das Kinder- und Jugendmuseum beherbergte. Denn obwohl Verena Burhenne, die Kuratorin vom LWL-Museumsamt für Westfalen, betont, dass diese Dokumentation keine Stellung pro oder contra Fleischkonsum beziehe, setzen sich die Ausstellung und der dazugehörige Katalog kritisch mit dem heutigen Fleischkonsum auseinander.

„Ein Museum verbindet man meist mit rückwärtsgewandten Themen. Beim Thema Fleischverzehr und Fleischverzicht sind wir aber am Puls der Zeit“, sagt Museumsdirektorin Dr. Friederike Daugelat in Anspielung auf die zunehmenden Verbrauchergruppen der Vegetarier und Veganer.

Nahrung als Teil der Kulturgeschichte

Dass eine solche Ausstellung durchaus in ein Museum gehört, machte Dr. Maria Perrefort, Kuratorin der Abteilung Stadtgeschichte, deutlich: „Es kommt darauf an, wie man den Begriff Kulturgeschichte fasst. Denn in der Abteilung Stadtgeschichte haben wir ja durchaus auch Küchenausstattungen. Durch die Zubereitung von Nahrung hebt sich der Mensch vom Tierreich ab.“

„Darf’s ein bisschen mehr sein?“ zeigt mit zahlreichen Fotografien, einigen Exponaten und diversen Kurzfilmen die Entwicklung der Fleischproduktion vom 19. bis ins 20. Jahrhundert, als der Schlachttag noch ein Festtag war und das Schlachten und Wursten schwere Arbeit.

Bilder zur heutigen Fleischproduktion

Bildmaterial überwiegt bei der Dokumentation des Status quo; gezeigt werden Fotos aus der Massentierhaltung, -tötung und -verarbeitung nach industriellen Standards ebenso wie teils schockierenden Plakataktionen von Tierschützern. Dokumentiert wird auch die Zerstörung von Naturressourcen zugunsten der Fleischproduktion bis hin zu den Auswirkungen auf den Klimawandel.

Dass die heutigen Möglichkeiten industrieller Fleischproduktion nicht automatisch zu einer Qualitätsverbesserung führen, macht Burhenne an Skandalen wie Gammelfleisch und BSE fest. „Unser Ziel ist es, einen Beitrag zur Sensibilisierung der Verbraucher beim Fleischkonsum zu leisten“, gibt sie zu.

Die Meinungsbildung beeinflusst die Schau dabei durchaus auch unterbewusst: Die Schautafeln zum Thema Fleisch/Fleischproduktion haben einen blutroten Hintergrund und die, auf denen Pro und Contra dargestellt wird, sind grün unterlegt. Auf jeden Fall wird zweierlei ganz deutlich in der Schau: Die Kritik an der Massentierhaltung mit ihren erschreckenden Auswüchsen. Und der Appell, statt täglich – teils mehrfach – Fleisch zu essen, wieder den Sonntagsbraten zu favorisieren.

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