Corona lässt in Hamm Müllberge kräftig wachsen

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Besonders eindrucksvoll zeigte sich der angesammelte Müll bei der Wiedereröffnung des Recyclinghofs Mitte April.

Während des Corona-Lockdowns haben viele Hammer ihre Haushalte ausgemistet. Und damit spürbar mehr Müll produziert. Der ASH kann davon ein Lied singen.

Hamm/Kreis Warendorf – Corona bedeutete für viele in erster Linie: zu Hause bleiben. Kantinen und Mensen schlossen die Pforten, und viele Menschen sahen sich unvermittelt auf sich selbst und den eigenen Haushalt zurückgeworfen. Nur eines war überall gleich: Gegessen wird immer. Die einen versuchten sich in Küchen-Experimenten, die anderen griffen auf Lieferdienste zurück – und auch da gibt es einen gemeinsamen Nenner: Es fällt Müll an. Viel Müll. Den findet man häufiger auch in Parks und Grünanlagen, weil das Imbissessen direkt dort verzehrt wird. Vielerorts haben die Abfallbetriebe dem Rechnung getragen, indem sie im öffentlichen Raum die eine oder andere Zusatztonne aufgestellt haben.

„Es ist tatsächlich so, dass wir das Gefühl haben, dass es mehr geworden ist“, sagt Margret Wessels vom Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb Hamm. Wer klar Schiff zu Hause machte, der brachte alles Ausgemusterte zur Müllkippe. So kam es zu Beginn der coronabedingten Einschränkungen zu einem Anstieg in den Bereichen Wertstoffe, Sperrmüll und Elektrogeräte. Letzterer hält bis heute an.

Bei Altpapier verzeichnete man in Hamm eher einen Rückgang. Auch die Restmüllmenge sei Schwankungen unterworfen gewesen, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. Im März und April sei mehr Restmüll angefallen, im Mai sei die Entwicklung abgeflaut. Da mehrere Faktoren Auswirkungen auf die Abfallmengen haben können, sei die auf Corona zurückzuführende Veränderung nicht zu quantifizieren, heißt es weiter vom ASH.

Recyclinghof auf hohem Niveau stabilisiert

Zwischenzeitlich seien zwar vermehrt Grünabfalltonnen geordert worden, aber das könne seine Gründe auch in den vorübergehenden Einschränkungen im Bereich der Grünabfall-Annahme gehabt haben. Die Anzahl der Lieferungen am Recyclinghof habe sich auf einem hohen Niveau „normalisiert“, heißt es weiter.

Die Entrümpelungswut in Kombination mit vorübergehend eingeschränkten Abgabe-Möglichkeiten hat jedenfalls in Hamm nicht zu mehr wilden Müllkippen geführt, erklärt der ASH.

Recyclinghof öffnet zu Corona-Zeiten erstmals wieder die Tore

Im benachbarten Kreis Warendorf sieht es ein bisschen anders aus. Zahlen belegen, dass in der Pandemie deutlich mehr Unrat angefallen ist – rund fünf Prozent mehr Haushaltsabfall und Biomüll gab es beispielsweise im April im Vergleich mit dem Vorjahr. „Die Menge des Bioabfalls ist ja eigentlich saisonbedingt, aber selbst wenn man das berücksichtigt, ist der Anstieg der Abfallmengen eindeutig“, erläutert Andreas Meschede, Leiter der Abteilung Dienstleitung am Ecowest-Standort Ennigerloh.

Müll einfach irgendwo abgeladen

Das sei auch beim Sperrmüll so gewesen. „Die Mengen steigen sukzessive – teils sogar auf bis zu zehn Prozent mehr Hausmüll.“ Zwischenzeitlich hatten coronabedingt auch noch die Recyclinghöfe geschlossen. Das kam im Kreis Warendorf nicht bei allen Bürgern gut an: „90 Prozent hatten Verständnis für die notwendige Maßnahme; fünf bis zehn Prozent leider nicht“, sagt Meschedes. Einige hätten ihren Müll einfach irgendwo abgeladen.

Dass Zeit fürs Entrümpeln blieb, zeigte sich auch bei der Abgabe von Elektrogeräten – bis zu 20 Prozent mehr ausgediente Geräte wurden in den vergangenen Wochen abgegeben, heißt es aus dem Kreis Warendorf. Auch Papiercontainer quollen zwischenzeitlich über.

Mehrwegbecher-Projekt zum Erliegen gebracht

Im Kreis Warendorf hat die Corona-Pandemie ein Projekt zum Erliegen gebracht, in das die Belegschaft sehr viel Arbeit und Energie investiert hat: die Einführung des Mehrwegbechers. „Mehrfachnutzungen sind zur Zeit aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr erlaubt. Und wann wir die Zusammenarbeit mit den Bäckereien und anderen Einrichtungen wieder aufnehmen können, wissen wir nicht“, sagt Meschede.

Auch im Bereich der Umweltbildung seien alle Bemühungen zum Erliegen gekommen. Um Kinder zu informieren, unterhielt die Ecowest Kooperationen mit Schulen und weiteren Einrichtungen. Ob und wie diese in Zeiten von Corona fortgeführt werden können, müsse sich noch zeigen, heißt es von Meschede.

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