Bundes-Partei prüfte mehrere Monate

Loch in Hammer SPD-Kasse "aus Versehen" - Bericht aus Berlin da

Die Kasse des SPD-Ortsvereins Bockum-Hövel in der Stadt Hamm ist über ein Jahrzehnt lang fehlerhaft geführt worden.
+
Die Kasse des SPD-Ortsvereins Bockum-Hövel in der Stadt Hamm ist über ein Jahrzehnt lang fehlerhaft geführt worden.

Die Kasse des SPD-Ortsvereins Bockum-Hövel in der Stadt Hamm ist über ein Jahrzehnt lang fehlerhaft geführt worden. Das haben Juristen der Bundes-SPD in Berlin nach monatelanger Prüfung festgestellt.

Hamm – Wie es heißt, wurden Ausgaben nicht mit Originalbelegen nachgewiesen und unzulässigerweise von Vorstandsmitgliedern pauschale Aufwandsentschädigungen geltend gemacht. Lothar Wobedo, der über viele Jahre den Ortsverein geführt hatte und im vergangenen Spätsommer in dieser Funktion abgelöst worden war, sowie der langjährige, ebenfalls ausgeschiedene Kassierer Helmut Lupp wurden dafür zur Rechenschaft gezogen. Sie mussten mehrere tausend Euro an den Ortsverein zurückzahlen - und haben dies bereits getan. Im Fall von Wobedo handele es sich um eine niedrige vierstellige Summe, im Fall von Helmut Lupp um einen mittleren vierstelligen Betrag, teilte der SPD-Ortsverein Bockum-Hövel jetzt mit.

Nicht bestätigt haben sich die Gerüchte der vergangenen Monate, im Ortsverein sei in die Kasse gegriffen und erhebliche Summen seien abgezweigt worden. „Eine persönliche Bereicherung einzelner Mitglieder des Vorstands liegt nicht vor“, teilte der SPD-Ortsverein nun unter Berufung auf den Bericht aus Berlin mit. Bereits vor einigen Wochen, als die vorläufige Version der Innenrevision vorlag, hatte eine Sprecherin der NRW-SPD auf Anfrage erklärt, dass die Verfehlungen keine strafrechtliche Relevanz hätten und sich niemand persönlich bereichert habe.

„Die Rechnungslegung wurde durch den Landesverband NRW entsprechend korrigiert. Der Vorgang ist für die Beteiligten damit erledigt“, heißt es jetzt aus dem Ortsverein Bockum-Hövel.

SPD-Verfehlungen: Zehnjahres-Zeitraum geprüft

Dass Wobedo und Lupp mehrere tausend Euro in die Ortsvereinskasse für zu viel erstattete Beträge zurückzuzahlen hatten, klingt am Ende größer als es letztlich ist: Die SPD-Kasse wurde über einen Zeitraum von zehn Jahren überprüft – und die Verfehlungen fanden laut Ortsverein zumindest in Teilen über den gesamten Zeitraum statt. Im monatlichen Mittel kämen so nur zweistellige Beträge zusammen.

Ex-Vorsitzender Lothar Wobedo erklärte gegenüber dem WA, dass „da kein böser Wille hintergesteckt“ habe. Der Vorstand habe immer nach besten Wissen und Gewissen gehandelt und sei schließlich auch immer entlastet worden. „Wir haben nur nicht jede einzelne Briefmarke abgerechnet, sondern das pauschal über einen geringen Betrag getan.“ Jeder habe gedacht, dass das auch korrekt sei. „Letztlich tragen der Vorsitzende und der Kassierer die Verantwortung. Wegducken geht nicht“, so Wobedo, der auch stellvertretender SPD-Ratsfraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses ist.

Lothar Wobedo, Ex-Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bockum-Hövel: "Letztlich tragen der Vorsitzende und der Kassierer die Verantwortung. Wegducken geht nicht."

Helmut Lupp sprach vom „großen Pech“, dass die Kasse juristisch überprüft worden sei. Die jetzt beanstandeten Pauschalsätze seien schließlich schon vor Jahrzehnten von seinen Vorgängern eingeführt worden. „Das wurde immer so gemacht. Ich habe das so weitergeführt, wie es mir vom Vorgänger gezeigt worden war.“

SPD-Verfehlungen: "keine große, skandalöse Sache"

Die Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung waren erst nach dem Ende der Wobedo-Ära Thema geworden. Der neue Vorstand um Sabine Zumbrink hatte im August/September 2019 nach der Rechnung für den einige Monate zuvor angeschafften SPD-Infostand gesucht und sie nicht in den Unterlagen gefunden. Weil dies und dann auch weitere Positionen für sie nicht nachvollziehbar gewesen seien, habe sie schließlich den SPD-Landesverband um Rat gefragt. Dieser habe die gesamten Unterlagen zur Überprüfung ins Willy-Brand-Haus nach Berlin geschickt. Wegen der vielen Dokumente habe die Überprüfung nun so lange gedauert, sagte Zumbrink. „Wir machen da jetzt den Deckel drauf. Es ist keine große, skandalöse Sache gewesen“, so die Vorsitzende.

Der Bericht aus Berlin lag dem WA nicht vor. Das Papier sei nicht öffentlich, sagte Zumbrink. Allerdings könne sie sich vorstellen, dass sie ihn für Ortsvereinsmitglieder auf Anfrage zugänglich machen werde. Das allerdings müsse zunächst noch mit der Bundespartei in Berlin abgesprochen werden.

SPD-Verfehlungen: Mehr Transparenz angekündigt

Mit rund 170 Mitgliedern zählt der SPD-Ortsverein Bockum-Hövel zu den größten in der Stadt Hamm. Er gilt im SPD-Unterbezirk Hamm als besonders finanzstark. Im Juli 2019 wurde der alte Vorstand um Lothar Wobedo (18 Jahre im Amt) abgelöst. Überraschend kam Sabine Zumbrink an dessen Amt und nicht Bezirksfraktionsvorsitzender Damian Chatha.

„Dem neuen Vorstand war es sehr wichtig, die Missstände ans Licht zu holen und zu bereinigen“, sagte Zumbrink jetzt zum Kassenprüfverfahren. „Für die Zukunft werden wir für eine andere Form von Transparenz sorgen.“ Anschaffungen von mehreren hundert Euro würden den Mitgliedern bereits im Vorfeld angekündigt. Jeder könne sich das anschauen und sich dazu äußern. Erst danach ergehe ein Beschluss des gesamten Vorstands, und erst danach werde die Anschaffung getätigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare