RWE-Kraftwerk Westfalen abgeschaltet

Wahrzeichen verschwinden: Am Kraftwerk beginnt der Abriss der Kühltürme

Abriss Kühltürme Block A B und C des RWE Kraftwerk Westfalen in Hamm Uentrop Schmehausen
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Bevor die Kühltürme abgerissen werden können, muss erst einmal alles raus, was sich im Inneren befindet – so, wie die Bauarbeiter es bereits bei Kühlturm C machen. Weil alles per Hand ausgebaut und nur durch einen kleinen Eingang nach draußen gebracht werden kann, landen tausende Lamellen aus der Verrieselungsebene zunächst auf einem Haufen, ehe die Reststoffe fachgerecht entsorgt werden. Dabei ist das Ausräumen bei den kleinen Kühltürmen A1 und A2 noch aufwendiger, da die Einbauten Asbestzement enthalten und gut verpackt entsorgt werden müssen.

Das RWE-Kraftwerk Westfalen ist seit Juli endgültig vom Netz. Das gilt für einige Anlagen auf dem großen Gelände in Schmehausen bereits seit Jahren. Hier hat der Abriss begonnen.

Schmehausen - Die Tage der drei Kühltürme nordöstlich der Lippestraße in Uentrop-Schmehausen sind gezählt. Bevor sie jedoch spätestens im kommenden Jahr abgerissen und für immer aus dem Hammer Stadtbild verschwinden, hat Projektleiter Ulrich Kirsch noch einen Einblick in den Stand der Arbeiten und auf die Kühltürme selbst gegeben.

Eines fällt dabei sofort auf, vor allem beim mit 120 Metern höchsten Kühlturm von Block C: Das Industriebauwerk wirkt noch viel imposanter, wenn man direkt davor steht. Beeindruckend ist aber auch zu sehen, wie windig es in der Mulde unter dem Turm ist.

Kühltürme in Uentrop vor dem Aus

Kühltürme in Uentrop vor dem Aus
Kühltürme in Uentrop vor dem Aus
Kühltürme in Uentrop vor dem Aus
Kühltürme in Uentrop vor dem Aus
Kühltürme in Uentrop vor dem Aus

Klar, schließlich handelt es sich bei dem Bauwerk um einen sogenannten Naturzugkühlturm, der in Betriebszeiten das für die Energiegewinnung notwendige und aufgeheizte Wasser durch eine über etliche Quadratmeter gehende Verrieselungsebene sowie durch den Windzug, den die Höhe des Bauwerks mit sich bringt, heruntergekühlt und zur Weiterverwendung über Pumpen zurück ins Kraftwerk gefördert wurde. „Früher war es richtig laut hier“, erklärt Kirsch, schließlich prasselten die Wassermassen hier nur so herunter.

Grünland ersetzt Kraftwerksanlagen in Schmehausen

Ein Blick zurück ist dabei auch immer mit einem Ausblick verbunden. So wie bei der Mulde. „Sie wird erhalten bleiben“, erklärt Ulrich Kirsch. Heißt: Nach dem Abriss wird das Fundament bei allen drei Türmen mit Boden aufgefüllt und dann begrünt. Hier und auch im weiteren Verlauf des Geländes soll sich später die Natur ausbreiten können, zumal das Areal dann ohnehin Grünland ohne jegliche Bebauung werden soll. Nur die unterirdisch verlegten Versorgungsleitungen sollen auch nach dem Abriss der drei Kühltürme bestehen bleiben – sie dienen schließlich der Versorgung des Standortes mit Wasser.

Bei einem Rundgang gab Ulrich Kirsch, Projektleiter Rückbau bei „RWE Technology International“, einen Einblick in den Stand der Arbeiten an den Kühltürmen, wie hier bei Kühlturm A1. Der und sein kleiner „Bruder“ verfügen im Inneren neben einer Verrieselungsebene auch über jeweils einen riesigen Ventilator im oberen Bereich.

„Wir gehen davon aus, dass bis Ende 2022 alles fertig ist“, gibt Kirsch einen groben Zeitplan bekannt. Wann allerdings der tatsächliche Abriss ansteht, ist noch nicht festgelegt. Klar ist aber, die beiden Kleinen sollen per Bagger abgerissen werden, der Große muss gesprengt werden. Passieren soll das voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres. „Wir wollen dann alle drei nacheinander machen“, sagt Kirsch über das Prozedere. Warum die Zeitplanung so schwierig ist, hat dabei unter anderem mit dem Naturschutz zu tun – etwa, wenn es um die Beachtung von Brutzeiten von Vögeln geht.

Turmfalke auf Kühlturm in Schmehausen

Ohnehin spielten Vögel zuletzt eine Rolle bei den Vorbereitungen auf den Rückbau. Weil sich genau ein Turmfalke im 120 Meter hohen C-Kühlturm eingenistet hat, kam es zu Verzögerungen. Aus Naturschutzgründen muss der Vogel schließlich erst eine neue Heimat finden, ehe das Industriebauwerk dem Erdboden gleichgemacht werden kann.

„Wir haben schon vor einiger Zeit einen neuen Horst angelegt“, erklärt Kirsch, bloß wollte der Turmfalke den nicht und blieb lieber in „seinem“ Kühlturm. „Hier hat er Schutz vor Feinden und kann ungestört brüten“, sagt der Projektleiter. Damit Flora und Fauna keine Schäden im Zuge des Abrisses nehmen, wird der gesamte Prozess von Biologen begleitet, betont Ulrich Kirsch.

RWE beschließt Abriss in Schmehausen

Beschlossen worden ist der Abriss der drei Kühltürme unterdessen im Frühjahr dieses Jahres. Hintergrund ist, dass die Türme A1 und A2 schon länger stillgelegt waren und auch der große Kühlturm nicht mehr gebraucht wurde, nachdem Block C des RWE-Kraftwerks Westfalen 2016 abgeschaltet wurde.

Mit dem Abriss und der späteren Umwidmung des Areals in beweidetes Grünland kann RWE einerseits ihr Ökokonto verbessern – wichtig ist dies für künftige Bauvorhaben – und andererseits fallen dann Instandhaltungsmaßnahmen weg. Am meisten profitiert jedoch die Natur, die sich das Areal dann „zurückerobern“ kann – auch wenn Hamm damit ein kleines Wahrzeichen verliert.

RWE hat Kraftwerk in Schmehausen abgeschaltet

Was mit dem vergleichsweise neuen Kraftwerk passiert, ist noch nicht genau bekannt. Tatsache ist, dass es im Juli abgeschaltet worden ist. Damit endete eine bedeutende Zeit auch im Uentroper Dorf. Der Kraftwerksbau ist auch ein Teil der Siedlungsgeschichte.

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