Immer mehr Krickelkrakel in Hammer Schulen

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Wenn die Vereinfachte Ausgangsschrift als Krickelkrakel endet hilft Maria-Anna Schulze Brüning den Schülern mit Schrifttraining. Das Ergebnis der Verbesserung sieht man unten.

HAMM - Eine zunehmende Zahl der Schüler weiterführender Schulen in Hamm hat gravierende Schriftprobleme. Jeder sechste Schüler der Jahrgänge 5 und 6 kann die eigene Handschrift als schulisches Arbeitsmedium nur bedingt nutzen, zu 87 Prozent sind es Jungen.

Von Alexander Schäfer

Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Maria-Anna Schulze Brüning an sechs Schulen in Hamm durchgeführt hat. „Ich befürchte, dass die Schreibschrift ausstirbt“, sagt die Lehrerin, die an der Sophie-Scholl-Gesamtschule Französisch und Kunst unterrichtet.

Insgesamt wertete Schulze Brüning 1091 Schriftproben von Fünft- und Sechstklässlern aus. Neben der Sophie-Scholl-Gesamtschule beteiligten sich die

Maria-Anna Schulze Brüning hat mehr als 1000 Schriftproben aus Hamm ausgewertet.

Albert-Schweitzer-Hauptschule, die Realschulen Heessen und Mark sowie die Gymnasien Märkisches und Hammonense. Die Vermutung der 1956 geborenen Pädagogin, dass Schriftprobleme kein Einzelfall sind, bestätigte sich – und zwar unabhängig von Lernniveau und Schultyp.

 „Mehr als jede beziehungsweise jeder sechste der Befragten hat ernstzunehmende Schriftprobleme.“ Was nicht ohne Folgen für die schulischen Leistungen bleibt, denn so Schulze Brüning: „Eine automatisierte, ökonomische und leserliche Schrift ist Grundvoraussetzung für erfolgreiches und motiviertes Lernen.“

Als Ursache des Phänomens sieht Schulze Brüning die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA), die an den Grundschulen in NRW als Schreibschrift fast ausschließlich gelehrt wird. „In VA-Handschriften führen die Anschlüsse wichtiger Kleinbuchstaben oft zu eigenwilligen Linienführungen, Verzerrungen und Unleserlichkeit.“ Hat ein Kind Schwierigkeiten mit dem so genannten Köpfchen-e, linksbogigen Buchstaben und dem Schleifen-s, reichten diese Probleme aus, um 44,6 Prozent aller Buchstaben seines Textes zu deformieren.

Bei der VA soll jeder Kleinbuchstabe ohne Anstrich an der oberen Mittellinie beginnen und mit einem Verbindungsstrich dorthin zurückgeführt werden. An diesen wird der nächste Buchstabe übergangslos angesetzt. In der Praxis aber haben die Schüler ihre liebe Not damit. Auffallend viele Schriften leiden an Übergröße. Typisch sind auch über und unter der Schreiblinie „schaukelnde“ und zwischen den Linien „fliegende“ Schriften. Bei diesen Schriften geraten die Buchstabenanschlüsse in Mitleidenschaft, so dass die Lesbarkeit massiv beeinträchtigt wird.

Schulze Brüning beschäftigt sich seit drei Jahren mit dem Thema und hat bereits entsprechende Aufsätze in Fachkreisen veröffentlicht. Zudem ist die Hammerin Gründungsmitglied des Vereins „Allianz für die Handschrift“. Langfristig und sobald sie schneller geschrieben wird, zeigen sich nach Auffassung der Lehrerin die strukturellen Defizite der VA. Spätestens in der Sekundarstufe I werde sie zum Problem. An der Sophie-Scholl-Schule bietet Schulze Brüning deshalb Schrifttraining an.

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