Abrissbirne aufhalten: FDP will Hammer Westen sanieren

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Hamm - Es könne nicht der richtige Weg sein, immer weiter mit der Abrissbirne durch den Hammer Westen zu ziehen, herrscht Einigkeit in der Oppositionsfraktion. Die Stadt soll nun zur Sanierung verführen.

Die Stadt soll Anreize schaffen, damit Hauseigentümer im Hammer Westen ihre sanierungsbedürftigen Immobilien wieder in Schuss bringen. „Das ist allemal besser, als immer mehr Schrottimmobilien abzureißen“, heißt es in der Antragsbegründung der Liberalen an den Rat. Der soll in seiner Sitzung am 6. März das Programm „100 mal 10.000 Euro“ beschließen. 

„Die FDP hält den bisherigen Kurs der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), hohe Summen für Ankauf und Abriss von einzelnen Schrottimmobilien auszugeben, für falsch“, heißt es in dem Antrag. „Auf diese Weise werden hohe Summen an Steuergeld verwendet, um Preise über Marktwert zu zahlen. Das ist dem Steuerbürger nicht vermittelbar.“ 

Im Hammer Westen wurden zahlreiche Gebäude abgerissen, weitere folgen. Die FDP will einen anderen Weg gehen.

Die SEG speist sich aus jährlich 5,2 Millionen Euro aus der Grundsteuer B und ist damit Geld, das direkt von den Hammer Bürgern stammt. Die Große Koalition von CDU und SPD hatte sich diese Konstruktion zu Beginn der Legislaturperiode einfallen lassen, um angesichts der knappen Haushaltslage der Stadt frisches Geld für Investitionen zu haben. 

"Hamm von oben" im Januar 2018 - Motive von WA-Fotograf Hans Blossey

Dort, wo der Markt versagt, sollten mit diesem Geld Schrottimmobilien angekauft werden. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche Beispiele. In diesen Tagen wurde gerade die userzeile an der Wilhelmstraße 172 bis 176 abgerissen. Auch das inzwischen abgerissene Hochhaus-Ensemble an der Kreuzung Heessener Straße/Münsterstraße hatte die SEG gekauft. 

Da die SEG nun einmal da sei, solle Verwaltungschef Thomas Hunsteger-Petermann die Gelder der Bürger „ökonomischer nutzen, indem gezielt ein Anreizsystem geschaffen wird.“ 100 Hauseigentümer sollen profitieren können und jeweils 10.000 Euro erhalten, wenn sie ihre in die Jahre gekommenen Objekte instand setzen. So könne der Dialog mit den Eigentümern gestärkt und eine größere Wirkung in die Breite erzielt werden. Die Verwaltung reagierte wenig begeistert auf diesen Vorschlag und verweist auf eine Vielzahl vorhandener Instrumente. 

Angebot für Eigentümer

Gerade im Hammer Westen stehe den Eigentümern ein aufeinander abgestimmtes, aufbauendes Angebot offen: 

  • Der Quartiersarchitekt informiere Hauseigentümer kostenlos und gebe ihnen einen Überblick über sämtliche Fördermöglichkeiten
  • Mit dem Förderprogramm für private Haus- und Hofflächen können Instandsetzungen von Gebäudefassagen finanziell bezuschusst werden. 
  • Auch die Gestaltung von Innenhöfen und Vorgärten kann in die Förderung einbezogen werden, um für die Bewohner ein attraktives Wohnumfeld zu schaffen. 
  • Bei energetischen Maßnahmen können Eigentümer im Programmgebiet „Soziale Stadt“ Tilgungsnachlässe von bis zu 20 Prozent der Fördersumme bekommen. 
  • Im Programmgebiet Hamm-Weststadt können Eigentümer auch steuerliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Sie können ihre Investitionen, zum Beispiel in die Erneuerung von Dächern, Fenstern und Fassaden schneller abschreiben

Die Verwaltung befürchtet, dass ein zusätzliches, rein kommunal finanziertes Programm, wie es die FDP vorschlägt, kontraproduktiv wirken könnte. Andere Förderzugänge würden dann möglicherweise nicht mehr in Anspruch genommen. Hier habe man inzwischen immerhin 80 Bewilligungen aussprechen können – im Wert zwischen 1000 und 10.500 Euro.

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