Nur gucken - nicht "anfassen"!

"Erlebensraum": Das Lippeufer soll vieles sein, aber kein Badestrand

+
Der Uferbereich auf der nördlichen Lippeseite. Hinten ist der Anstieg zum Plateau erkennbar.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag: Der fast 500 Meter lange Uferbereich im künftigen "Erlebensraum Lippeaue" wird kein Badestrand sein! Das ist zwar schade, doch gibt es gute Gründe dafür.

Hamm – Der lange Zeit kommunizierte Begriff „Strand“ stehe für viele Bürger gleichbedeutend mit Baden, doch sei Lippe eben „kein Badegewässer – das muss man einfach so sagen“, warnt Dirk Klingenberg vom Lippeverband vor überzogenen Hoffnungen. Auch wenn der Ablauf der Kläranlage Mattenbecke derzeit flussabwärts verlegt werde, verbleibe durch weitere Anbindungen an Kläranlagen und Regenüberlaufbecken doch eine – wenn auch extrem geringe – bakterielle Belastung im Wasser. Klingenberg: „Deshalb wird die Lippe zu unseren Lebzeiten nie zum Badegewässer im offiziellen Sinne werden.“

Obwohl anders als in Naturschutzgebieten kein grundsätzliches Verbot besteht, werde die Stadt aus Haftungsgründen also wohl mit Schildern darauf hinweisen, dass der Kontakt mit dem Lippewasser nicht empfohlen wird, ergänzt Dr. Oliver Schmidt-Formann von der Stadt.

Hier klicken für weitere Berichte zum Thema!

Planer freut sich auf "großen Feldversuch"

Der Leiter des Umweltamts erklärt, dass man es dort ohnehin nicht mit feinkörnigem „Bahamas-Sand“ zu tun habe, sondern mit lagestabilem, ton- und lehmhaltigen Sand. Dieser müsse nicht herangekarrt werden, sondern liege schon jetzt unter dem Oberboden bereit und werde auch bei typischen Hochwassersituationen nicht weggespült. Schmidt-Formann sieht hier einen „großen Feldversuch“: „Wir versuchen zu beweisen, dass man eine naturnahe Auenentwicklung und eine etwas intensivere Nutzungsmöglichkeit zusammenbringen kann.“

Wo zwischen Münsterstraße und Kläranlagenablauf derzeit noch Sandberge liegen und Bagger rollen, soll künftig das Lippeufer zum Verweilen einladen.

Viele aktuelle Infos auf Doppelseite im WA

Mit der Gesamt-Fertigstellung des "Erlebensraumes" rechnen die Planer Mitte 2022. Dann soll ein rund 48.000 Quadratmeter hohes Plateau in Sichtweite des Ufers zum Verweilen einladen und die riesige Deichverlegungsmaßnahme in Richtung Fährstraße beendet sein. Ein bunter Strauß an Maßnahmen sollen besonders die Bereiche im Osten und Westen zu einem stadtnahen Naturparadies entwickeln. Naturschützer wie der Nabu sind damit sehr glücklich.

Sie möchten mehr erfahren? Dann blättern Sie gern in die Wochenendausgabe des WA hinein: Auf einer Doppelseite finden Sie dort alles zum aktuellen Stand der Arbeiten sowie weitere Fragen und Antworten der wichtigsten Projektplaner - unter anderem zu den Themen Kosten, Zeitplan, Plateau, Deichbau, Begehbarkeit, Erreichbarkeit und Parkplätze...

Eindrücke vom Erlebensraum Lippeaue im Herbst 2019

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

AutofahrerAntwort
(0)(0)

Das Badeverbot ist allerdings ein ganz, ganz alter Hut und wurde längst schon erwähnt, als die dümmliche Bezeichnung "Lippestrand" das erste mal hier vor geraumer Zeit in einem Artikel Erwähnung fand. Insofern kann sich darüber heute niemand mehr beschwerden, der nur sorgfältig genug gelesen hat.

Übrigens hätte, ehe nun das Geschrei anfängt, selbiges auch für den "Lippesee" gegolten. An diesem wäre die Lippe nämlich völlig unbeteiligt und durch einen hohen Damm getrennt vorbeigeflossen, und man hätte lediglich Wasser aus der Lippe in den See gepumpt und aus dem See in die Lippe abgelassen, was der Qualität eines Badegewässers ebenfalls nicht entspricht. Ähnlich sieht es übrigens gar nicht weit von hier am Renommierobjekt Phoenixsee in Dortmund aus, wo man sich zwar AM Wasser verlustieren kann, aber INS Wasser darf auch dort niemand.

fritzAntwort
(0)(3)

wer das Glaubt kommt nicht in den Himmel der bekommt in der Hölle und eine doppelt so große Panne .

Am Sa., 9. Nov. 2019 um 00:24 Uhr schrieb Disqus <notifications@disqus.net>:

Gabriel
(0)(0)

Man hätte sich auf eine reine Renatirierung beschränken sollen ohne den politisch aufgeblasenen Erlebnis quatsch.
Dazu hätte man die Lippe aus dem kanalisiertem Flußbett holen, ihr Platz zur Außbreitung geben müssen, Veranstaltung und Sportflächen wären dabei dann außen vor geblieben.

1. Das Argument mit dem Geld, Mittel des Lippeverbandes Zweckgebunden für Aufgaben des Lippeverbandes. Schulen, Straßen, Gewerbeflächen etc. pp. gehören nicht dazu.
Hochwasserschutz und Gewässerzustand hingegen schon und dem wird durchaus Rechnung getragen, die Rückverlegung des Deiches schafft neuen Flutraum, der Zustand der Aue wir zumindest etwas verbessert. Nur bei letzterem hätte man wohl effektiver sein können ohne den Erlebnisquatsch.

Die einzigen Mittel die so nicht gebunden sind sind die Eigenmitrel der Stadt.

Selbst Fördergelder sind an Vorausetzungen gebunden und lassen sich nicht einfach umleiten.

Und vor allem was ist eine bessere Verwendung. Hochwasserschutz ist schon mal eine sehr gute Verwendung, eine Verbesserung der Naturnähe der Lippe auch und die Bürger der Stadt haben davon einen nutzen.

2. Der Lippeverband, ist ein Zweckverband, der von Gesetzes wegen existiert und gesetzliche Aufgaben wahrnimmt, er muss sich daher nicht Daueraufgaben schaffen um sich selbst zu legitimieren, er hat diese Daueraufgaben längst zugewiesen bekommen und solange keine gesetzliche Neuordnung der gewässebezogenen Aufgaben erfolgt wird es ihn geben.

Die Aufgaben des Lippeverbandes sind im „Gesetz über den Lippeverband“ (LippeVG) festgelegt. Mann kann sie dort und den einschlägigen Wassergesetzen von Bund und Ländern jederzeit nachlesen.

U.a. sind das Hochwasserschutz und Gewässererhalt und -entwicklung.

Insbesondere letzteres ergibt sich auch aus der Wasserrahmenrichtlinie und nachgeordneten Gesetzen des Bundesvund der Länder.

3. Einen See wird es auch auf diesem Weg nicht geben, weder durch die Hinter- noch die Vordertür.