Ex-Bürgermeister als Zeuge vor Gericht

Loveparade-Prozess: Hammer Mutter von Sauerland beschämt

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Gabiele Müller im Gerichtssaal.

Düsseldorf/Hamm - Gabi Müller hätte den Duisburger Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland lieber auf der Anklagebank denn im Zeugenstand gesehen. Die 60-jährige Hammerin verlor bei der Loveparade-Katastrophe am 24. Juli 2010 ihren Sohn Christian (26). Die vergangenen zwei Tage wohnte sie als Nebenklägerin dem Prozess bei. Sauerlands Auftritt dort empfand sie als beschämend.

Christian Müller starb bei der Loveparade-Katastrophe.

„Landgericht Duisburg, Außenstelle CCD Ost“ ist in großen Lettern auf den Videoleinwänden zu lesen. „CCD“ steht für „Congress Centrum Düsseldorf“; für Gabi Müller ist es das dritte Mal, dass sie den Weg in den zum Gerichtssaal mit 500 Plätzen umfunktionierten Veranstaltungssaal betritt. Ihre Premiere hatte sie dort im Dezember beim Prozessauftakt, auch am Mittwoch verfolgte sie das Prozessgeschehen, als Sauerland erstmals in den Zeugenstand trat.

Eigentlich hatte sich die Hammerin fest vorgenommen, den Duisburger Ex-Oberbürgermeister selbst mit einigen der Fragen, die seit nunmehr fast acht Jahren in ihrem Kopf umherirren, vor Gericht zu konfrontieren. Doch sie verwirft diesen Plan. „Warum sollte ich mir das noch antun?“, sagt sie in einer Prozesspause. „Ich bekomme doch sowieso keine Antwort.“

Anwälte im Loveparade-Prozess: "Hier sitzen nur Sündenböcke"

Sauerland habe sich schon am Mittwoch gebärdet, als wäre er selbst das Opfer. Wann immer der Vorsitzende Richter in seiner Befragung konkret geworden sei, habe sich das Stadtoberhaupt an nichts mehr erinnern können. „Ich habe nicht viel erwartet, aber das bisschen ist hier noch unterboten worden“, klagt die 60-Jährige.

Noch immer melden sich Loveparade-Traumatisierte

Für Müller ist die Fahrt nach Düsseldorf ein Versuch, mit dem Geschehenen abschließen zu können. Sie will aufgeklärt wissen, warum das Unglück, bei dem 21 Menschen starben, geschehen konnte. Auftritte wie der von Sauerland helfen da wenig, erklärt sie.

Trotzdem soll es nicht die letzte Fahrt in die Landeshauptstadt gewesen sein. Wenn der (ebenfalls nicht angeklagte) Veranstalter Rainer Schaller als Zeuge vernommen wird, wolle sie wieder vor Ort sein.

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