Zeugen zeichnen ein konkretes Bild

Filialleiter bekommen Brutalität der "Lidl-Räuber" zu spüren

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Symbolbild

Dortmund/Hamm/Drensteinfurt/Ascheberg – Seit Wochen geben sich die Opfer der Raubserie in Lebensmitteldiscountern in Hamm, Ascheberg, Drensteinfurt und Lünen die Türklinke in die Hand.

Jeweils eine Viertelstunde bis eine halbe Stunde lang berichten die Angestellten der Lidl-, Penny- und Aldi-Märkte von dem Erlebten, schildern teilweise unter Tränen, wie kurz vor Geschäftsschluss zumeist zwei Unbekannte mit einer Pistole Geld aus der Ladenkasse oder dem Geschäftstresor forderten. Kopfschüttelnd erinnerte sich am jüngsten Verhandlungstag vor dem Dortmunder Landgericht eine Kassiererin aus Hamm an die Begegnung mit den Räubern am 30. Mai 2017 in der Lidl-Filiale an der Münsterstraße.

„Ich hätte nie gedacht, dass die das machen. Sie wirkten so ordentlich und gepflegt, standen auf keinen Fall unter Alkohol oder Drogen“ . Völlig „ruhig und entspannt“ habe der Eine mit ihr geredet, sei ihr gegenüber absolut nicht aggressiv aufgetreten.

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Angestellte mehrere Monate krank geschrieben

Ihrem Kollegen gegenüber verhielt sich das weitaus gewalttätiger. Ihm wurde mit dem Knauf der Scheinwaffe eine blutende Platzwunde verpasst und er wurde gezwungen, den Tresor zu öffnen. Mit rund 11.000 Euro Beute konnte das Duo entkommen.

Die langjährige Lidl-Angestellte war mehrere Monate krank geschrieben, litt lange Zeit unter Angstzuständen und Schlafstörungen.

Auch bei einem Raubüberfall auf einen Aldi-Markt in Herbern verhielten sich die Serientäter offenbar recht unterschiedlich. Gegenüber den weiblichen Angestellten verhielt sich das Duo nach den Erinnerungen einer Zeugin sehr freundlich, versicherte immer wieder, dass den Frauen nichts passieren werde. „Zu uns waren sie eigentlich ganz lieb!“ beschrieb in 36-jährige Hammerin das Verhalten der Männer.

Angeklagte entschuldigen sich bei Zeugen

Auch hier waren sie gegenüber dem Filialleiter dagegen sehr entschieden und aggressiv, setzten ihm die vermeintlich echte Waffe in den Nacken und erbeuteten so aus dem geöffneten Tresor rund 6500 Euro in Münzgeld.

Bei allen Zeugen entschuldigen sich die drei geständigen Angeklagten nach deren Zeugenaussagen. Manche nehmen die Entschuldigungen an, andere schütteln abwehrend den Kopf oder brechen fassungslos in Tränen aus.

Für das Großverfahren sind noch etliche Verhandlungstage bis Mitte August terminiert.

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