Unsere Serie: Was braucht Herringen?

Luft voller Abgase: Macht Feinstaub die Herringer krank?

Viel befahren: Bis zu 17 000 Fahrzeuge täglich wurden 2019 auf der Dortmunder Straße gezählt. Macht das die Menschen krank?
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Viel befahren: Bis zu 17.000 Fahrzeuge täglich wurden 2019 auf der Dortmunder Straße gezählt. Macht das die Menschen krank?

In Herringen erkranken vergleichsweise viele Mnschen an schweren Atemwegserkrankungen. Ein Arzt vermutet, dass es am Feinstaub liegen könnte. Was meinen Sie: Wie gut steht es dort also um Luftqualität und Umweltschutz?

Herringen - Wo einst die Zechenschlote qualmten und die weiße Wäsche auf der Leine von einer feinen Schicht Kohlenstaub bedeckt wurde, herrscht heute meist klare Sicht. Keine Frage: Mit Einstellung des Bergbaus hat sich die Luftqualität in Hamm verbessert. Aber ist sie wirklich so gut, dass von ihr keine Gefahren mehr ausgehen?

StadtbezirkHerringen
Einwohner19.937 (Stand: 31.12.2020)
Verkehrsbelastung auf Dortmunder Straße17.000 Fahrzeuge am Tag (Stand: 2018, Quelle: Verkehrsbericht Hamm)
BezirksbürgermeisterKlaus Alewelt (SPD)

Feinstaub in Herringen: Arzt fordert seit Jahren Messungen

Dr. Carsten Grüneberg hat da zumindest seine Zweifel, denn die Zahl der Menschen in Herringen, die an schweren Atemwegserkrankungen, speziell an COPD, leiden, ist vergleichsweise hoch. Ein Grund könnte die Feinstaubbelastung auf der Dortmunder Straße sein. Die Staublunge, eine typische Bergmannskrankheit, spiele hingegen keine Rolle mehr, sagt der Mediziner.

Schon vor vier Jahren hatte Grüneberg auf das Problem hingewiesen und gefordert, dass im Ortskern eine Feinstaub- beziehungsweise CO2-Messstation aufgestellt wird, um der Ursache für die Lungenerkrankungen auf den Grund zu gehen – vergeblich. Wie Grüneberg sagt, sei seine Forderung weiter aktuell. Das Problem habe seiner Meinung nach sogar eher zu- als abgenommen. COPD sei der Hauptgrund, warum viele seiner Patienten zur Risikogruppe gehören und deshalb auch in vergleichsweise jungen Jahren eine Corona-Impfung bekommen. Alles nur Zufall?

Carsten Grüneberg sorgt sich um seine Patienten.

Grüneberg glaubt dies nicht. Mit Beginn der Pandemie habe der Verkehr zuletzt sogar noch zugenommen. „Menschen meiden die öffentlichen Verkehrsmittel, es sind immer mehr Sprinter der Paketdienstleister unterwegs – auch in Herringen.“ Zudem habe die Zahl der mit Holz befeuerten Öfen stark zugenommen. Das alles habe dazu beigetragen, dass die Feinstaubbelastung größer geworden ist.

Hinzu komme, dass es in Teilabschnitten der Dortmunder Straße Häuserschluchten gebe, wo sich die schlechte Luft, anders als zum Beispiel auf dem freien Feld, sammele. Um Klarheit über die tatsächliche Feinstaubbelastung in Herringen zu erhalten, wäre es daher sinnvoll, hier eine Messstation aufzustellen. „Durch die Daten könnten wir dann wichtige Rückschlüsse ziehen.“

Feinstaub: Bis Ende 2020 gab es eine Messstelle in Hamm, sie wurde abgebaut

So wie seinerzeit an der Messstation in Höhe des Flugplatzes an der Münsterstraße. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hatte sie allerdings Ende 2020 abbauen lassen. Da die dort gemessenen Werte zur Luftverschmutzung zuletzt unter dem Grenzwert gelegen haben, sei eine Messung nicht mehr notwendig, hieß es. Dadurch sah die Stadt ihre Anstrengungen für eine Verbesserung der Luftqualität bestätigt.

Für Grüneberg hat das aber nur bedingt Aussagekraft. Er möchte verlässliche Zahlen für den Stadtbezirk Herringen haben. Die wird er vermutlich auch zeitnah bekommen. Auf Antrag der Grünen hat die Bezirksvertretung Herringen auf ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr beschlossen, dass drei Bürgerselbstmessstationen im Stadtbezirk aufgestellt werden. Neben der Temperatur könnten mit ihrer Hilfe, wie es in dem Antrag heißt, auch der Feinstaub und die CO2-Belastung ermittelt werden.

(Die Umfrage ist beendet.)

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