Corona-Effekt

Leben 350.000 Ratten unter Hamm? Immer mehr von ihnen trauen sich an die Oberfläche

Von Busch zu Busch: Vor dem Heinrich-von-Kleist-Forum sind immer wieder Ratten unterwegs.
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Von Busch zu Busch: Vor dem Heinrich-von-Kleist-Forum sind immer wieder Ratten unterwegs.

Nicht nur unter der Erdkruste pulsiert in Hamm das Leben. Ratten breiten sich offenbar drastisch aus und trauen sich immer häufiger ans Tageslicht.

Hamm – So wollen WA-Leser am Montagabend am Platz der deutschen Einheit, also mitten in der Innenstadt, innerhalb von einer halben Stunde gleich 50 der wenig putzigen Nagetiere gezählt haben. Die Stadt bezweifelt zwar diese hohe Zahl, bestätigt aber, dass seit einigen Jahren die Population der Allesfresser wächst und die Beschwerden aus der Bürgerschaft mehr werden.

„Im vergangenen Jahr sind im Ordnungsamt rund 130 Meldungen eingegangen. Es zeichnet sich ab, dass dieser Wert in 2021 wohl überschritten wird“, teilt Stadtsprecher Lukas Huster auf WA-Anfrage mit. Auch Ulrich Witzig, IHK-geprüfter Schädlingsbekämpfer mit Sitz im Hammer Osten, beobachtet die Ratteninflation – und stellt eine bemerkenswerte These auf: Schuld an der Rattenplage könne (auch) Corona sein.

Corona-Effekt: Ratten finden mehr Fressen in der Kanalisation

In den Zeiten der Lockdowns seien Gaststätten und Kantinen geschlossen gewesen. Die Leute hätten deshalb viel häufiger bei sich zu Hause gekocht und ihre Essensreste wohl nicht nur in der Mülltonne, sondern auch über die Kanalisation entsorgt. Die Ratten hätten somit im Abwasser für sich paradiesische Zustände vorgefunden.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Müll gerade in der Innenstadt zunimmt und nicht in, sondern neben der Mülltonne in Kartons und Plastiksäcken gelagert wird. Müll und Essensreste würden von der Stadt auf öffentlichen Plätzen und Grünflächen konsequent entfernt, heißt es aus dem Rathaus. Man gehe auf Hauseigentümer zu, wenn der Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt werde oder zum Beispiel die Mülleimer nicht richtig schließen würden.

Köder auf öffentlichen Flächen - Lippeverband für Kanalisation verantwortlich

Sollte ein Rattenbefall auf öffentlicher Fläche festgestellt werden, würden Köder ausgelegt und die übrigen zuständigen Stellen (zum Beispiel der Lippeverband für die Kanalisation) zur Beseitigung eingeschaltet.

Ulrich Witzig, der seit 2007 als Kammerjäger in Hamm tätig ist, ist auch auf dem Platz der deutschen Einheit im Einsatz. Die Stadt hat ihn damit beauftragt. Dass dort Dutzende Ratten unterwegs seien sollen, bestätigt auch er nicht. Auf seinen regelmäßigen Kontrollgängen sei ihm ein solches Szenario jedenfalls nicht aufgefallen.

Köder schmecken scheußlich - ungefährlich für Hunde und Kinder

Witzig hat auf dem Platz Köderboxen ausgelegt. Andere Tiere würden sich nicht daran bedienen. Die Köder sind mit Bitterstoffen versehen und schmecken offenbar scheußlich. Anders als Katzen, Hunde oder Eichhörnchen hätten Ratten und Mäuse keinen Geschmackssinn für Bitteres und würden deshalb auch diese Köder nicht verschmähen, sagt Witzig. Wenn die Köderboxen nicht von Randalierern mutwillig zerstört würden, seien sie auch für Kinder gänzlich ungefährlich und ein Aufstellen unbedenklich.

Allgemein gilt, dass auf einen Einwohner zwei Ratten kommen. Das würde bedeuten, dass in Hamm 350.000 Ratten beheimatet wären. Ob das wirklich stimmt? Witzig ist skeptisch. „Wie soll man die denn zählen?“, sagt er. Seit ein, zwei Jahren gebe es jedenfalls mehr Ratten in der Stadt. Die Population sei kontinuierlich gestiegen. Das sei aber auch kein Hammer Phänomen, sondern überall in Deutschland zu beobachten, so Witzig.

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