Loveparade-Prozess: Gabriele Müller übergibt Unterschriften

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Gabriele Müller (Dritte von links) hat mit anderen Betroffenen im Oberlandesgericht Düsseldorf die Unterschriften für einen Loveparade-Prozess überreicht.

Hamm/Düsseldorf - Gabriele Müller hält das Foto ihres Sohnes in der Hand. Ein lächelnder blonder junger Mann. „Gerechtigkeit für Christian!“, steht darauf. Die Übergabe von mehr als 360.000 Unterschriften für einen Strafprozess zur Loveparade am Oberlandesgericht in Düsseldorf ist für die Mutter aus Hamm ein Schritt auf dem Weg dahin.

Gabriele Müllers Sohn ist einer von 21 Menschen, die vor sechs Jahren in dem furchtbaren Gedränge auf dem Techno-Festival in Duisburg starben. Die Hinterbliebenen von drei Todesopfern übergaben die Daten von Unterstützern, die in einer Online-Petition einen Strafprozess fordern. Denn das Landgericht Duisburg hat im Frühjahr die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen zehn Angeklagte abgelehnt. Das Gericht befand, dass die Beweismittel für die Vorwürfe der Anklage nicht reichen. Dagegen haben Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Beschwerde eingelegt. Darüber wird das Oberlandesgericht entscheiden

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Massenhaft kamen Unterschriften zusammen.

Die Angehörigen sind fassungslos. „Es kann nicht sein, dass es keine Verantwortung gibt“, sagt die komplett weiß gekleidete Gabriele Müller. „Das ist, als ob unsere Kinder nochmal gestorben sind“. Deshalb die Petition: „Mit diesem symbolischen Akt wollen wir zeigen, dass viele Menschen es nicht einfach so hinnehmen, dass es keinen Strafprozess gibt und niemand zur Verantwortung gezogen wird.“ „Das ist eine ungerechte Entscheidung“, meint auch Francisco Zapater. Der Spanier hat bei der Loveparade seine Tochter Clara verloren. Der Mann im blauen Anzug hält seine Frau Nuria fest an der Hand. „Mit den Unterschriften wollen wir das Herz der deutschen Justiz ein bisschen berühren, damit eine neue Entscheidung kommt“, übersetzt eine Dolmetscherin. Dann stehen die Kisten im imposanten Foyer des Düsseldorfer Oberlandesgerichts, Baujahr 1906.

Gerichtssprecher Andreas Vitek sagt: „Jeder mitfühlende Mensch hat natürlich Verständnis dafür, dass die Hinterbliebenen, die anderen Opfer der Loveparade-Katastrophe als auch die Öffentlichkeit wissen wollen, welches die Gründe und Ursachen für diese Tragödie waren.“ Er betont zugleich, dass das Gericht nach Recht und Gesetz, unabhängig von einer Petition, über die Beschwerde entscheiden werde. Auch die Anwälte der Hinterbliebenen hatten dies zuvor schon betont. Mit der hohen Zahl an Unterstützern hatte Müller nicht gerechnet: „Es haben sehr viele Menschen unterschrieben, die nichts mit der Loveparade zu tun hatten. Diese Solidarität berührt uns sehr.“ Aufgeben will sie nicht. „Das bin ich meinem Kind schuldig.“ lnw

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