Eindrucksvolle Multimedia-Infos zum "Erlebensraum Lippeaue"

Alter Deich weicht neuem Deich: So funktioniert Hamms Super-Baustelle

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Die Drohnenaufnahme zeigt mittels der roten Linie eindrucksvoll, wo der neue Deich zwischen der Münsterstraße und der Fährstraße ab Sommer 2020 gebaut werden soll und wie weit er vom bisherigen Verkauf entfernt ist. Der alte Deich wird bis 2022 nach und nach zurückgebaut. (Ein Klick rechts oben in das Bild öffnet es komplett.)

Hamm – Wer in diesen Tagen im Deichbereich zwischen Innenstadt und Flugplatz unterwegs ist, hat einen guten Blick auf Hamms künftige Super-Baustelle. Super-Baustelle? Tatsächlich: Seit 100 Jahren gab es keine größere in Hamm!

Denn durch breit angelegte Rodungsarbeiten freigelegt, stellen viele neue Merkmale den für den „Erlebensraum“ geplanten neuen Verlauf des Hochwasserdeiches dar. Dabei wird deutlich, wie weit das Gebiet dort in den kommenden Jahren gemeinsam von Stadt und Lippeverband für Menschen und Tiere geöffnet wird.

Durch Kampfmittelsondierungen aufgeworfene Erdhügel zeigen den künftigen Deichverlauf im westlichen Bereich. (Ein Klick rechts oben in das Bild öffnet es komplett.)

Vermessungs-Pflöcke mit Signalfarben und Erdhügel durch Kampfmittel-Sondierungen ziehen sich von der Münsterstraße ohne Unterbrechung bis zur Fährstraße. Auf dieser geschwungenen Linie soll 2022 der neue, deutlich breitete Deich den bisherigen ersetzt haben. Bezogen auf die reine Fläche wird sich dort also nach und nach Hamms größte Baustelle seit mehr als 100 Jahren entfalten – in der Dimension allenfalls vergleichbar mit dem Bau des Datteln-Hamm-Kanals und des Güterbahnhofs Anfang des 20. Jahrhunderts.

Jetzt, nach dem gesetzlich bestimmten Ende der Baumfällungen Ende Februar, kann es ans Eingemachte gehen. Während sich der Lippeverband als einer der beiden Hauptprojektpartner um die aufwändige Verlegung des störendes Ablaufs der Kläranlage unter die Erde kümmert, beginnen unter Federführung des Hammer Umweltamts besagte bauliche Vorarbeiten für den neuen Deich, der natürlich voll begehbar sein wird. Vereinfacht gesagt, werden dafür Spundwände in den Boden getrieben, die beidseitig dann mit Erde angefüllt werden. Nach der Fertigstellung soll es von dort den perfekten Rundumblick auf das Erlebnis-Ökogebiet im Herzen von Hamm geben.

So oder ähnlich soll der Auenpark nahe der Münsterstraße einmal aussehen. Der Deich ist hier bereits in Richtung Norden verlegt.

So sieht der Zeitplan aus:

Die zeitliche (Wunsch-) Rahmenstruktur besteht aus diesen drei Bauabschnitten:

  • Phase 1, August 2019 bis Frühjahr 2020: Baustart für den neuen Deich westlich der Kläranlage Mattenbecke.
  • Phase 2, Sommer 2020 bis Ende 2021: Bau Deich-Teilstück östlich der Kläranlage. Zeitgleich Rückbau des alten Deiches im westlichen Teil.
  • Phase 3, Frühjahr 2021 bis Frühjahr 2022: Abschließender Rückbau des alten Deiches östlich der Kläranlage.

Die Drohnenaufnahmen zeigen mittels der roten Linie eindrucksvoll, wo der neue Deich gebaut werden soll und wie weit er vom bisherigen Verkauf entfernt ist. Greifen Sie sich den Schieber in der Mitte und vergleich Sie selbst!

360-Grad-Bild (Facebook-Account nötig):

Hochwasserschutz bleibt gewährleistet

Die abschnittsweise Planung gewährleistet die Aufrechthaltung des Hochwasserschutzes, die eigentliche Funktion des Deiches. Parallel zu diesen Maßnahmen soll die Gestaltung des Gesamt-Areals beginnen, die nach Angaben von Projektleiterin Silke Bielefeld bis mindestens Ende 2022 dauert. Das Gesamt-Areal zwischen Münster- und Fährstraße zeichnet sich nach Fertigstellung durch zwei Schwerpunktabschnitte aus: den Auenpark und der Bereich der neuen Lippeumflut.

Die Konzeptskizze zeigt detailliert, wie der "Erlebensraum" links und rechts der Münsterstraße ab 2022 ausgestaltet sein soll. Die Legende oben links schlüsselt die farblichen Inhalte auf. (Ein Klick rechts oben in das Bild öffnet die Grafik komplett.)

Beim innenstadtnah gelegenen Auenpark soll der Freizeitaspekt im Vordergrund stehen. Vorgesehen sind ein enges Wegenetz und viele Aufenthaltsbereiche zum Entspannen und Sporttreiben. Konkrete Ideen dafür werden bei einem Treffen der beteiligten Gruppierungen erwartet. Das Highlight wird sicherlich eine rund 500 Meter breite, mit Sand aufgefüllte „Strandarena“ entlang der Lippe sein.

Der sich östlich anschließende, deutlich größere Bereich wird sich optisch vor allem durch die Entfesselung der Lippe auszeichnen. Dort soll es nach dem Willen der Planer ökologischer und insgesamt ruhiger zugehen. Das Wegenetz ist weniger engmaschig geplant; Zäune oder andere Absperrungen werden jedoch vermieden. Gleichwohl werden größere Abschnitte bis zu 100 Tage im Jahr vernässt und somit nicht zu betreten sein.

Projektleiterin Silke Bielefeld (ganz links) und Katharina Krückel vom Hammer Umweltamt erklären vor Ort die Planung anhand einer Karte.

An zwei Stellen wird der alte Deichverlauf übrigens erhalten bleiben: Diese Erhöhungen dienen einerseits der Aussicht und andererseits Tieren in einer Hochwassersituation als Fluchthügel.

Autos nicht gern gesehen

Auch um dem ökologischen Aspekt Vorschub zu leisten, sollen die Erlebensraum-Besucher künftig weniger mit dem Auto anreisen, sondern mehr mit Rädern und öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Deich soll dafür in den Radschnellweg RS1 eingebunden werden. Auch der Bahnhof ist ja nicht fern; von dort werden die Menschen jedoch wohl weiterhin die Münsterstraße queren müssen – die Ideen einer Seilbahn und einer alternativen Brücke über die Lippe wurden aus verschiedenen Gründen verworfen. Auf welche Art die viel befahrene Brücke aufgewertet wird, ist noch unklar; eine Arbeitsgemeinschaft der beteiligten Gruppierungen soll sich zeitnah damit beschäftigen.

Übrigens: Um interessierte Bürger bis zur Fertigstellung in die Entwicklung einzubinden, werden nach den Worten von Projektleiterin Bielefeld demnächst immer wieder Führungen durch das Baugebiet angeboten.

Das ist die neue Projektleiterin:

Silke Bielefeld ist die neue Projektleiterin für den "Erlebensraum Lippeaue". Sie war zuvor maßgeblich für die Entwicklung des Lippeparks verantwortlich.

Das Projekt „Erlebensraum Lippeaue“ wird für die Stadt Hamm seit kurzer Zeit von Silke Bielefeld geleitet. Die studierte Architektin aus Schwerte arbeitet seit 2002 für die Stadt Hamm.

Ab 2005 war Bielefeld wesentlich in die Projektentwicklung des Lippeparks eingebunden. Unter ihrer Mitwirkung wuchsen unter anderem die Haldenzeichen, der Barfußpark und die Trainingsstrecke Radbod.

Ebenso kümmerte sich Bielefeld federführend um die Nachnutzung des Bergwerks Heinrich Robert und um Stadterneuerungsprojekte samt Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit mit Schwerpunkt im Hammer Westen.

Am 18. Februar übernahm die 50-Jährige die Projektleitung für den Erlebensraum von Dr. Oliver Schmidt-Formann, dem neuen Leiter des Hammer Umweltamtes.

Projektleiter für den Lippeverband ist Dirk Klingenberg.

Symbolischer Spatenstich für Erlebensraum Lippeaue mit Glühwein und Plätzchen

Zahlen, Daten, Fakten

- 7 Kilometer Rad- und Fußwege werden in der Lippeaue gebaut.

- 25 Hektar Auwald sollen entstehen.

- Um 125 Meter soll der Lippedeich zurückverlegt werden, an einigen Stellen sogar um 400 Meter. Insgesamt sind 2000 Meter Deich betroffen.

- 143 Seiten umfasst der Antrag auf finanzielle Förderung aus dem Sonderprogramm „Grüne Infrastruktur“.

- 195 Hektar groß ist der Erlebnisraum Lippeaue insgesamt, er erstreckt sich über die Bezirke Bockum-Hövel, Mitte und Heessen.

- 800 Meter länger wird die Lippe durch den Einbau einer zusätzlichen Schleife.

- 150.000 Quadratmeter umfasst der Auenpark mit Lippestrand.

- 34.500.000 Euro investieren Stadt, Lippeverband und Land Nordrhein-Westfalen in das Projekt; der größte Teil davon sollen Fördergelder sein. Der Vertrag wurde im September 2017 unterzeichnet.

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