Als wenn es in Hamm kein Morgen gäbe...

Corona-Krise bewirkt Ansturm auf Baumärkte - Strenge Kontrollen

Ein Mitarbeiter mit Atemschutzmaske begrüßte die Kunden beim vor dem Parkplatz des Hellweg-Baumarkts.
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Ein Mitarbeiter mit Atemschutzmaske begrüßt die Kunden beim vor dem Parkplatz des Hellweg-Baumarkts.

Einlasskontrollen wie sonst vor der Disco oder bei Großveranstaltungen müssen sich derzeit die Hammer Heimwerker unterziehen. Baumärkte gehören zu den Anbietern, die trotz allgemein rigider Maßnahmen weiterhin geöffnet bleiben.

Hamm – Zahlreiche Menschen kauften am Samstag in Baumärkten ein. Sie durften die Märkte jedoch nicht direkt betreten, sondern mussten auf Einlass warten. Weil zwischen den einzelnen Wagen jeweils zwei Meter Platz sein mussten, bildeten sich vor den Hammer Heimwerkertempeln lange Schlangen.

Teilweise kontrollierten Mitarbeiter den Einlass, manche Märkte wie etwa der Obi in Heessen hatten dafür einen Sicherheitsdienst engagiert. Ein geradezu endzeitlicher Anblick empfing die Besucher beim Hellweg-Baumarkt: Dort war der Parkplatzbereich mit rot-weißem Absperrband markiert, und ein Mitarbeiter mit Atemschutzmaske sprach alle Anreisenden persönlich an. Seine Botschaft war dann weniger erschreckend: Er wies nur darauf hin, dass es dauern könne, bis man in den Baumarkt gelassen werde.

Die Heimwerker hielt dies kaum vom Wochenendeinkauf ab: Geduldig und mit Abstand warteten sie auf Einlass. „Wir haben heute wirklich nur angenehme, verständnisvolle Besucher erlebt“, sagte eine Mitarbeiterin. Die Leute nahmen den erhöhten Aufwand in Kauf. „Das macht derzeit ja absolut Sinn“, sagte Sabrina Hackel, die mit ihrem Sohn Fabian in der Gartenabteilung des Toom-Baumarktes einkaufen ging. Statt in der Gastronomie zu arbeiten, sei sie nun freigestellt. Bevor ihr die Decke auf den Kopf falle, wolle sie mit der Familie den Garten auf Vordermann bringen.

"Muss mir dringend Briketts holen"

Holger Wissemann arbeitet als Selbstständiger sowieso im Home-Office, habe aber aufgrund des Virus etwas weniger zu tun als sonst, wie er erklärte. „Außerdem ist sowieso Wochenende und da bietet es sich doch an, sein Zuhause zu verschönern“, sagte Wissemann.

Einige Besucher mussten tatsächlich dringend in den Baumarkt: „Ich heize als Ex-Bergmann noch mit Kohle und muss mir nun dringend Briketts holen, weil zu Hause nichts mehr ist“, sagt Dieter Thiel. Natürlich habe auch er den Eindruck, dass es voller sei als sonst, aber auch er unterstütze die Sicherheitsmaßnahmen.

Nicht alle Abteilungen besetzt

Mehrere Menschen rechneten damit, dass die Baumärkte in Kürze ebenfalls schließen müssen. „Ich wollte mir noch einmal einen Vorrat an Briketts zulegen“, erklärt Volkmar Lükens. Zur Not bekäme er sie auch im Raiffeisen-Handel, aber dort seien die Briketts teurer. Andere wollen nun auch nur lange geplante Projekte verwirklichen: „Die Renovierung meines Gartenhauses war lange geplant und die Maßnahmen, die mich jetzt warten lassen, machen angesichts des Virus natürlich Sinn,“ erklärt auch Heinz-Bernhard Harling.

In den Baumärkten gab es Einschränkungen: So waren etwa die Zuschnitt- und die Farbmisch-Abteilungen nicht besetzt. Die Besucher störte das wenig. „Die Leute haben derzeit so viel zu tun, da geht eben nicht alles“, sagte Besucherin Lydia Müller.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos hier:

Corona - Das Leben in Hamm in Zeiten des Virus (2)

Diese Maßnahmen gelten jetzt:

  • Kontaktverbot: Alle Ansammlungen ab drei Personen in der Öffentlichkeit sind verboten. Ausgenommen sind Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen - sie dürfen weiterhin gemeinsam unterwegs sein.
  • Kliniken und Pflegeheime: Besuche in stationären Pflegeheimen und Krankenhäusern sind grundsätzlich untersagt, wenn sie nicht der medizinischen oder pflegerischen Versorgung dienen oder aus Rechtsgründen erforderlich sind. Die Einrichtungsleitungen sollen Ausnahmen unter Schutzmaßnahmen nur zulassen, wenn es medizinisch oder ethisch-sozial geboten ist. Das gilt etwa auf Geburts- und Kinderstationen sowie bei Palliativpatienten.
  • Gastronomie: Alle Restaurants, Gaststätten, Imbisse, Mensen, Kantinen müssen schließen. Lieferservice und Außer-Haus-Verkauf sind zulässig, wenn Mindestabstände eingehalten werden. Der Verzehr ist in einem Umkreis von 50 Metern um die gastronomische Einrichtung untersagt.
  • Handwerk: Handwerker können ihrer Tätigkeit mit Schutzvorkehrungen weiterhin nachgehen. Augenoptikern, Hörgeräteakustikern, orthopädischen Schuhmachern ist im Geschäft aber der Verkauf von nicht mit handwerklichen Leistungen verbundenen Waren untersagt. Ausgenommen ist notwendiges Zubehör.
  • Dienstleistungsgewerbe: Friseure, Nagelstudios, Tätowierer und Massagesalons müssen schließen, weil bei ihnen ein Mindestabstand von 1,5 Metern von Mensch zu Mensch nicht eingehalten werden kann. Physio- und Ergotherapeuten dürfen weiter arbeiten, soweit die medizinische Notwendigkeit der Behandlung durch ärztliches Attest nachgewiesen wird und strenge Schutzmaßnahmen getroffen werden.
  • Handel: Bau- und Gartenbaumärkte dürfen Gewerbetreibende und Handwerker weiter versorgen. Anderen Personen darf der Zutritt nur gestattet werden, wenn Infektionsschutz-Vorkehrungen getroffen sind (Sicherstellung von Mindestabständen und Schutzvorrichtungen für das Kassenpersonal). Das gilt auch für Floristik-Betriebe.
  • Gottesdienste, Beerdigungen: Gottesdienste dürfen nicht abgehalten werden. Kirchen, Islam-Verbände und jüdische Verbände haben entsprechende Erklärungen abgegeben. Zulässig sind Erd- und Urnenbestattungen sowie Totengebete im engsten Familien- und Freundeskreis.
  • Bibliotheken: Zugang zu Bibliotheken ist nur unter strengen Vorkehrungen gestattet: Besucher müssen registriert werden, die Besucherzahl wird reglementiert, Mindestabstände zwischen Lese- und Arbeitsplätzen von zwei Metern sind einzuhalten.

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