Kraftwerk Westfalen

Kritik an Aus für modernes Kohlekraftwerk in Hamm

Vor dem Aus: Das Kraftwerk Westfalen schließt bald
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Vor dem Aus: Das Kraftwerk Westfalen schließt bald

Mit dem beschlossenen Aus für das Kraftwerk Westfalen zum Ende des laufenden Jahres geht eines der modernsten Steinkohlekraftwerke der Welt vom Netz. Experten zählen den Block E zu den Steinkohlekraftwerken mit dem besten Wirkungsgrad: Im Vergleich zu älteren Kraftwerken muss in Hamm für die gleiche Menge Strom erheblich weniger Kohle verfeuert werden.

Hamm – Dass RWE nun den Zuschlag erhalten hat, das Kraftwerk vom Netz zu nehmen, wird von vielen kritisiert. Umweltfreundlicher und im Sinne des Kohleausstiegs wäre es gewesen, wenn zuerst alte Kraftwerke mit einem extrem hohen CO2-Ausstoß abgeschaltet worden wären, heißt es von Experten.

Nun hat die Bundesnetzagentur, die mit dem Bieterverfahren beauftragt wurden, allerdings dem RWE-Konzern den Zuschlag für seine beiden Steinkohlekraftwerke erteilt. Am 1. Januar ist in Hamm und in Ibbenbühren Schluss – auch dort betreibt RWE ein Steinkohlekraftwerk mit einer ähnlichen hohen Leistung. Die bei der Auktion zum Zuge gekommenen Kraftwerke dürfen ab dem 1. Januar keinen Strom mehr verkaufen.

Am Mittwoch wurde eine Einschränkung bekannt: Für bis dahin abgeschlossene Lieferverträge darf auch über den Jahreswechsel hinaus noch Strom produziert werden. Ab Juli 2021 gilt für die Anlagen dann ein Verbot, Kohle zu verfeuern. Außerdem prüfen die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur, ob die Kraftwerke für die Stabilität des deutschen Stromnetzes systemrelevant sind. Ist das der Fall, müssen sie für kritische Situationen in Bereitschaft bleiben.

Mehr Bedeutung für Gaskraftwerke

In unmittelbarer Nähe des Kraftwerks Westfalen steht ein weiteres Kraftwerk, das Trianel Gas- und Dampfturbinenkraftwerk. Die Anlage kann bis zu 1,8 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Das Kraftwerk produziert aktuell allerdings nur Strom in den Stunden mit einem hohen Börsenstrompreis und wird für die Bereitstellung von Regelenergie eingesetzt.

Bei dem Kraftwerksbetreiber Trianal geht man unterdessen davon aus, dass den Gaskraftwerken in den nächsten Jahren eine wachsende Bedeutung zukommt, weil sie im Vergleich zu Kohlekraftwerken bis zu 70 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Wenn nach und nach Kohlekraftwerke vom Markt gehen, wird daher das Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk in Uentrop wohl häufiger ans Netz gehen – auch damit keine Versorgungslücken entstehen. Dass aber das Abschalten des Kohlekraftwerks in Uentrop unmittelbare Auswirkungen auf das Gas-Kraftwerk haben wird, wird von Trianel ausgeschlossen.

CDU kritisiert Grüne-Freudentänze

Nach dem beschlossenen Aus hatte sich Grünen-Ratsherr Karsten Weymann gemeldet und von einem „guten Tag für Hamm und das Land“. Dafür erntet er Kritik aus den Reihen der CDU. Fraktionsvorsitzender Arnd Hilwig kann die „Freudentänze der Grünen anlässlich der Schließung des Kohlekraftwerks nicht nachvollziehen“, heißt es in einer Stellungnahme Hilwig spricht von immensen Auswirkungen auf Hamm. „Damit sind gut bezahlte, qualifizierte Arbeitsplätze dauerhaft zunächst einmal weg“. Das habe beträchtliche Auswirkungen auf die Kaufkraft und den Steuerertrag. Hilwig: „Ich denke daher vor allem an die betroffenen Familien, die sich Gedanken um ihre Zukunft machen“. Die Äußerungen vom Bürgermeister Karsten Weymann seien daher respektlos.

Auch Hilwig kritisiert, dass moderne Kraftwerke vom Netz gehen, während ältere noch Strom produzieren. Das erinnere ihn an eine Spring-Prozession.

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