Krebs ist nicht besiegt

Krebskranker Junge auf dem Weg der Besserung - dennoch braucht er einen Stammzellspender

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Dem kleinen Yasar Akif aus Herringen geht es deutlich besser als noch vor wenigen Monaten.

Hunderte Menschen haben sich registrieren lassen, um zu prüfen, ob sie als Stammzellspender für den kleinen Yasar Akif aus Herringen in Frage kommen. Der Fünfjährige hat Leukämie. Ein Spender fand sich noch nicht – und dennoch gibt es Anlass zur Hoffnung.

Yasar Akif Taskin tollt durch den Garten. Er rutscht, schaukelt, spielt mit seinem kleinen Bruder, spricht den Besuch fröhlich an. Kaum zu glauben, dass dies das gleiche Kind ist, das noch vor vier Monaten verschlossen und blass auf dem Sofa saß, das kaum essen wollte. Der Fünfjährige ist schwer an Leukämie erkrankt. Und doch geht es ihm im Moment gut.

Eigentlich hatten Freunde der Herringer Familie Taskin im März eine Typisierungsaktion für den Jungen organisiert. Sie wollten helfen, einen Stammzellspender für den Jungen zu finden. Doch die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) sagte die Aktion wegen des Coronavirus‘ kurzfristig ab. Stattdessen veröffentlichte sie einen Aufruf auf einer Internetseite und in sozialen Medien. Fast 1470 Menschen haben daraufhin bei der DKMS inzwischen Testsets angefordert, um sich als mögliche Stammzellspender für Yasar Akif und andere Leukämiekranke registrieren zu lassen. Man habe durch die Aktion unheimlich viele Menschen erreicht, sagt eine Sprecherin der DKMS.

Bisher nur eine zu kleine Übereinstimmung

Einen Spender für den kleinen Jungen aus Herringen fand man nicht. „Bei zwei Leuten hat man die Blutwerte weiter untersucht. Es gab aber nur eine Übereinstimmung von 20 Prozent“, sagt Yasars Vater Ismail Taskin.

Eine Stammzellspende ist für die Spender meist ungefährlich. Das größte Risiko besteht in der Narkose, die in einigen Fällen nötig ist. Für den Erkrankten hingegen ist die Spende ein schwerwiegender Eingriff. Der Körper kann die neuen Stammzellen ablehnen, das kann lebensbedrohlich sein. Und doch die die Transplantation derzeit für Kinder mit einer chronischen Leukämie die einzige Chance auf Heilung. Um das Risiko zu minimieren, werden Spender mit einer möglichst großen genetischen Übereinstimmung gesucht – deutlich mehr als die 20 Prozent, die bisher für Yasar Akif gefunden wurden.

Die Familie ist glücklich, dass es Yasar endlich wieder besser geht. Von links: Mutter Halime Taskin mit den Söhnen Yasar und Ensar sowie Vater Ismail.

Im Moment geht es dem kleinen Herringer gut. Einen Block Chemotherapie hat er hinter sich, bekommt aktuell noch Tabletten. „Seine Werte sind sehr gut“,  sagt der Vater. Er ist glücklich, den kleinen Jungen zurückzuhaben, der er vor der Erkrankung war: ein munteres Kind, das gern spielt, lacht, tobt. Eine Stammzellspende ist im Moment nicht nötig, sagt der Vater.

"Man weiß bei seiner Erkrankung heute nicht, was morgen kommt"

Doch die Gefahr ist nicht gebannt. „Er hat eine chronische Leukämie“,  sagt Ismail Taskin. Ärzte hätten ihm erklärt, dass sein Sohn ohne Stammzellspende langfristig nicht gesund bleibe. „Das Tückische ist: Man weiß bei seiner Erkrankung heute nicht, was morgen kommt.“  Weil Yasar Akifs Form der Leukämie selten ist, könne es vielleicht sein, dass aus dem chronischen ein akuter Blutkrebs wird, sagt der Vater. In dem Fall wäre eine Heilung ohne Stammzellspende möglich. Doch ob das wirklich so kommt? Er weiß es nicht.

Die Angst vor dem Rückfall bleibt: Dieses Bild wurde Anfang März aufgenommen. Yasar Akif war damals blass und schwach, hatte wenig Appetit. 

Der Aufruf der DKMS „Yasar Akif sucht Helden“ bleibt vorerst bestehen. Dort kann sich weiter registrieren, wer sich eine Stammzellspende vorstellen kann. Schon zu Beginn war die Welle der Hilfsbereitschaft groß.

Die DKMS hat mehr als 85.000 Spenden vermittelt

Die DKMS ist eine gemeinnützige Organisation. Sie wurde 1991 von Gerhard Ehninger und Peter Harf gegründet. Harfs Ehefrau war an Blutkrebs gestorben. Damals waren in Deutschland nach Angaben der DKMS etwa 3000 Menschen als mögliche Stammzellspender registriert.

Die Organisation wirbt seitdem dafür, dass sich weitere Menschen registrieren lassen. In Deutschland sind Angaben der DKMS zufolge inzwischen 6,6 Millionen Menschen als mögliche Knochenmark- und Stammzellspender registriert, weltweit sind es 10,16 Millionen. Bis Mai 2020 habe die DKMS eigenen Angaben zufolge weltweit etwa 85.400 Stammzellspenden vermittelt, etwa 71.900 davon in Deutschland. Pro Jahr erkranken nach Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft etwa 13.700 Menschen in Deutschland an Leukämie.

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