Anlage zwischen Eschenallee und Hülsenbusch

Hammer Kleingärtner müssen weichen – und durften eigentlich nie da sein

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Die Kleingärtner, deren Parzellen in das Baugebiet Am Beisenkamp ragen, müssen sich neue Erholungsgebiete suchen.

Hamm - 30 Kleingärtner müssen im Hammer Süden einen Teil ihrer Parzellen aufgeben, weil ihre Gärten in das benachbarte Baugebiet „Auf dem Beisenkamp“ hineinragen. Außerdem sollen sie ihre Hütten abreißen, die sämtlich den Mindestabstand zur Grundstücksgrenze unterschreiten.

Rechtlich gesehen haben die Kleingärtner dabei schlechte Karten: Offiziell hätten ihre Parzellen gar nicht bebaut werden dürfen. Die Stadt signalisiert allerdings Entgegenkommen.

Die Kleingärten zwischen Eschenallee und Hülsenbusch im Hammer Süden gibt es seit 1951. Damals verpachtete die Stadt das Restgelände eines Siedlungsgrundstücks als "Grabeland" (siehe Erklärung weiter unten), und zwar an den nicht eingetragenen Kleingartenverein „Am Beisenkamp“.

Es war eine Übergangsregelung: Auf dem 450 Meter langen und 26 Meter breiten Geländestreifen sollte eigentlich eine Schnellstraße entstehen. Doch da die nie realisiert wurde, geriet das Provisorium zur Dauerlösung mit Hütten, Obstbäumen und Wasserleitungen. „Solange die Pacht kam“, sagen einige Kleingärtner heute, „hat die Stadt sich nicht weiter dafür interessiert“.

Einige der Hütten sind inzwischen massiv gemauert. Ein Zaun grenzt die Parzellen zur benachbarten Kaserne, den ehemaligen Cromwell Barracks, ab. In manchen Abschnitten ist er nur noch zu erahnen, und offenbar stand er von Anfang an falsch.

Im Zuge der Bauaktivitäten im Hammer Süden ergab sich das Problem.

Als die Bundesagentur für Immobilienaufgaben (Bima) mit der Vermarktung des Kasernengeländes begann und die einzelnen Verkaufsgrundstücke ausmessen ließ, fiel auf, dass die Kleingärten bis zu 60 Zentimeter auf das Bima-Grundstück ragen und die an den Zaun gelehnten Hütten nicht mit den drei Metern Mindestabstand zur Grundstücksgrenze zu vereinbaren sind. Bei der Bima fürchtete man nun um den bevorstehenden dritten Bauabschnitt.

Die Überbauungen hätten zur Folge, dass das Verfahren nicht nach den Vorgaben des Bebauungsplanes realisiert werden könnten, sagte ein Bima-Sprecher. In letzter Konsequenz würde dies dazu führen, „dass dringend benötigter Wohnraum nicht realisiert werden könnte“. Die Bundesbehörde forderte die Stadt deshalb im Juni 2017 zum Handeln auf.

Im Technischen Rathaus bot man den Kleingärtnern einen Kompromiss an: Die korrekten Grundstücksgrenzen und Abstandsmaße sollten eingehalten werden, dafür würde man neue Hütten dann auch formal genehmigen.

Unmut bei manchen Kleingärtner groß

Bei manchen Kleingärtner ist der Unmut groß. Doch der Vorsitzende Joachim Reinert sagt, die Stadt sei entgegenkommend gewesen – sie hätte die Gärten auch vollständig beseitigen lassen können. Stattdessen biete sie einen Pachtvertrag über 15 Jahre. Ab April würden die Hütten abgerissen, so Reinert. Die Stadt stelle die Container für den Abraum.

Für Reinert selbst ist dann Schluss mit der Kleingärtnerei: Seine Parzelle ist eine von zweien, die für neue Wegeverbindungen zwischen dem Baugebiet und einem Radweg, der längs der Kleingärten verläuft, gebraucht wird. „Den Garten gebe ich auf“, sagt Reinert. „Und das Amt auch.“

Das bedeutet "Grabeland":

Der Begriff Grabeland taucht im deutschen Bundeskleingartengesetz auf und bezeichnet ein Grundstück, auf dem nur einjährige Pflanzen angebaut werden dürfen. Demnach ist Grabeland kein Kleingarten im Sinne des Gesetzes und wird lediglich hobbygärnerisch genutzt. Städte, Gemeinde oder auch die Deutsche Bahn gibt dieses Land parzellenweise gegen eine geringe Pacht aus. Es dient in der Regel nur zur Zwischennutzung, anders als Kleingartenanlagen, deren Nutzung auf unbestimmte Zeit angelegt ist.

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