Justizopfer Ewers für Freispruch erneut vor Gericht

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Thomas Ewers (links) und sein Anwalt Dr. Michael von Glahn.

HAMM/ESSEN - Der Fall Thomas Ewers wird noch einmal neu verhandelt. Am 30. Juni und 2. Juli wird die VII. Große Strafkammer des Essener Landgerichts im Wiederaufnahmeverfahren über das Schicksal des 45-jährigen Hammers beraten, der vor zehn Jahren vom Dortmunder Landgericht als Vergewaltiger zu sechs Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden war.

Von Frank Lahme

Ein Freispruch gilt nunmehr als sicher. Ewers wäre damit endlich rehabilitiert. Begeisterung löste die Ladung zur Hauptverhandlung in Essen dennoch weder bei dem 45-jährigen Bockum-Höveler noch bei seinem Anwalt Dr. Michael von Glahn aus. „Mir wäre es lieber gewesen, wenn es eine Entscheidung auf dem Schriftweg gegeben hätte. Jetzt geht der ganze Rummel doch von vorne los“, sagte Ewers.

Anfang Mai wurde die ehemalige Lebensgefährtin des offiziell noch immer als rechtskräftig verurteilter Vergewaltiger geltenden Mannes vor dem Dortmunder Landgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt. Die heute 41-jährige Frau hatte eingeräumt, dass die im Jahr 2002 gegen Ewers erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe von ihr frei erfunden gewesen waren. Ewers hatte seine komplette Strafe absitzen müssen; erst nach seiner Entlassung hatte die Ex-Freundin im Juni 2010 gestanden, dass Ewers Opfer eines Lügengebildes sei.

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Vier Jahre hatte es bis zum Dortmunder Urteilsspruch gedauert, die im Dezember 2013 von Rechtsanwalt von Glahn beantragte Wiederaufnahme des Altverfahrens wird nun binnen eines halben Jahres abgehandelt. „Ich bin dem Gericht dankbar, dass es diese Sache zügig bearbeitet hat“, sagte der Ewers-Anwalt.

Am 30. Juni werden in Essen alle Uhren auf Null gedreht, „Als wäre nichts gewesen“, wie ein Gerichtssprecher sagte. Als gebe es kein Alt-Urteil, keine Haftstrafe, kein Urteil gegen die Lebensgefährtin. Die Anklage aus dem Jahr 2002 wird dann verlesen, Zeugen werden gehört – vier Personen sollen vernommen werden – und nach der Beweisaufnahme folgen Plädoyers und Urteilsspruch.

Dass es dieses Mal einen Freispruch für den Bockum-Höveler geben wird, gilt angesichts des frischen Urteils gegen die nach wie vor geständige Frau als sicher. Dass das Gericht überhaupt zu einer Hauptverhandlung lädt, liegt an der Essener Staatsanwaltschaft. Diese hatte gegen eine Entscheidung auf dem Schriftwege gestimmt. Möglicherweise, so hieß es gestern aus dem Landgericht, werde die Verhandlung aber schon nach einem Sitzungstag geschlossen. Das Essener Gericht würde bei einem Freispruch sofort mitentscheiden, ob Ewers Anspruch auf eine Haftentschädigung hat.

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