Landwirte fahren auf die Felder: Frühling liegt in der Luft...

Gülle Düngung
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Gülle-Düngung

Zum Kreislauf im landwirtschaftlichen Jahr gehört auch die Düngung der Felder – und da liegt dann auch Güllegeruch in der Luft. Aber auch der Einfluss von Corona auf die Arbeit der Landwirte hat der Kreisverband im Blick.

Hamm – Im März bringt der Bauer seine Felder und Wiesen instand – so ein bekanntes Volkslied. Damit ist aber eigentlich die Zeit um den Frühlingsanfang Mitte des Monats gemeint. „Frühling ist für mich die schönste Zeit des Jahres, aber dass er schon im Februar beginnt, ist außergewöhnlich“, sagt Landwirt Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, zu dem auch Hamm gehört.

Nach dem Schnee sind erste Äcker so weit abgetrocknet, dass auf ihnen die Traktoren rollen können. Auf den Feldern, auf den Getreide, Mais und Zuckerrüben angebaut werden, steht jetzt die Düngung mit Nährstoffen an. Wortmann bittet um Verständnis: „In dieser Woche wird verstärkt Gülleduft in der Luft liegen. Wir versuchen möglichst Gerüche zu reduzieren und Rücksicht zu nehmen, aber ganz ohne geht es nicht. So versuchen wir in der Regel in der Nähe von Wohnbebauungen nicht zur Feierabendzeit zu düngen sondern dann, wenn die Menschen zur Arbeit sind.“ Allerdings seien ja auch viele Arbeitnehmer im Homeoffice, also greife diese Maßnahme nicht immer.

Es gibt einen umfangreichen Katalog von Sperrfristen zum Güllefahren. Da wird beispielsweise zwischen Grünland und Äckern mit Feldfrüchten unterschieden. Eigentlich hätte etwas früher gedüngt werden können, aber so sind beispielsweise gefrorene Böden für die Ausbringung tabu.

Die Zeiten, in denen die Gülle im hohen Bogen auf die Äcker flog, sind allerdings auch vorbei. „Die Prallteller sind inzwischen verboten. Die Nährstoffe werden mit Schleppschläuchen bodennah ausgebracht“, so der Sprecher der heimischen Landwirte. Das dämpfe den Geruch. Wo Äcker noch unbewachsen sind, werden Gülle, Gährstoffe und Mist in den Boden eingearbeitet – auch das mindert die Geruchsausbreitung.

„Den Gährstoffen, die aus Biogasanlagen stammen, fehlt der Schwefel, deshalb riechen die nicht so stark“, erläutert Wortmann, dass es nicht nur „die Gülle“ gibt. Den Landwirten geht es auch darum, mit dem natürlichen auch künstlichen Dünger zu sparen.

Besonders zu Beginn der Vegetation im jetzt frühen Frühjahr sei der Bedarf der Pflanzen hoch, da sie dann für das Wachstum und zur Bildung von Blättern, Stängeln und Früchten Nährstoffe benötigen. Die aktuellen gesetzlichen Regeln, die die Belastung der Umwelt mit Nitrat senken sollen, sorgen auch dafür, dass die Landwirte nur ein eingeschränktes Zeitfenster zur Verfügung haben. Dabei müssen sie ihre Düngemaßnahmen auch vorab berechnen und alles dokumentieren. „Wir machen am Schreibtisch vorher eine Düngebedarfsermittlung für jedes betroffene Hektar“, schildert Wortmann. So sei der Düngebedarf auch von der geplanten Bepflanzung abhängig.

„Das ist Natur. Damit müssen wir Landwirte leben“, meint Wortmann, dessen Hof in Kamen-Methler liegt. Er geht davon aus, dass die bisherigen Regenfälle und die jetzt getauten Schneemassen, die Defizite der zwei letzten Trockenjahre nicht ausgleichen können. Immerhin habe der tauende Schnee nicht wie mancher Starkregen Böden weggespült. In der Region würde die Feuchtigkeit auch je nach Böden unterschiedlich gespeichert. „Bei leichten, sandigen Böden wie im Hammer Norden wird die Feuchtigkeit natürlich nicht so gut gehalten wie bei fetten Lehmböden im Kreis Unna“, verweist der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes auf regionale Unterschiede.

„In Coronazeiten konnten wir Landwirte im Grunde ja normal in den Betrieben arbeiten“, zieht Wortmann eine Bilanz. Doch der Lockdown hat auch Landwirte betroffen – wobei es für einige sehr negative, für andere sogar positive Auswirkungen gegeben habe.

Erzeuger von Kartoffeln, die speziell zur Herstellung von Pommes Frites dienen, seien durch den Lockdown der Systemgastronomnie und den Ausfall von vielen Veranstaltungen, auf ihrer Ware sitzen geblieben. Dagegen hätten die regionalen Hofläden bei Speisekartoffeln einen regelrechten Nachfrageboom erlebt. Mit Blick auf die Hofläden fürchtet Wortmann, dass dort dem Wachstum Grenzen gesetzt seien. Er verweist auf wissenschaftliche Studien, die Belegen, dass viele Kunden zwar in Umfragen bereit sind, mehr Geld für regionale Lebensmittel auszugeben – bei dem Blick auf die Einkäufe wurde dann aber festgestellt, dass doch nach Preis gekauft wurde. „Der Verbraucher trägt eine Mitverantwortung dafür, dass die Discounter so groß geworden sind“, urteilt Wortmann. Vielen Verbrauchern sei dabei gar nicht bewusst, dass es sich bei den Produzenten in der Region vor allem um Familien handele, die sieben Tage in der Woche arbeiten würden. „Ich habe das Gefühl, die Wertschätzung für unsere Produkte ist vielen Menschen abhandengekommen“, so Wortmann.

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