Tolle Aktion auf Hammer Strüverhof

Jugendliche päppelt über Wochen verstoßenes Lämmchen Lotta auf

Eine Jugendliche des Strüverhofes kümmerte sich über Wochen um das verstoßene Lämmchen Lotta.
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Eine Jugendliche des Strüverhofes kümmerte sich über Wochen um das verstoßene Lämmchen Lotta.

Wenn gute Nachrichten und tolle Geschichten in Zeiten von Corona auch rar sein mögen - hier kommt eine: Sie erzählt von einer Jugendlichen des Strüverhofs, die über Wochen ein verstoßenes Jungtier aufgepäppelt hat.

Allen – Die Frühlingssonne lockt Mensch und Tier allerorten nach draußen, so auch auf dem ländlichen Anwesen der Jugendhilfeeinrichtung Strüverhof in Allen. Unter anderem genießt die kleine Schafherde das schöne Wetter auf ihrer Weide. Darunter befinden sich auch sieben Lämmer, die in diesem Jahr auf die Welt gekommen sind. Mittendrin auch das Lämmchen „Lotta“. Daran war vor ein paar Wochen gar nicht zu denken. Dem Lämmchen ging es eine Zeit lang sehr schlecht. Doch dank der Fürsorge einer „Aushilfsmama“ kam Lotta über den Berg. Dass dabei auch das Coronavirus behilflich war, berichtet eine Bewohnerin, die selbst nicht in der Zeitung in Erscheinung treten möchte.

Es gehört zum pädagogischen Konzept der Einrichtung, den Kindern und Jugendlichen engen Kontakt zu Tieren zu ermöglichen. Pferde, Esel, Hühner und Schafe gehören zur Strüverhof-Familie. Dieser Kontakt intensivierte sich nun, seit den unverhofften „Corona-Ferien“. Und so bemerkte das Mädchen eines Morgens, dass eines der kurz zuvor geborenen Lämmchen von der Mutter abgelehnt wurde. Passierte so etwas in der Vergangenheit, bemühten sich immer die Betreuer um das Wohl der Jungtiere. Dieses Mal aber wurde ein Teenager zur „Ersatzmama“. „Dank“ Corona hatte die Schülerin Zeit.

Schnell besorgte sie sich die notwendigen Utensilien wie Wärmelampe, Decken, Milchpulver und Babyflaschen, um das Lämmchen, mittlerweile auf den Namen Lotta getauft, versorgen zu können. Lotta sollte aber erst im Stall bleiben. „Wir hofften, dass die Mutter ihr Kleines vielleicht doch noch annehmen könnte“, beschreibt der Teenager. Doch daraus wurde nichts. „Als es nachts dann aber sehr kalt wurde, holten wir Lotta rein und ich schlief mit ihr im Keller“, erzählt die liebevolle Ersatzmama. „Wir bereiteten ihr dort eine Matratze, bedeckt mit Stroh und Heu vor, und hingen die Wärmelampe auf. In der ersten Nacht musste ich stündlich aufstehen, um Lotta das Fläschchen zu geben. Sie schrie die ganze Nacht.“

Lämmchen Lotta schien krank zu werden

In den darauffolgenden Nächten, als es wärmer war, konnte Lotta im Stall, bei ihrer Mutter schlafen. Alle drei Stunden, ob Tag oder Nacht bekam das Lämmchen das Fläschchen. „Immer wieder versuchte ich, sie bei der Mutter anzulegen, doch leider vergebens“, erzählt die Jugendliche. Am vierten Lebtag wurde das Strüverhof-Team mit dem jungen Tier beim Tierarzt vorstellig. Dort erhielt es ein Antibiotikum sowie Aufbaumittel, um die Schwächung aus den ersten Stunden ohne Versorgung auszugleichen.

Aber Lotta schien dennoch krank zu werden. „Als ich sie abends fütterte, röchelte sie sehr stark“, erinnert sich der Teenager, „sodass wir sie wieder rein holten, damit sie keine Lungenentzündung bekommt.“ Und so zogen die beiden ein weiteres Mal in den Keller. „Wir schliefen das ganze Wochenende im Keller und ich fütterte sie weiter alle drei Stunden. Tagsüber brachte ich sie zurück zu ihrer Mutter“, berichtet das Mädchen.

Erste Gehversuche auf dem Reitplatz

Die Rundum-Bemutterung tat Lotta sichtlich gut. Fast stündlich machte sie Fortschritte, das Röcheln verschwand wieder. Und so standen die ersten Gehversuche auf dem Reitplatz an. „Ich stellte sie erst hin und half ihr dann in die Laufbewegung“, berichtet der Teenager. Und siehe da: Wackelig bewegte sie sich vorwärts. Was für ein Augenblick für die „junge Mama“.

So verging Tag um Tag. Füttern, Laufen üben, Schlafen. Und wie es sich für eine richtige Mutter-Tochter-Beziehung gehört, ging auch mal etwas sprichwörtlich daneben, wie die Jugendliche mit einem Schmunzeln im Gesicht erzählt: „Bei den täglichen Kuscheleinheiten passierte es gelegentlich, dass Lotta es nicht mehr rechtzeitig zur ,Toilette‘ schaffte und ich mich des Öfteren umziehen musste. Als ich einmal mit ihr durchs Haus lief, passierte es, ich hörte nur noch, wie Lotta pupste, ich wusste genau was folgen würde. Ich stellte sie ab und sie verrichtete ihr Geschäft, mitten im Eingang unseres Haupthauses. Lotta erhielt sofort die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden.“

Lotta ist jetzt das Hofmaskottchen

Während Lotta kräftiger wurde, sollte sie auch langsam den Kontakt zur Herde wiederfinden. Das ging leichter als gedacht. „Als Lotta einmal mit dem Rest der Herde, auf der Wiese war, wackelte sie mir sogar schon ein paar Schritte Richtung Herde davon“, berichtet das Mädchen. Mittlerweile sei Lotta fester Bestandteil der Strüverhofgemeinschaft und zum Hofmaskottchen geworden. Dank der Ersatzmama, die dem Lämmchen durch Corona sehr viel Zeit widmen konnte, und der großen Unterstützung des Strüverhof-Teams, entwickelt sich Lotta im Laufe der Zeit immer mehr zu einem glücklichen Schäfchen.

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