Weiter durchwachsen: Landwirte der Region sind bislang mäßig zufrieden mit der Ernte

Erntezeit rund um Hamm: Die Landwirte ziehen eine durchschnittliche Bilanz.
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Erntezeit rund um Hamm: Die Landwirte ziehen eine durchschnittliche Bilanz.

Wer derzeit eine Landpartie unternimmt, kann Erntemaschinen bei der Arbeit beobachten. Es sind die letzten Züge der Getreideernte; Weizen, Triticale und Hafer werden derzeit eingebracht. Die Erträge fallen jedoch sehr unterschiedlich aus.

Hamm/Kreis Warendorf – Die Ernte-Ergebnisse reichen von „so schlecht wie nie“ bis hin zu „so gut wie nie zuvor“, weiß Petra Drees-Hagen vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, die im regelmäßigen Austausch auch mit den Hammer Landwirten steht.

Viele Faktoren beeinflussen die Ernte. „Beispielsweise ist die Bodengüte entscheidend für die Ernte – manche Böden zeichnet ein gewisses Wasserhaltevermögen aus, andere nicht“, so Drees-Hagen.

Die Bodengüte sei es nicht allein, weiß der Sandbochumer Landwirt Christof Schürmann. Mehr denn je handele es sich bei Regenschauern um örtlich begrenzte Ereignisse. „Da kommen dann 20 bis 25 Liter in Hamm-Bockum-Hövel runter, während bei uns alles trocken bleibt“, beschreibt Schürmann das Phänomen.

Wasserknappheit macht Landwirten Sorgen

Doch wenngleich die große Sommerhitze des vergangenen Jahres diesmal nicht getoppt wurde, so sei es dennoch so, dass die geringe Wasserverfügbarkeit nun bereits im dritten Jahr in Folge anhalte und für die Landwirte mehr und mehr zum Problem werde, so Schürmann.

Der Landwirt, der sowohl Schweinemast als auch Ackerbau betreibt, hat den Familienurlaub in der Hallertau in Süddeutschland verbracht, im größten Hopfenanbaugebiet der Welt. „Dort gibt es die gleichen Probleme wie bei uns. Es gibt dieses Jahr deutlich weniger Hopfen. Allerdings wird Corona-bedingt weniger Bier getrunken, da ja viele Großveranstaltungen erst gar nicht stattfinden.“

Insgesamt falle die erste Zwischenbilanz völlig unterschiedlich aus. „Die Ernte der Gerste ist schlecht ausgefallen, ihr hat die Trockenheit im April zu schaffen gemacht“, bilanziert Schürmann. Dafür verspricht der Weizenertrag Rekorde.

Pauschal lasse sich diesmal kein Ergebnis bestimmen, weiß der Landwirt. „Das ist sehr, sehr unterschiedlich und kann regional sehr verschieden sein. Vor zwei Jahren war die Maisernte richtig schlecht, letztes Jahr hat alles gelitten – alles hängt davon ab, wann es wo regnet. Und das ist heute starken Schwankungen unterworfen. Manchmal rettet ein Gewitterschauer eine ganze Ernte.“

Der Unterschied: Die Bodenbeschaffenheit

Ähnlich sieht es Kollege Martin Eschhaus aus Bockum-Hövel: „Der erste Regen, der kam, war Gold wert.“ Wie Eschhaus erläutert, sind speziell im Hammer Raum wechselhafte Bodenbeschaffenheiten zu finden: Dort, wo im südlichen Bereich die Börde-Böden beginnen, in Bockum-Hövel und Heessen, seien die Böden eher schwer. Das heißt, sie sind feinkörnig und speichern mehr Wasser als die leichten Sandböden, die es eben auch in Sandbochum gibt. „Sand ist grobkörniger; durch Sandböden läuft das Regenwasser einfach durch“, erklärt Eschhaus.

Und die Molekular-Struktur der Böden sei nun einmal nicht veränderbar. „Wir haben die Natur nicht gemacht, wir müssen mit dem arbeiten, was da ist. Ohnehin müssen wir in Generationen denken – wenn mein Vater Schindluder mit den Böden getrieben hätte, müsste ich das jetzt ausbaden. Das kann sich kein Landwirt leisten. Also darf so etwas nicht vorkommen.“

Der diesjähriger Ertrag

Auf dem Hof Eschhaus widmet sich die ganze Familie der Schweinezucht und dem Ackerbau. Der Tönnies-Skandal hat auch Auswirkungen auf ihren Betrieb: „Wenn ich ein Schwein verkaufe, zahle ich quasi beim Betreten des Stalls Eintritt“, scherzt Martin Eschhaus. Aber der Kern ist bitter: „Gibt es einen Lebensmittelskandal, trifft es früher oder später die Landwirte, egal ob wir etwas dafür können oder nicht.“

Der Bockum-Höveler bestätigt die Eindrücke vom Hof Schürmann: „Die Erträge sind total unterschiedlich. Es gibt Flächen, auf denen ist es in diesem Jahr katastrophal gelaufen.“ Nach mittlerweile drei Jahren, in denen die Landwirtschaft mit Trockenheit zu kämpfen habe, seien die Körner der Getreidepflanzen zwar gut entwickelt, aber die Pflanzen würden weniger im Bestand, stellt Eschhaus fest, der derzeit Gerste, Weizen und Triticale sowie Ackerbohnen und Mais anbaut. Auch wenn die große Dürre des Vorjahres sich nicht wiederholt hat, so spricht er von einer eher durchschnittlichen Ernte.

Um Aussagen zu treffen, orientiert sich Eschhaus am Ernte-Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre: Gerste gibt es deutlich weniger, Triticale – durchschnittlich; Weizen liege genau im Schnitt. „Um das mal zu verdeutlichen: Bei der Gerste habe ich auf Flächen zwischen vier und neun Tonnen geerntet, gleiches gilt für die Triticale – vier bis neun Tonnen. Auf den leichten Böden stehen deutlich weniger Pflanzen auf dem Quadratmeter.“

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Auch durch den benachbarten Kreis Warendorf verläuft eine Ertragsgrenze, wie Hermann Klockenbusch, Pflanzenschutzberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen feststellt: „Die besseren Böden sind eher im Südkreis zu finden; dort gab es auch ausreichend Niederschläge.“ Die Wintergerste beispielsweise habe an guten Standorten 80 Dezitonnen pro Hektar ergeben – Durchschnitt seien 70 Doppelzentner. Im Nordkreis seien manche Standorte aber gerade mal auf fünf Dezitonnen gekommen.

Wenngleich die Ernte noch läuft, fällt Klockenbuschs Zwischenstand mäßig aus: „Die letzten zwei, drei Jahre waren die Ernten bescheiden“, sagt er. Und dennoch: Die Qualitäten seien gut, sowohl auf Sand- als auch auf den schweren Böden. Zudem erwartet Klockenbusch eine gute Kartoffelernte. Es gebe viele Knollen, die dank des Regens gut heranwachsen konnten.

Sinkende Kartoffelpreise?

„Das könnte allerdings bedeuten, dass die Preise wieder runtergehen, wenn wir ein Überangebot haben“, weiß der Fachmann. Ihn freut, dass die Spargelernte trotz Corona noch ganz gut funktioniert hat, dass sich Erntehelfer einfanden. Am Anfang der Saison hatte es ganz und gar nicht danach ausgesehen.

Auch der Raps scheint sich leicht zu erholen – Witterung und Schädlinge hatten der Pflanze zugesetzt, deren Anbau in den vergangenen Jahren zurückgefahren wurde. Nun wächst das Interesse der Landwirte, wieder mehr Raps anzubauen. „Der Mais hatte wegen der frühen Trockenheit Startschwierigkeiten, aber er hat sich dann doch noch gut entwickeln können“, sagt Klockenbusch. Damit die Maisernte wirklich sehr gut wird, sollte allerdings noch der eine oder andere Regentropfen fallen.

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