Kunst im Lutherviertel: Kistenweise Geschichten bei "La Storia"

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Über 50 "kreative Kisten" sind bisher eingetroffen. Werner Reumke und Künstlerin Christiane Pfau zeigen einen Ausschnitt.

„La Storia“ sollte nach 20 Jahren Nachfolger von „La Fête“ als Fest im Martin-Luther-Viertel werden. Dann kam Corona und an große Straßenfeste war nicht mehr zu denken. Aber damit war gleichzeitig ein neues Kunstprojekt geboren: die kreative Kiste. Und dies stößt auf enorme Resonanz. 

Hamm-Mitte - Weil alte Foto- und Filmkameras über Jahrzehnte „Geschichten“ (italienisch: la storia) festgehalten haben, brachte der Förderverein des Martin-Luther-Viertels knapp 100 Kisten mit Foto- und Filmzubehör aus eigenem Museumsbestand auf den Weg, was Künstler mit neuen Geschichten interpretieren sollten. 

Inzwischen sind 56 Holzkisten zurückgekommen. „Wir wussten nicht, was wir damit ausgelöst haben“, sagt der Fördervereinsvorsitzende Werner Reumke. Kisten waren unter anderem in die befreundete italienische Stadt Crotone und nach Wien gegangen, und ihr Inhalt wurde hier künstlerisch gestaltet: Kameras, Filmrollen oder Objektive sind ein einen neuen Kontext gesetzt worden – und das auf unterschiedlichste Art. 

Aber auch in der Region entstanden Ideen rund um die Kisten: in Münster, Telgte, Oelde, Beckum, Unna, Dortmund oder Schwerte. In Hamm selbst seien die Teilnahme eher verhalten gewesen, sagt Reumke. 

Die Schwerter Künstlerin Jessica Maria Toliver und Fotograf Bernd Paulitschke haben das Öffnen der Kiste an sich zum Kunstprojekt gemacht und ein Daumenkino davon erstellt. 

 

Eine der Künstlerinnen, deren Kiste in diesen Tagen wieder in „La Maison“ im Luther-Viertel eingegangen ist, ist Jessica Maria Toliver aus Schwerte. Toliver hatte 2018 an der regionalen Kunstschau „Hier und Jetzt“ im Gustav-Lübcke-Museum teilgenommen. Im Zuge dessen hat das Museum einen Scherenschnitt von ihr erworben und zeigt die Arbeit in der Abteilung für Angewandte Kunst. Toliver hätte aktuell zudem gemeinsam mit Andrea Behn (Herdecke) im Hammer Kunstverein in der Stadthausgalerie ausstellen sollen. Mit der Corona-bedingten Schließung städtischer Ausstellungsorte ist die Ausstellung mit Malerei, Zeichnungen und Schnitten verschoben worden.

Toliver hat den Erhalt und das Öffnen der Kiste in ihrem Atelier an sich zu einem Kunstobjekt gemacht. Zentimeter für Zentimeter, Moment für Moment hat sie das Öffnen der „Kreativen Kiste“ gemeinsam mit Fotograf Bernd Paulitschke im Bild und in 320 Fotografien festgehalten. Daraus sind ein analoges klassisches Daumenkino und eine digitale Filmvariante davon entstanden. Dabei ist die Ausgangssituation des verschlossenen Pakets zugleich Endpunkt, ohne die Objekte in der Kiste selbst zu verändern oder neu zu inszenieren. 

„Wir wissen nicht, was drin ist. Das Überraschungsmoment ist das Interessante“, sagt Toliver. Deshalb hat sie sich entschlossen den Moment der Überraschung in Szene zu setzen und eine kleine filmische Geschichte darüber zu erzählen. „Die Kamera wird selbst zum Objekt“, ergänzt Paulitschke. „Eine neue, moderne Kamera bildet eine alte ab.“ 

Am 17. Oktober werden die Ergebnisse der „Kreativen Kiste“ im Martin-Luther-Viertel in Pavillons, Schaufenstern und an Wänden präsentiert. Dann werden sowohl das Daumenkino analog und digital zu sehen sein wie auch die gestalterische Auseinandersetzung mit dem Thema Foto- und Filmgeschichten in gut 90 weiteren Kisten. Das Projekt ist über den Verfügungsfonds Innenstadt gefördert worden.

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