Kügelchen geben Rätsel auf

So sehen die im THTR-Umfeld gefundenen Kügelchen aus.

HAMM - Die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm verlangt Aufklärung im Fall der gefundenen Kügelchen rund um das stillgelegte Kernkraftwerk, den Thoriumhochtemperaturreaktor (THTR) in Uentrop.

„Sind die Kügelchen lebensgefährlich und radioaktiv oder harmlos?“, fragt BI-Chef Horst Blume nicht nur auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe seines THTR-Rundbriefs, sondern auch in einem Schreiben an Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Wie berichtet, will auch der Landtagsabgeordnete Eckhard Uhlenberg (CDU) eine Anfrage an die Landesregierung stellen.

Im Frühjahr entdeckte im Rahmen von „Jugend forscht“ eine damals elfjährige Schülerin aus Scheidingen zahlreiche Kleinstkügelchen im Umkreis des THTR. Diese Kleinstkügelchen wurden, wie berichtet, zur Untersuchung an das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung und etwas später an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW weitergegeben. Die beiden Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass keine Radioaktivität in den Kügelchen vorliegt und es sich bei den eingereichten Proben möglicherweise um Eisenoxidpartikel handelt. Doch an diesen Ergebnissen, auf die die Hammer Stadtverwaltung im Mai in einer Stellungnahme an den Rat verwiesen hat, gibt es Zweifel.

„Trotz der bisher veröffentlichten Untersuchungen ergeben sich aufgrund eines neuen Gutachtens von Heinz Werner Gabriel, früher Mitverfasser des THTR-Sicherheitsberichtes, für uns erneut eine ganze Reihe von Ungereimtheiten und Fragen, denen unbedingt nachgegangen werden sollte“, schreibt Blume ans Ministerium. So bemängele Gabriel, dass bei der Veröffentlichung exakt diejenigen Messbereiche ausgespart wurden, um die es bei der Untersuchung des Thorium-Reaktors geht: Eben um Thorium und andere spezifische radioaktive Substanzen des THTR. Blume fordert deshalb weitere Untersuchungen. Er erneuert zudem seine Forderung aus dem Jahr 2008, eine Krebsstudie in der Umgebung des THTR durchzuführen.

Am Rande der Landesdelegiertenkonferenz der NRW-Grünen hat Minister Remmel den Hammer Grünen eine eingehende Beantwortung zugesagt. Da die Fachabteilungen noch gehört werden müssen, rechnet Blume mit einer Antwort Mitte Februar. Das sei angesichts des umfassenden Themas in Ordnung. „Wir sind weiterhin zurückhaltend mit Bewertungen und wollen nicht vorschnell urteilen“, betont Blume. Der Ausgang der Diskussion um die am THTR gefundenen Kügelchen sei durchaus offen.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz wurde 1975 gegründet – vier Jahre nach Baubeginn des Thoriumhochtemperaturreaktors in Uentrop. Seitdem informiert sie über die Gefahren von Atomkraftwerken. Mitbegründer Horst Blume veröffentlichte 1987 erstmals den THTR-Rundbrief. In diesem Monat erschien die 140. Ausgabe. Titel: „Keine Kungelei bei den THTR-Kugeln!“ - asc

Theorie zu den „Kügelchen“

Für Heinz Werner Gabriel, Diplom-Ingenieur für technische Physik, ist die Sache mit den Kügelchen so zu erklären: Am 4. Mai 1986 ereignete sich im THTR Uentrop aus seiner Sicht ein Störfall. „Wegen Verstopfung mit großen Mengen an Kugelbruch ist das Abzugsventil mehrfach geöffnet worden, um den Stau mit dem Kühlgasdruck frei zu blasen. Die gerade dort befindlichen großen Mengen an Kernbrennstoffkügelchen aus pulverisierten Brennelementen gelangten über das Lüftungssystem und den Kamin unkontrolliert in die Umgebung“, schreibt Gabriel in seinem Gutachten. Demnach könnte es sich bei den bis zu einem Millimeter großen, abgeschliffenen Kugeln um so genannte „Pac-Kügelchen“ handeln.

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