Beruf: Kinderbuchillustratorin - Hammerin lebt in Berlin ihren Traum

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Wenn Eva Künzel früher in Freundschaftsbüchern nach ihrem Berufswunsch gefragt wurde, schrieb sie: „Kinderbuchillustratorin“. Heute macht sie genau das.

Hamm - Vor vier Jahren zog es die Hammerin Eva Künzel nach Berlin. Dort zeichnet die 27-Jährige neben Bildern für Kinderbücher und Spiele auch Cartoons für Sky-Sport. Nun ist ihr neues Kinderbuch „König Theodor“ erschienen. Im WA-Interview erzählt sie von ihrer Arbeit und ihrer Nähe zu ihrer Heimatstadt Hamm.

Sie sind jetzt seit fast vier Jahren freiberufliche Illustratorin in Berlin. Wie gut können Sie davon leben? 

Eva Künzel: Ich kann wirklich gut davon leben, das hätte ich nie für möglich gehalten. Ich hatte das Glück, von Anfang an Projekte zu haben, die etwas eingebracht haben. Das waren nicht immer nur prestigeträchtige Aufträge, aber das habe ich auch nicht erwartet. Es ist viel Arbeit, ich muss häufig vorarbeiten, Bilder liefern und werde erst hinterher bezahlt. Aber es funktioniert für mich. 

Spüren Sie einen Konkurrenzkampf in Berlin? 

Künzel: Nein. Es gibt zwar eine große Kunst- und Illustratorenszene, allerdings suche ich dort selten Inspiration und Austausch. Insgesamt erlebe ich andere Künstler und Illustratoren als offen und neugierig. Die meisten meiner Auftraggeber kommen nicht aus Berlin. Mein Wohnort spielt bei meinen Aufträgen keine Rolle. 

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Arbeit? 

Künzel: In der Anfangszeit waren es durchaus zwölf Stunden am Tag. Es hängt immer von der Auftragslage ab. Wenn es möglich ist, versuche ich, meine Zeit so einzuteilen, dass ich auf acht Stunden am Tag komme. Aber Urlaub machen Sie? Künzel: Ja, Urlaube sind drin. Keine Luxusurlaube, aber das ist auch nicht meins. Ich bin gerne in der Natur, gehe mit meinem Freund wandern. Bei schönem Wetter mache ich auch einfach mal eine längere Pause, gehe raus und arbeite abends weiter. In der Ruhe der Natur schöpfe ich viel Kraft. 

Eva Künzel hat sich Hähne angeschaut, um ein Bild für die Figur Theodor zu entwickeln. In dem neuen Buch, das sie illustriert hat, geht es um einen Hahn, der König sein will – und merkt, dass das gar nicht so einfach ist.

Ihr neues Buch „König Theodor“ handelt von einem Hahn, der König sein will, aber feststellt, dass das gar nicht so leicht ist. Gibt es ein reales Vorbild für die Figur, einen Politiker vielleicht? 

Künzel: Die Geschichte stammt von der Autorin Anne Hassel, ob sie dabei an jemand bestimmten gedacht hat, weiß ich nicht. Für die Illustrationen hatte ich kein menschliches Vorbild. Es soll eine zeitlose Geschichte sein, deshalb habe ich mich bewusst gegen eine politische Ähnlichkeit entschieden. Ich habe mir Bilder von echten Hähnen angeschaut, nachgesehen, welche gezeichneten Charaktere es schon gibt, und daraus einen eigenen Charakter entwickelt.

Und wie ist es bei anderen Geschichten?  

Künzel: Ich gestalte manchmal kleine Bücher mit Tiergeschichten als Geschenk für Freunde und Verwandte. Da kommt es dann schon vor, dass die Tiere plötzlich gewisse Ähnlichkeit mit einzelnen Personen haben. 

Welche Rolle spielt Ihre Heimatstadt Hamm heute noch für Sie? 

Künzel: Ich sehe mich definitiv als Hammerin. Wenn mich jemand fragt, wo ich herkomme, sage ich, dass ich in Berlin wohne, aber aus Hamm komme. Ich möchte auch irgendwann wieder dorthin zurück. 

Was hat Sie inspiriert? 

Künzel: Meine Mutter hat uns früher immer aus Astrid-Lindgren-Büchern vorgelesen. Stundenlang. Mir gefielen die Geschichten – besonders Lotta – und die Illustrationen. Später kamen dann Pettersson und Findus. Es gab einfach so viel zu entdecken. Und war so liebevoll gezeichnet. Da habe ich – ohne genau zu wissen, was es bedeutet – angefangen, in Freundschaftsbücher unter dem Punkt Beruf „Kinderbuchillustratorin“ einzutragen. Mein Vater, der selbst viel gezeichnet hat, hat mich ermutigt alles auszuprobieren. Ohne die Unterstützung meiner Familie und meines Freundes hätte ich den Schritt zur Selbstständigkeit nicht so einfach gewagt.

Zur Person:

Eva Künzel wurde am 3. November 1990 in Hamm geboren. Bis 2010 machte sie ihr Abitur am Beisenkamp-Gymnasium und studierte anschließend Illustration an der Ruhrakademie in Schwerte. Nach Abschluss ihres Studiums zog es die Hammerin nach Berlin, wo sie seit 2014 als freiberufliche Illustratorin arbeitet. Die 27-Jährige war seitdem an sechs Büchern und vier Spielen beteiligt. Außerdem war sie für das Forschungszentrum Jülich und das Zeitzeugenprojekt „Heimatsucher e.V.“ aktiv und zeichnet immer neue Cartoons für Sky. Einige Ausschnitte sind auf ihrer Internetseite zu sehen.

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