„Der Radprofi – Anxel“ in Hamm-Osten

Lieferengpässe: Händler erlebt kuriosen Fahrradboom in Coronazeit

Fahrradhändler Heiner Anxel vom Alter Uentroper Weg in Hamm-Osten Thema Lieferprobleme Fahrräder Corona
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Hat noch reichlich Fahrräder im Angebot: Fahrradhändler Heiner Anxel gibt aber zu bedenken, dass es bei speziellen Wünschen zu Lieferproblemen kommen kann.

In der Coronazeit haben viele Leute ihre Leidenschaft fürs Fahrrad (wieder)entdeckt. Fahrradhändler Heiner Anxel und seine Kunden spüren die Folgen des Booms.

Hamm-Osten – Es ist für die Umwelt, den Straßenverkehr und die Gesundheit eine positive Entwicklung, dass im Zuge der Coronapandemie immer mehr Menschen aufs Fahrrad umgestiegen sind und damit für einen wahren Boom gesorgt haben, besonders bei der Nachfrage nach E-Bikes. Und doch gibt es mitterweile einen Haken:

Denn auch wenn die Nachfrage nach Zweirädern ungebrochen ist, leidet die ganze Branche unter einem Lieferengpass. Betroffen davon ist auch Heiner Anxel, dessen Fahrradgeschäft „Der Radprofi – Anxel“ am Alten Uentroper Weg 77 beheimatet ist. „Wir haben aktuell Lieferzeiten zwischen einem halben und einem ganzen Jahr – sowohl bei Fahrrädern, als auch bei Ersatzteilen“, erklärt der Fachmann.

Fahrräder auf zwei Etagen bei Anxel in Hamm-Osten

Das sieht in seinem Geschäft erst einmal nicht so aus: Räder gibt es bei Anxel auf zwei Etagen viele – angefangen bei Kinderrädern über Citybikes, Mountainbikes und Hollandrädern bis zum E-Bike ist alles dabei. Wer allerdings ein Rad in einer bestimmten Größe, Farbe und Sorte sucht, kann Glück haben, oder eben auch nicht.

Weil es allerdings bei anderen Händlern derzeit genauso aussieht, würden mittlerweile sogar Kunden beispielsweise aus Bochum oder Köln im Werrieser Fahrradgeschäft mit eigener Werkstatt anrufen, erzählt er.

Weltweite Lieferengpässe in Hamm-Osten spürbar

Das grundsätzliche Problem dahinter zeigt das Beispiel der Zahnkränze, die am Hinterrad befestigt werden und für den Kettenantrieb wichtig sind: „Corona-bedingt fehlen diese Teile“, sagt Heiner Anxel, schließlich gäbe es mit Shimano nur eine Firma, die diese Zahnkränze herstellt – und zwar in Malaysia. Dort gebe es allerdings große Probleme wegen Corona, sodass die Produktion nicht hinterher komme – obwohl die weltweite Nachfrage zugenommen hat, weil gerade zu Beginn der Coronapandemie viele Mensch das Rad als Freizeitbeschäftigung wiederentdeckt oder sich anstelle eines Urlaubs ein E-Bike gegönnt haben.

Dazu kommt eine weitere Verknappung des Angebots auf dem Markt mit Fahrradteilen – fast alle werden in Fernost hergestellt – da sich mancher Händler die Lager füllt, während damit andere in die sprichwörtliche Röhre gucken.

„Der Radprofi“ seit 20 Jahren in Hamm-Osten

Wie die Kunden auf die derzeitige Situation reagieren? „Sie haben Verständnis, weil alle betroffen sind“, sagt Heiner Anxel, der sein Geschäft mitsamt Werkstatt unter dem Namen „Der Radprofi“ schon seit über 20 Jahren am Alten Uentroper Weg betreibt.

Froh ist der Werrieser Händler aber darüber, dass die Kunden noch immer den Kauf eines Fahrrads im Fachhandel gegenüber dem Internet vorziehen würden. Der Grund liegt seiner Meinung nach im Service und einem direkten Ansprechpartner vor Ort. Und: „Wir leben davon, dass die Kunden die Räder bei uns ausprobieren können und wir sie beraten“, sagt Anxel und fügt hinzu, dass schließlich das Rad optimal auf den Kunden zugeschnitten sein sollte, etwa von der Größe und den Anforderungen her.

Fachhandel in Hamm-Osten

Auch die eigene Werkstatt ist ein Argument für viele Kunden. Dennoch: Übers Internet werden immer mehr Räder verkauft. Heiner Anxel sagt, dass es mittlerweile bis zu einer Million pro Jahr seien. Dem gegenüber stehen rund vier Millionen über den stationären Fachhandel.

Grundsätzlich freut sich Anxel aber über den Radboom – gerade mit Blick auf die Umwelt. Einer Studie zufolge seien seit Coronabeginn zwischen 20 und 30 Prozent mehr Radfahrer in Deutschland unterwegs als noch vorher, erklärt der Fahrradhändler. Ob der Boom allerdings auch langfristig anhält? „Ich denke, es wird sich regulieren, wenn die Leute wieder reisen können“, sagt er, der sich sogar schon einen Spiegel an sein eigenes Rad montiert hat, damit er angesichts des Plus’ an Radfahrern nicht die Übersicht verliert.

Nachfrage nach Fahrrädern in Hamm-Osten

Anxel erinnert aber auch daran, dass der Corona-bedingte Boom – besonders bei modernen E-Bikes – nicht der erste rasante Anstieg bei der Nachfrage von Rädern war. „So etwas hatten wir auch schon bei Mountainbikes und später bei City-Bikes“, erzählt er.

E-Bikes seien aber übrigens mittlerweile auch in allen Generationen angekommen und beliebt. So sei sein jüngster Kunde mit einem solchen Rad gerade mal zwölf Jahre als. „Er fährt mit dem E-Bike statt dem Bus zur Schule“, sagt Anxel und freut sich über so viel positiven Zuspruch.

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