Albtraum im Krankenhaus landet vor Gericht

Hammer Krankenschwester soll Patient mit unerlaubten Mitteln ruhig gestellt haben

Prozess gegen Krankenschwester aus Hamm, Verteidiger Guido Grolle.
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Unruhig auf der Anklagebank: In Dortmund begann der Prozess gegen eine Hammer Krankenschwester, hier mit ihrem Verteidiger Guido Grolle.

Ein Albtraum für jeden Patienten: Vor dem Dortmunder Landgericht wird gegen eine Hammer Krankenschwester verhandelt, die im Nachtdienst eine unruhige Patientin mit einem stark wirkenden Beruhigungsmittel ohne ärztliche Erlaubnis ruhig gestellt hat.

Hamm/Dortmund – Der mittlerweile 39-jährigen Frau wird gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt, begangen an einer betagten, schwer herzkranken Patientin auf der Überwachungsstation des Marienhospitals Hamm. Sichtlich nervös und unter Schluchzen gab die Angeklagte zu Prozessbeginn den Übergriff in der Nacht zum 2. Oktober 2018 auf die damals 87-jährige zu: „Die Patientin war unruhig, riss sich die Kabel ab und schrie immer nach einer Verwandten. Da wusste ich mir in meiner Überforderung nicht anders zu helfen und habe ihr was gegeben.“

Die Seniorin mit Herzinsuffizienz erhielt verbotenerweise eine Ampulle eines sehr starken Beruhigungsmittels, das im schlimmsten Fall zu massiven Herzproblemen hätte führen können. Passiert war in der Tatnacht jedoch durch glücklichen Zufall nichts.

Krankenschwester aus Hamm vor Gericht: kein Einzelfall

Offenbar war das aber kein Einzelfall im beruflichen Alltag der Nachtschwester – der stellvertretende Stationsleiter berichtete als Zeuge, dass ihre Patientinnen des Öfteren nach ihrer Schicht auffallend schläfrig und schlecht aufweckbar gewesen seien. Er wandte sich an die Polizei, die ihm dazu riet, die nächste Schicht der in Verdacht geratenen Krankenschwester besonders zu kontrollieren.

Als in dieser Schicht eine Ampulle des starken Beruhigungsmittels fehlte und entsprechende Blutwerte bei der betagten Patientin die nicht angeordnete und gefährliche Medikamentengabe bestätigten, wurde die Krankenhausleitung sofort aktiv. Wenige Stunden nach der Nachtschicht wurde die Frau mit den Vorwürfen ihrer Vorgesetzten konfrontiert und fristlos gekündigt.

Krankenschwester aus Hamm vor Gericht: Lob für Klinik

Professor Dr. Karl-Heinz Beine, ehemaliger langjähriger Leiter der Psychiatrischen Klinik im Marienhospital, verfolgte als interessierter Zuschauer den Auftakt des Strafverfahrens gegen die Krankenschwester und zeigte sich am Rande des Verfahrens beeindruckt von dem schnellen und entschlossenen Verhalten der Klinikleitung: „Das ist Fehlerkultur in seiner besten Form. Es ist der Krankenhausführung hoch anzurechnen, wenn ein solcher Fall nicht vertuscht wird. Man darf nicht schweigen und nicht wegsehen, sondern muss darüber sprechen.“

Beine, der sich durch diverse Veröffentlichungen zum Thema „Patiententötungen“ bundesweit einen Namen als kenntnisreicher Experte gemacht hat, ist sicher, dass bei der unerlaubten Gabe von Medikamenten in Krankenhäusern eine enorme Dunkelziffer zu beklagen ist: „Diese unerlaubte Gabe kommt nicht so selten vor, wie wir alle hoffen. Die Dunkelziffer ist vermutlich recht hoch.“

Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt.

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