Kultige Partykeller in Hamm

Feiern im Schweinestall: Familie Günther hat eine besondere Sammelleidenschaft

Besonderer Partykeller: Herbert Günther hat lange Zeit alles gesammelt, was irgendwie nach Schwein aussah.
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Besonderer Partykeller: Herbert Günther hat lange Zeit alles gesammelt, was irgendwie nach Schwein aussah.

Wir waren auf der Suche nach den kultigsten Partykellern und haben einige gefunden. In unserer Serie stellen wir die Bars im Untergeschoss und die Leute, die sie mit Leben füllen, vor. Dieses Mal waren wir bei Familie Günther im „Pigsty“.

Hamm – Zum „Pigsty“ führt eine Treppe in den Keller. Und Schweinestall trifft’s. „So um die 800 Schweine sind es“, erklärt Herbert Günther zu den tierischen Mitbewohnern hinter, auf und vor dem Tresen seiner Kellerbar. Der heute 89-Jährige sammelt seit „30, 40 Jahren“ Schweine von der Miniatur-Töpferarbeit bis hin zum gusseisernen Schwergewicht.

StadtHamm
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche226,3 km²
Einwohner178.967 (31. Dez. 2020)

Ausgerechnet Schweine. „Ich bin Jahrgang 1932, in Bergkamen, in der Zechensiedlung Schönhausen aufgewachsen“, erzählt Günther, „da hatte man als Selbstversorger auch Schweine im Stall.“ Und ein ganz anderes Verhältnis zu den Tieren, die wohnten ja im Haus, gehörten quasi zur Familie. Und wurden auch gegessen. „Aber es war anders als heute mit der Massentierhaltung“, begründet er seinen Verzicht auf Fleisch heutzutage.

Feiern im Schweinestall: Herbert Günther sammelt alles rund ums Schwein

Das Schwein mit Glückspfennig im Nacken gehört traditionell zu Silvester, den der Freundeskreis immer bei Günthers feierte. Da schließt sich der Kreis mit Blick auf den Partykeller. „Damals waren Pfennigabsätze modern, der Keller war noch nicht fertig, der Parkettboden im Wohnzimmer sah am nächsten Morgen schrecklich aus“, drängte Ehefrau Thea Mitte der 70er Jahre auf die Fertigstellung des Untergeschosses.

„Ich fand es zu schade, den Marzipanschweinen den Kopf abzubeißen“, erinnert sich Herbert Günther an den Ursprung seiner Sammelleidenschaft. Dumm nur, dass das Marzipan im Regal hinter dem Tresen irgendwann ranzig wurde. Ersatz kam in Form einer hölzernen Nachbildung des Glücksbringers. Denn die Freunde sprangen sofort auf diese Art der Tierliebe der Familie Günther an.

„Wer zu Besuch kam, brachte eigentlich immer ein Schwein mit, ob einfach so, weil er etwas Originelles gesehen hatte oder als Souvenir aus dem Urlaub“, erzählt Thea Günther. Und Gäste hatten die Westener oft. Erst die Bergwandererkollegen von Hoesch, später dann die Tischtennisfreunde der Hobbymannschaft des TuS Lohauserholz.

Und alle Freunde haben mitgemacht: Thea Günther zeigt die Verbundenheit zum Schwein und lieben Menschen.

„Wir haben hier über 20 Jahre jeden Donnerstag gemeinsam im Keller gefeiert.“ Gezapft wurde aus dem Hahn, den selbstredend ein silbernes Schwein ziert, wie auch die Humpen, die Bierdeckel und die Servietten. „Stilecht eben“, meint Thea Günther. Sie, ja die ganze Familie, ließen sich von der Schweinemanie anstecken. Sohn Rüdiger nahm den Faden auf, nutzte sein kunsthandwerkliches Talent zu Karikaturen, Gemälden, Skulpturen oder einer Laubsägearbeit, einer Schreibtafel in Schweineform. Er hielt auch auf Flohmärkten die Augen offen. Ergebnis: Ein Schweinereiter, ein historisches Blechspielzeug.

Hamms kultige Partykeller - hier: Familie Günther

Hamms kultige Partykeller - hier: Familie Günther.
Hamms kultige Partykeller - hier: Familie Günther.
Hamms kultige Partykeller - hier: Familie Günther.
Hamms kultige Partykeller - hier: Familie Günther.
Hamms kultige Partykeller - hier: Familie Günther

„Versautes“ besitzen die Günthers auch. Miss Piggy lässt ihren Busen blitzen, einer Bardame in Strapse hängt die Zigarettenspitze lässig im Mundwinkel, eine Strandnixe präsentiert ihre Kurven und in der Vitrine geht es tierisch zur Sache. „Hierfür hat unsere Schwiegertochter ein Mützchen gehäkelt“, deutet Thea Günther nicht etwa auf den Ringelschwanz im Zentrum eines Aschenbechers in Schweinegestalt.

Humpen, Bierdeckel und Zapfhahn im Schweine-Look

„Die Tiere erzählen auch alle eine Geschichte“, sagt Herbert Günther. Sie boten Gesprächsstoff für die Gäste an der Orionstraße. „Wir erinnern uns auch gerne an die Menschen hinter den Schweinen.“ Sein liebstes Tier ist ein musikalisches: „I got sunshine“ singt die Sau nach Druck auf die Pfote und tanzt. „Das Schwein stammt von meinem Enkel Christian. Aber psssst! Die anderen Schweine dürfen nicht hören, dass es mein liebstes ist, sonst werden sie vielleicht eifersüchtig.“

Die Serie

Kein Haus ohne Partykeller: Früher gehörte die Theke im Untergeschoss einfach dazu. Man traf sich zum Kartenspielen, bei runden Geburtstagen oder zur Nachbarschaftsfeier, hier tratschten Frauenkegelclubs genauso wie die Jungs aus dem Fußballverein. Oft kamen die Gäste im Dunkeln an und kehrten erst heim, als es draußen wieder hell wurde. Und heute? Ja, es gibt sie noch, die kultigen Keller. Wir stellen die Bars im Untergeschoss und die Leute, die sie mit Leben füllen, vor. Nach Jörg Neusüß in Rhynern waren wir im Westen bei Oliver Bruch zu Gast. Es folgte „der Tanz an der Stange“ bei den Hombergs und der Besuch bei den Jüpners. Dann berichten die Boras von den schönen Stunden im Untergeschoss. Dieses Mal eben die Sauerei bei den Günthers.

Der Partykeller wird heute nur noch wenig genutzt. Im Nachbarraum, wo auch große Familienfeiern stattfanden, nutzen die Eheleute die Tischtennisplatte weiter. „Man muss sich ja bewegen.“ Die Sammlung wollen sie jetzt aufgeben. Zumal die Tiere Pflege erfordern. „Das letzte Mal habe ich sie vor zwei Jahren geputzt. Zwei ganze Tage lang“, sagt Thea Günther. Sie würden die 800 Schweine gegen eine Spende ans Hammer Hospiz gerne abgeben. Wer Interesse hat, kann sich über den WA melden.

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