Loveparade: Bleibt der Tod von Christian Müller ungesühnt?

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Im Juli 2016 übergab Gabriele Müller (Dritte von links) die Online-Petition mit 330.000 Unterschriften ans OLG Düsseldorf.

Hamm - Dass Papier geduldig ist, ist für Gabriele Müller längst kein Trost mehr. Vor sechseinhalb Jahren verlor die 59-jährige Hammerin ihren Sohn Christian. Der 25-Jährige starb am 24. Juli 2010 mit 20 weiteren jungen Leuten im Gedränge der Duisburger Loveparade-Katastrophe.

45.000 Blatt Papier füllen die Ermittlungsakte, doch die Hoffnung, dass der Tod ihres Jungen jemals juristisch aufbereitet wird, schwindet mit jedem neuen Tag. Drei Jahre sind mittlerweile vergangen, seit die Duisburger Staatsanwaltschaft im Februar 2014 Anklage gegen zehn Mitarbeiter der Stadt Duisburg und des Loveparade-Veranstalters erhoben hatte.

 Ende März 2016 folgte der große Niederschlag, jener Moment den Gabriele Müller damals mit den Worten beschrieb, „als wäre mein Sohn ein zweites Mal gestorben“. Das Landgericht Duisburg hatte an jenem 30. März entschieden, dass die Anklage nicht zugelassen werde, dass es nicht zum Strafprozess gegen die Angeschuldigten kommen werde. Ein zentrales Gutachten der Staatsanwaltschaft war für mangelhaft eingestuft worden.

460 Seiten umfasste die Begründung der Nichtzulassung, 750 Seiten zählt die Beschwerde, die die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger um Gabriele Müller gegen diese Entscheidung eingelegt haben. Ein neues Gutachten wurde im Juli 2016 von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben, ist allerdings noch in Bearbeitung.

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Mit der Beschwerde gegen die Nichteröffnung des Strafverfahrens befasst sich seit September 2016 der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Hier muss geklärt werden, ob die Einschätzung des Landgerichts richtig gewesen war oder ob der Fall nicht doch verhandelt werden muss. Der Senat sei „weitgehend“ von allen übrigen Aufgaben befreit, erklärte ein OLG-Sprecher auf WA-Anfrage. Ein Ende der Prüfung sei aber nicht abzusehen. Jedes Blatt der Ermittlungsakte müsse überprüft werden, hinzu kämen 1000 Stunden Videosequenzen und 700 Din-A4-Sonderbände.

Gabriele Müller glaubt mittlerweile, dass auch in diesem Fall die Verjährung eintreten wird – so wie es schon 2015 bei den für sie Hauptverantwortlichen um Ex-Oberbürgermeister Sauerland und den damaligen Einsatzleiter der Polizei geschehen ist. Das wäre etwa im Jahr 2020 der Fall. Gut 350 000 Unterschriften hat die Hammerin im vergangenen Sommer in einer Online-Petition unter dem Titel „Gerechtigkeit für .hristian“ gesammelt, um auf einen Prozessbeginn hinzuwirken. „Sie wussten alle, was sie taten und sitzen auch heute noch alle auf ihren Pöstchen“, sagt sie über die Rolle der zehn Angeschuldigten. „Und dasselbe ist doch jetzt in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt geschehen. Die haben doch ebenfalls alle gewusst, dass dieser Anis Amri gefährlich war.“

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