Wenn der Einkaufswagen nach Hause kommt

Lieferservice von Jahns boomt in Corona-Zeiten

Auslieferfahrer Lothar Kersting und Marktmanager Thomas Nitsche vor einer Jahns-Kundenbelieferung.
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Fertig zur Frischefahrt durch Herringen: Auslieferfahrer Lothar Kersting und Marktmanager Thomas Nitsche vor der nächsten Jahns-Kundenbelieferung.

Corona macht‘s möglich und nötig: Im Jahns-Markt hat sich die Nachfrage nach Ausliefer-Fahrten mehr als verfünffacht. Unser Blick nach Herringen.

Hamm - Lothar Kesting hat den Wagen voll. An diesem grauen Januar-Morgen wird der Auslieferfahrer des Jahns-Marktes in Herringen acht Haushalte beliefern. Die Nachfrage nach dieser Serviceleistung des Lebensmittelmarktes zieht offensichlich wieder an. Vorerst soll es aber bei den zwei Tagen, an denen die Kunden ihre Bestellungen frei Haus bekommen, bleiben. (News zum Coronavirus in Hamm)

Der Aufwand sei für Jahns schon ein hoher. „Wie lange brauchen Sie, wenn Sie einkaufen?“, stellt Marktmanager Paul Nitsche rhetorisch die Gegenfrage. Der Vorgang vom Anruf eines Kunden an sei nämlich ähnlich wie beim üblichen Kundenbesuch im Supermarkt, nur dass seine Mitarbeiter den Einkaufswagen durch die Regale schieben. Wenn etwas, zum Beispiel wegen Lieferschwierigkeiten, nicht vorrätig sei, werde ein Alternativprodukt eingepackt. „Das nimmt der Kunde dann aber nicht in jedem Fall“, weiß Nitsche. Dann müsse der Artikel auch wieder zurück in die Regale des Marktes gepackt werden.

Pro Kunde benötige sein Team im Schnitt eine halbe Stunde, schätzt er. Manchmal länger. „Bei zehn Kunden brauchen wir sieben bis acht Stunden, bis alles im Lieferwagen ist“, überlegt Nitsche. Die telefonische Beratung nehme „mal mehr, mal weniger“ Zeit in Anspruch.

Bereich bestimmt zweistellig gewachsen

„Wir haben diesen Service ja schon länger“, erklärt Nitsche. „Aber wir haben die Möglichkeit, sich Ware nach Hause liefern zu lassen, im ersten Lockdown im Frühjahr ausgebaut“, so der Leiter des Jahns-Marktes in Herringen, „da haben wir täglich von montags bis freitags geliefert.“

Inzwischen wurde das Angebot wieder zurückgefahren. Gefragt sei die Lieferung ins Haus immer noch. „Vor Corona hatten wir zwei bis drei Kunden, jetzt sind es über 15“, weiß Nitsche. Genaue Zuwachszahlen hat er noch nicht, „aber ich gehe davon aus, dass der Bereich bestimmt zweistellig gewachsen ist.“

Der Marktmanager sieht sein Angebot nicht in Konkurrenz zu überregionalen Online-Lieferdiensten. Es sei eine reine Serviceleistung für die Herringer Kunden. Der Jahns-Markt an der Quellenstraße nutze auch nicht den Online-Lieferservice der Rewe-Gruppe, zu der der Supermarkt gehört. „Dafür passt der Umfang der Bestellungen nicht. Wir haben einen eigenen Auslieferfahrer, der für die Touren freigestellt wird.“

Geliefert wird alles, was im Markt da ist

Geliefert wird alles, was im Markt vorrätig ist. „Der Kunde weiß das in der Regel, ruft an oder schreibt eine Mail“, beschreibt Nitsche den Bestellvorgang. „Wir klären am Telefon ab, wie groß der Rotkohl sein soll. Es gibt aber zum Beispiel auch einen Kunden, der Bilder aus dem Flyer in eine Excel-Datei kopiert und die dann mit der gewünschten Anzahl schickt.“

Die Lieferung der Lebensmittelbestellungen ist kostenlos. Getränkekisten kosten pauschal einen Euro mehr bei Anlieferung. Gezahlt wird in bar.

Kunden der Herringer sind neben privaten Haushalten aber auch Kitas und Kleinunternehmen. Für größere Bestellungen, etwa durch einen Pflegedienst, plant Nitsche einen Zusatztermin ein. „Wir haben inzwischen 15 bis 20 Stammkunden“, sagt der Marktmanager.

Sogar Anfragen aus Rhynern eingegangen

Der Service würde in jedem Fall auch in Nach-Corona-Zeiten aufrecht erhalten. „Wir beliefern aber in erster Linie das Herringer Umland“, erklärt Nitsche. Im Lockdown seien tatsächlich auch Anfragen aus Rhynern eingegangen. Da werde sein Lieferservice aber nicht aktiv. „Zum einen ist das unkollegial gegenüber den örtlichen Einzelhändlern, zum anderen ist unser Fahrer dann den ganzen Tag unterwegs.“

Zu Beginn des Dezember-Lockdowns 2020 versuchte der Lebensmittelmarkt übrigens, die Küche in Betrieb zu halten. Die Nachfrage nach den Außer-Haus-Menüs hielt sich in Grenzen. Nach einer Woche wurde das an den Jahns angeschlossene Restaurant geschlossen. „Die Herringer wollen dort sitzen und quatschen und das geht ja nun mal nicht.“

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