Hammer Jurist muss Ex-Mandantin knapp 50.000 Euro zahlen

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Hamm - Ein 45-jähriger Rechtsanwalt aus Hamm hat über mehr als zwei Jahre Mandantengelder in Höhe von mehreren 10.000 Euro für sich behalten und offenbar für eigene Zwecke verbraucht. Das Geld soll er nun zurückzahlen. Die Frage ist nur, wann das geschieht.

Seit mehr als zwei Jahren hatte seine Ex-Mandantin – eine Verkäuferin aus Hamm – auf diesen Tag gewartet. Am Montag endlich entschied eine Zivikammer des Dortmunder Landgerichts, dass der Jurist aus Hamm zur Herausgabe von 33 980 Euro an sie verpflichtet sei. Zuzüglich der im Lauf der Jahre angefallenen Arrestkosten, Zinsen und Gerichtskosten beläuft sich der Betrag nun auf insgesamt knapp 50.000 Euro. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Es steht zu vermuten, dass der beklagte Rechtsanwalt auch hiergegen Berufung einlegen und zumindest eines dabei gewinnen wird: Zeit. 

Das Geld, auf das die Ex-Mandantin wartet, stammt aus einem Hausverkauf. In ihrem eigenen Scheidungsverfahren hatte sie sich vor Jahren vertrauensvoll an den Rechtsanwalt gewandt. Eine Immobilie wurde damals per Zwangsversteigerung veräußert, ihr Anteil an dem Verkaufserlös – exakt 33.984,61 Euro – wurde von ihrem Ex-Ehemann vorschriftsmäßig auf das Konto des Rechtsanwalts überwiesen. Ausgezahlt wurden der Frau von dem Anwalt tatsächlich aber lediglich 4,61 Euro. Den Rest, so hatte das Hammer Schöffengericht im Februar beim Strafprozess gegen den Juristen festgestellt, soll dieser für eigene Zwecke verbraucht haben. Weil seine Kanzlei nicht lief, habe er sich eine neue Einnahmequelle verschaffen wollen und sich an dem Geld seiner Mandanten bedient, hieß es in der Urteilsbegründung.

Nur Bruchteil des Geldes soll angekommen sein

Der Anwalt wurde in diesem Februar-Prozess wegen Untreue in besonders schwerem Fall zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Ebenso soll er rund 19.000 Euro von einem heute über 70-jährigen Mann aus Essen erhalten und in die eigene Tasche gesteckt haben. Der Rentner hatte dieses Geld – so stellte es das Schöffengericht im Februar ebenfalls fest – über mehrere Jahre in monatlichen Raten von 450 bis 650 Euro an den Anwalt überwiesen. Dies geschah in dem Glauben, dass der Anwalt damit Bankschulden, die der Senior hatte, im Zuge eines Entschuldungsverfahrens begleichen würde. Tatsächlich soll nur ein Bruchteil dieses Geldes dort angekommen sein. 

Rechtskräftig ist das Schöffengerichtsurteil bislang nicht geworden. Der Anwalt legte Berufung vor dem Landgericht ein. Hierüber wurde bislang nicht entschieden, ein Prozesstermin steht auch noch nicht fest. Das bestätigte am Dienstag ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Auch die Staatsanwaltschaft hat wegen dieses Urteils einen Titel über 52.680 Euro gegen den Anwalt erwirkt. Vollstreckt werden kann erst, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. 

Der Anwalt ist nach wie vor als solcher tätig. Ein standesrechtliches Verfahren gegen ihn wird erst dann fällig, wenn – man ahnt es bereits – ein rechtskräftiges Urteil vorliegt.

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