Minusgeschäft für Bank

Kündigung für Verträge: Sparkasse Hamm beendet Prämiensparen - Kritik vom Verbraucherschützer

Sparkasse
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Die Sparkasse Hamm kündigt Prämiensparverträge.

Prämiensparverträge haben sich für viele Sparkassen inzwischen zum Minusgeschäft entwickelt. Immer mehr Verträge werden gekündigt. Nun springt auch die Sparkasse Hamm auf den Zug auf: Sie kündigt zum März 2021 unbefristete Prämiensparverträge, in denen die höchste Prämienstufe erreicht wurde.

Hamm - Die Kündigungsschreiben werden Ende November an rund 1900 Kunden per Post verschickt. „Wir beachten dabei die Vorgaben des Bundesgerichtshofes“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Hamm Torsten Cremer. „Verträge, die diesen Kriterien nicht entsprechen, werden selbstverständlich weitergeführt.“

Befristete Verträge bleiben

Viele Jahre waren die Prämiensparverträge ein Bestseller bei den Sparkassen. Dabei zahlen die Kunden in der Regel einen fixen Betrag pro Monat ein und erhalten ab einer festgelegten Frist zusätzlich zum Zins eine Prämie. Je länger so ein Vertrag läuft, desto höher ist diese.

Nun gibt es verschiedene Vertragsformen: Einige sind befristet und enden nach der vertraglichen Laufzeit. Diese Verträge sind von der Kündigung nicht betroffen, sie laufen bis Vertragsende weiter. Post von der Sparkasse erhalten Kunden, die einen unbefristeten Vertrag abgeschlossen und inzwischen die höchste Prämienstufe erreicht haben. Ihnen wird diese vereinbarte Prämie noch einmal ausgezahlt, dann ist Schluss.

Hohe Kosten für kleinen Kundenkreis

Diese Entwicklung hatte sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet. Die Sparkasse hatte im September zahlreiche Kunden angesprochen, um mit ihnen über die Sparstrategie zu sprechen für Experten bei der Verbraucherzentrale ein Indiz dafür, dass diese Verträge bald gekündigt werden sollten. Dieser Fall ist nun eingetreten.

„Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, weil wir sicherstellen müssen, dass unsere Sparkasse auch in Zukunft ihre vielfältigen Aufgaben für die Entwicklung in Hamm und der hier lebenden Menschen ohne Einschränkungen nachgehen kann. Dazu sind wir schon aufgrund des gesetzlich verankerten öffentlichen Auftrags verpflichtet“, sagt Cremer.

Für eine im Vergleich zur Gesamtheit der Kunden der Sparkasse Hamm kleine Kundengruppe wende die Sparkasse jährlich einen bedeutenden sechsstelligen Betrag an Prämienzahlungen auf. „Aus Verantwortung für die gesamten Sparkassen-Kunden können wir nicht diesem kleinen Teil unserer Kunden hohe Prämien zahlen und auf der anderen Seite Kredite teilweise für weniger als ein Prozent Zinsen vergeben.“

Andere Sparformen lukrativer?

Viele Jahre hatte die Sparkasse ihren Kunden mit dem Prämiensparen ein attraktives Angebot unterbreiten können. Inzwischen, so betont Cremer, lohne sich diese Sparform auch für die Kunden nicht mehr, es gebe andere Anlagemöglichkeiten, die erfolgversprechender als die Prämiensparverträge oder auch Tagesgelder oder Sparbücher sind.

Cremer macht eine Rechnung auf: Kunden erhalten beim Prämiensparen neben dem Grundzins auf den insgesamt angesparten Betrag – aktuell in der Niedrigzinsphase lediglich 0,01 Prozent pro Jahr – eine Prämie auf die jeweils in einem Jahr eingezahlte Summe. Diese Prämie steigt im Zeitverlauf. In einigen Verträgen erreichen die Kunden nach 10 Jahren die höchste Prämienstufe, in anderen Verträgen nach 15 Jahren.

Dann gibt es je nach Vertrag bis zu 50 Prozent der in dem Jahr eingezahlten Sparbeträge als Bonus. Ab diesem Zeitpunkt sinke nach den Berechnungen der Sparkasse die jährliche Rendite des Prämiensparvertrages allerdings. Cremer: „Das Guthaben des Vertrages steigt weiter durch die regelmäßigen Sparraten, jedoch stagniert die Prämie, da diese nur auf die jährlich gesparten Beträge und nicht auf den insgesamt angesparten Betrag ausgezahlt wird. Je länger der Vertrag also besteht, desto niedriger verzinst wird er für den Vertragsinhaber.“ Teilweise kämen die Kunden daher nur auf einen geringen Zins. Es gebe lukrative Anlageformen, die in den Beratungsgesprächen nun besprochen werden sollen.

Verbraucherzentrale kritisiert Sparkasse

Auf diese Angebote ist David Riechmann, Referent für Banken und Kapitalmarktrecht bei der Verbraucherzentrale NRW, gespannt. Er gehe nicht davon aus, dass die Angebote der Sparkasse besser ausfallen könnten.

„Man muss auch das Risiko bedenken“, so Riechmann. Das sei bei den Prämiensparverträgen gleich null. Außerdem fielen bei anderen Anlageformen, etwa Fonds, Gebühren und Abschlussprovisionen an. „Bis diese wieder hereinkommen, dauert es eine gewisse Zeit.“ Das müsse man in Relation zu den Prämiensparverträgen setzen. Einige Sparkassen hätten in der Vergangenheit zudem den Zins der Prämiensparverträge nicht richtig berechnet. Dazu seien Verfahren anhängig. Von der Sparkasse Hamm habe er dazu noch nichts gehört. Er rät dazu, die Verträge bei Verbraucherzentralen prüfen zu lassen.

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