Gewöhnliche oder ungewöhnliche Fälle?

Krankheitswelle in Kitas: Landesjugendamt und Stadt in der Pflicht 

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Hamm - Ist es ungewöhnlich, wenn ein Kindergarten kurzfristig Gruppen schließt, weil zu viele Erzieher krank sind? Nein, sagt die Lebenshilfe, die in ihrer Kita kürzlich so verfahren hat. Ja, sagt die Stadt, man höre so etwas zum ersten Mal. Landesjugendamt und Familienministerium tun sich mit einer Einschätzung schwer.

Die Lebenshilfe-Kita an der Grünstraße hatte in der vergangenen Woche drei von fünf Gruppen geschlossen, weil krankheitsbedingt nur die Hälfte des Personals zur Verfügung stand. Nicht zum ersten Mal, wie Eltern berichteten. Bei der Stadt war man zunächst erstaunt über das Vorgehen der Lebenshilfe. Von solchen Betriebseinschränkungen höre man zum ersten Mal, sagte ein Stadtsprecher. Inzwischen kam eine Präzisierung: Kurzzeitige Betriebseinschränkungen zur Wahrung des Personalschlüssels könnten vorkommen. Drei Tage, lässt sich daraus schließen, ist so eine Situation zu tolerieren, drei Wochen lang eher nicht. Doch schreitet jemand ein, wenn die Betreuung längerfristig ausfällt?

Die Stadt erklärt das Landesjugendamt in Münster für zuständig. Das sieht auch das Düsseldorfer Familienministerium so, ohne die Stadt hier aus der Pflicht zu lassen. „Sollten sich krankheitsbedingte Einschränkungen über das übliche Maß hinaus häufen“, sagte eine Ministeriumssprecherin, „werden die Aufsichtsbehörden unter Beteiligung der örtlichen Jugendämter tätig.“ Eine Definition für das „übliche Maß“ lieferte das Ministerium aber nicht. 

Kita-Träger haben Meldepflicht

In jedem Fall seien die Träger der Kindertageseinrichtungen verpflichtet, dem Landesjugendamt „relevante Veränderungen“ wie beispielsweise Gruppenschließungen mitzuteilen. Würden die in der Betriebserlaubnis geforderten Auflagen nicht eingehalten, werde die Erlaubnis letztlich entzogen. Bevor es dazu komme, werde sicherlich in Gesprächen mit allen Beteiligten nach Lösungen gesucht.

In Hamm kein Fall bekannt

Wie häufig die Landesjugendämter tätig werden, wird dem Ministerium zufolge statistisch nicht erfasst. Aus Hamm ist kein entsprechender Fall bekannt.

Was ist mit den gezahlten Gebühren? 

Den betroffenen Eltern rät das Ministerium, in diesen Fällen beim städtischen Jugendamt nach Betreuungsmöglichkeiten in anderen Einrichtungen zu fragen. Die Frage, ob Eltern bei Betriebsausfällen in Kitas die Gebühren zurückerstattet bekommen, ließt die Stadt offen.

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