Herringer Loveparade-Opfer: Eltern kämpfen weiter

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Auf dem Gelände der Loveparade-Gedenkstätte sind Blumen, Kerzen und Kreuze für die Opfer aufgestellt worden. 

Hamm - Vor fast sechs Jahren ereignete sich die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade mit 21 Toten und über 500 Verletzten. Die Angehörigen warten bis heute auf die juristische Aufklärung - so auch die Eltern von Christian Müller aus Herringen. 

Der Schmerz sitzt tief, vielleicht tiefer als jemals zuvor. In 29 Tagen wird sich die Duisburger Loveparade-Katastrophe zum sechsten Mal jähren. 21 Tote und 541 Verletzte wurden damals beklagt. Unter den Todesopfern vom 24. Juli 2010 war der 25-jährige Christian Müller aus Herringen. 

Gabi Müller kämpft für ihren toten Sohn Christian.

Seit jenem Tag hoffen seine Eltern auf eine juristische Aufarbeitung des fatalen Geschehens und haben doch bloß eine Serie von Nackenschlägen hinnehmen müssen. Dass die Duisburger Staatsanwaltschaft Anfang der Woche bekanntgegeben hat, ein weiteres Gutachten in Auftrag geben zu wollen, welches über die Ursachen des Unglücks aufklären soll, hat die Sicht des Herringer Elternpaares auf die Dinge nicht gerade besser gemacht. 

Verbittert über Entscheidung des Landgerichts

„Die werden es auch noch hinkriegen, dass zehn Jahre vergehen und dann alles verjährt ist“, klagt die 58-jährige Gabi Müller voller Zynismus. Noch immer ist sie verbittert über die Entscheidung des Landgerichts Duisburg, das Anfang April entschieden hatte, die im Februar 2014 erhobenene Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters wegen fahrlässiger Tötung beziehungsweise fahrlässiger Körperverletzung nicht zuzulassen.

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Das Gericht hatte seine Entscheidung mit massiven Mängeln in dem (bislang einzigen) Gutachten des britischen Panikforschers Professor Still begründet. „Ich bin zwar keine Juristin, aber ich habe mir schon 2014 gedacht, dass dieses Gutachten nicht ausreichen wird“, sagt die Angestellte aus Herringen. 

330.000 Menschen unterstützen Müllers Kampf

Die Hauptakteure um Loveparade-Macher Schaller und den Duisburger Ex-Oberbürgermeister Sauerland sind seit 2015 wegen Verjährung ohnehin nicht mehr zu belangen. Immerhin: Gleiches ist bei den zehn angeschuldigten Angestellten seit der Anklageerhebung nicht mehr möglich. Erst Mitte 2020 verstreicht bei ihnen die Frist. Doch zunächst einmal müsste das Hauptverfahren gegen sie eröffnet werden. 

Christian Müller starb bei der Loveparade-Katastrophe. 

Erst in einigen Monaten ist mit einer Entscheidung des OLG Düsseldorf über die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Anklage zu rechnen. Solidarität erfährt Gabi Müller bei einer Online-Petition, die sie Mitte April auf dem Portal „Change.org“ gestartet hat. Mehr als 330.000 Menschen unterstützen ihre Initiative – allein in dieser Woche sind 30.000 neue Einträge hinzugekommen.

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