Kreolische Musik aus Haiti Dienstag im „Klangkosmos“

Der Sänger Ti-Coca und seine Gruppe Wanga-Nègès treten in der Lutherkirche in Hamm auf. ▪ Foto Szkudlarek

HAMM ▪ Die „Klangkosmos Weltmusik“-Konzertreihe führte das Publikum am Dienstagabend nach Hispaniola in der Karibik: Haiti – das westliche Drittel der zweitgrößten westindischen Insel galt einst als reichste Kolonie der Welt, als „Perle der Antillen“. Nach Jahrhunderten der Ausbeutung durch Spanien und Frankreich führte der erfolgreiche Sklavenaufstand 1804 zur Gründung der ersten unabhängigen schwarzen Nation. Heutzutage rückt das völlig verarmte Land leider nur noch durch Naturkatastrophen oder Krankheiten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Viele Völker haben hier Spuren ihrer Kultur hinterlassen, und das Gemenge unterschiedlicher musikalischer Traditionen hat verschiedene Musikkulturen hervorgebracht. Bedrohlich-geheimnisvolle Voodoo-Trommeln spielen in vielen Abenteuer-Filmen den Spannungsverstärker, doch in der Lutherkirche stand ein Twoubadou (haitianischer Troubadour) im Fokus. David Metellus, genannt Ti-Coca (kleine Cola), erlernte das musikalische Voodoo-ABC und entwickelte sich zum Twoubadou, der mit seiner Gruppe „Wanga-Négés“ auf lokalen Tanzfesten aufspielte.

Wanga-Négés – der Kolibri – gilt in Haiti als Symbol der Verführung. In der Lutherkirche verführte der Sänger mit Allen Juste (Akkordeon), Richard Hector (Banjo), Wilfrid Bolane (Bass) und Mathieu Chertoute (Congas) die über 200 Weltmusik-Freunde zu reichlich rhythmischer Bewegung.

Conga, elektrifizierter Kontrabass und Banjo legten mit Ti-Cocas Maracas eine tänzerische rhythmische Basis, die durch das zwischen Begleitung und Melodie wechselnde Akkordeon eine kreolische Louisiana-Färbung erhielt. Darüber lag die faszinierende, oft an kubanische Künstler erinnernde Stimme, die beim Refrain von den anderen ergänzt wurde.

Wer wollte, konnte etliche weitere, unterschiedliche Einflüsse entdecken: Aus dem Nachbarland Dominikanische Republik stammt der eingängige Merengue-Rhythmus – die haitianische Zwei-Viertel-Takt-Variante klang aber langsamer und entspannter. Manches Mal schimmerte etwas Bolero-Gefühl durch oder sogar altfranzösischer Contredanse.

Die thematischen Feinheiten der Lieder wurden nicht erläutert, doch das schien auch gar nicht nötig. Hier stand Bewegung, Rhythmus-Klatschen und Tanzen – nicht nur im Sitzen – auf dem Programm, und das Publikum ging begeistert mit.

Der ständig tanzende, Maracas schüttelnde Sänger animierte lautmalerisch und durch Gesten und nur allzu gern ließen sich viele Gäste mitreißen.

Daraus ergab sich eine gewaltige Rückkopplung zu den Musikern, die – derart befeuert – immer noch eins draufsetzten und sich in Sachen „mehr davon“ . sprich Zugaben, gar nicht lange bitten ließen. ▪ lau

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