Überfälle in Hamm, Ascheberg und Lünen

Raub auf Lidl-Filialen bleibt für 23-Jährigen fast folgenlos

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Der Lidl-Räuber im Gerichtssaal.

Hamm/Ascheberg/Dortmund - Mit einem außergewöhnlich milden Urteil ist der Prozess gegen einen jungen Mann zu Ende gegangen, der an Raubüberfällen auf Supermärkte auch in Hamm und Ascheberg beteiligt gewesen war.

Die Jugendstrafkammer am Dortmunder Landgericht verurteilte den mittlerweile 23-jährigen Lüner zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung. Der Verurteilte muss außerdem 20.000 Euro an Tatbeute zurück zahlen sowie in den kommenden drei Jahren mit einem Bewährungshelfer zusammen arbeiten.

Der bei der ersten Tat 20-Jährige hatte zusammen mit einem Bekannten zwischen Mai und August 2017 mit nahezu identischer Vorgehensweise vier Discounter in Hamm, Ascheberg und Lünen überfallen. Federführend bei den Raubzügen war der Bekannte des Angeklagten, dem in einem separaten Verfahren zur Zeit der Prozess gemacht wird. Dieser bedrohte die Kassiererinnen oder Filialleiter mit einer nicht geladenen Scheinwaffe, malträtierte einige der Opfer zudem mit Schlägen und Tritten.

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"Quasi nur der Mitläufer"

"Der Angeklagte war bei den eigentlichen Taten quasi nur der Mitläufer", beschrieb Pennig die Tatbeteiligung des 23-jährigen. "Von ihm ging keine Aggressivität aus." Die Richter zeigten sich davon überzeugt, dass der Serientäter im Tatzeitraum noch ein eher jugendtypisches Verhalten an den Tat gelegt habe. Er sei in seiner Entwicklung noch unreif gewesen, habe sich "naiv durch seinen Freund zu den Taten verführen lassen".

Zweifellos müsse daher das weitaus mildere Jugendstrafrecht angewandt werden, auch wenn sämtliche vier Taten der Schwerkriminalität zuzurechnen seien.

Angestellte leiden bis heute

Etliche der überfallenen Angestellten leiden bis heute unter den seelischen Folgen der Gewalterfahrung. Sie haben Angstzustände, Alpträume, mussten teilweise den Arbeitsplatz oder auch die Branche wechseln. Der Angeklagte selbst beteuerte in seinem letzten Wort, dass er seine Taten zutiefst bereue und seinen Lebensunterhalt nun für immer auf legale Weise verdienen werde.

Das milde Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. Auch die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Rechtsmittel.

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