Nach Meldung über geplatzten Prozess

Loveparade: Eltern des Herringer Todesopfers verbittert

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Unzählige Gedenk-Kerzen wurden 2010 in Duisburg nach der Loveparade-Katastrophe aufgestellt.

Hamm/Duisburg - Die Nachricht vom geplatzten Loveparade-Prozess traf am Dienstag die Angehörigen der 21 Todesopfer wie ein Schlag. Auch das Ehepaar M. aus Herringen, deren einziger Sohn am 24. Juli 2010 im Alter von 25 Jahren in Duisburg ums Leben kam.

Beinahe sechs Jahre hatten der heute 62-Jährige und seine 58-jährige Frau darauf gewartet, dass zumindest einige der Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. „Für uns ist das die Katastrophe nach der Tragödie“, sagten beide zu der Entscheidung des Landgerichts Duisburg, die Anklage nicht zuzulassen.

Sie sind normale, bescheidene Leute, arbeiten als Angestellte und haben sich mit einer Ausnahme nie öffentlich zu ihrem leidvollen Schicksal geäußert. Auch jetzt möchte das Ehepaar M. unerkannt bleiben, aber mit seiner Verbitterung und Ohnmacht gegenüber dem WA nicht mehr hinterm Berg halten. „Wir können nicht abschließen. Wie sollen wir jemals Ruhe finden?“, sagten sie zur Einstellung des Hauptverfahrens.

Aus den Nachrichten hatten sie am Dienstagmorgen von der Entscheidung erfahren. „Uns hat niemand Bescheid gegeben. Niemand vom Gericht und auch kein Anwalt. Die reden immer erst mit den Medien. Wir erfahren so etwas stets als Letzte.“

Als Nebenkläger lassen sich die M.s seit Jahren von der Kanzlei Baum, Reiter & Kollegen um den ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum vertreten. 100 Mandante, darunter die Angehörigen von vier Todesopfern werden von der Düsseldorfer Sozietät betreut. „Oh ja, wir wären zu jeden Prozesstag nach Duisburg gefahren. Wir hätten uns die Menschen, die für den Tod unseres Jungen mitverantwortlich sind, anschauen wollen“, sagte das Elternpaar über die Erwartungen, die sie in den Strafprozess gegen die zehn Angeschuldigten gesetzt hatten.

"Wir werden alles ausschöpfen"

Dass die Staatsanwaltschaft und eventuell auch ihr Rechtsanwalt nunmehr noch die Möglichkeit haben, gegen die Entscheidung Beschwerde einzulegen, ließ in den Herringern noch ein wenig Hoffnung keimen. „Man kann diese Entscheidung nicht einfach hinnehmen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir jedenfalls alles ausschöpfen.“

Einer zusätzlichen, zivilrechtlichen Auseinandersetzung zur Durchsetzung möglicher Schmerzensgeldforderungen sehen sie allerdings skeptisch entgegen. „Wer soll das denn alles bezahlen? Eine Versicherung tut das jedenfalls nicht. Und wir können uns doch jetzt nicht auch noch nicht bis an unser Lebensende verschulden.“ Fast allen Beteiligten bis hin zu den Opferschützern hätten sich in den vergangenen Jahren entweder persönlich profilieren oder eine goldene Nase verdienen wollen. „Wir stehen alleine da.“ Lediglich für ihre Nebenklage seien bislang keine Kosten entstanden.

Erfüllt von Enttäuschung blickten die M.s auf das bisherige Strafverfahren zurück. „Es wurde ermittelt, ermittelt und ermittelt. Dann wurden die Hauptverantwortlichen außen vor gelassen, dann kamen die ganzen Pannen“, erinnerten sie sich an die Zeit bis zur im März 2014 erhobenen Anklage. Besser wäre es aus ihrer Sicht gewesen, wenn eine andere Staatsanwaltschaft die Ermittlungen geführt hätte. „Das hat einen bitteren Beigeschmack. Die kennen sich doch alle untereinander.“

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