Digital zur Genesung: Hammer Krankenhäuser profitieren in aktueller Krise von moderner Technik

Bereits in vielen Bereichen wird im Evangelischen Krankenhaus Hamm, hier mit Dr. Markus Palta, ausschließlich digital gearbeitet.
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Bereits in vielen Bereichen wird im Evangelischen Krankenhaus Hamm, hier mit Dr. Markus Palta, ausschließlich digital gearbeitet.

„Upload“ heißt eine aktuelle Streaming-Serie, in der die Persönlichkeit der Hauptfigur nach einem Unfall in eine virtuelle Welt geladen wird. Im Krankenhaus muss er sich zwischen riskanter Operation oder dem Upload entscheiden. Eine überspitzte Satire über die Möglichkeiten virtueller Realitäten.

Von Michael Imberg

Hamm – Das Körnchen Wahrheit darin: Auch in den Hammer Krankenhäusern schreitet die Digitalisierung fort – dabei können virtuelle Welten sogar helfen, Schmerzen erträglicher zu machen. Gerade das wird ganz neu im Evangelischen Krankenhaus in der Kinderchirurgie erprobt. Wenn bei jungen Verbrennungsopfern die Verbände gewechselt werden müssen, ist eine mechanische Kühlung des Körpers nicht möglich.

Mit Hilfe einer Studentin der Hochschule Hamm-Lippstadt wird erfolgreich versucht, die Wahrnehmung der kleinen Patienten mit Hilfe virtueller Realität zu beeinflussen. Mittels einer speziellen Brille wird den Kindern eine Eislandschaft vor Augen geführt – das soll helfen, ihnen eine kühle Umgebung vorzugaukeln und so den Verbandwechsel erträglich zu machen.

Virtuelle Sprechstunden und Telemedizin

Eine echte Erleichterung gibt es für Kinder auch durch Telemedizin via Internet: Gerade jungen Patienten ist eine Harnflussuntersuchung peinlich – weil da viele fremde Menschen dabei stehen. Die kann jetzt auf dem heimischen stillen Örtchen durchgeführt werden. Dazu wird ein spezieller Einsatz mit Sensorik in die Toilette eingehängt – die Ergebnisse sieht der Arzt dann auf seinem Rechner im EVK. Auch virtuelle Sprechstunden über das Internet sparen Zeit und Aufwand für die Eltern.

Dabei ist der Weg zur Digitalisierung in Kliniken nicht wirklich neu. Susanne Grobosch, Sprecherin des EVK: „Seit über 20 Jahren gibt es im Krankenhausbereich bereits digitale Prozessoptimierung. Angefangen hat es mit Verwaltung von Patientendaten.“ Die stehen aber auch zurzeit ganz besonders im Fokus.

Digitale Patientenakten sind Zukunftsperspektive der Medizin

EVK-Geschäftsführer Guido Severin sieht in der fortschreitenden Digitalisierung eine tragfähige Basis für die Medizin der Zukunft: „In einer digitalen Patientenakte können zum Beispiel alle Daten, Röntgenbilder oder Laborbefunde für unterschiedliche Gruppen an unterschiedlichen Orten eingesehen werden – das spart natürlich Zeit und erhöht aber vor allem auch die Patientensicherheit!“

Nachvollziehen kann das jeder, der früher zwischen Röntgenaufnahme, die erst entwickelt werden mussten, und der Erklärung des Befunds beim Arzt Stunden warten musste. Heute kommt der Patient vom Röntgen zurück zur Besprechung und der Arzt hat die Bilder schon auf dem PC-Monitor. Jede Untersuchung, ob beispielsweise Ultraschall oder Darmspiegelung, wird direkt in der Patientenakte digital abgelegt und steht dem mitbehandelnden Arzt oder den Pflegekräften unmittelbar zur Verfügung.

Weniger Papierverbrauch in Krankenhäusern

Schon bei der Aufnahme kann der Aufnahmevertrag von den Patienten digital unterschrieben werden und im Krankenhausinformationssytem papierlos gespeichert werden; ein Exemplar wird dem Patienten ausgedruckt ausgehändigt. Auf Nachfrage ergänzt die Kliniksprecherin: „Ja, es kommt – allerdings selten – vor, dass Patienten einer digitalen Speicherung ihrer Akte widersprechen. Diese muss dann 30 Jahre in natura aufgehoben werden. Allerdings ist es unumgänglich, dass Name, Adresse und wichtige persönliche Daten digital erfasst werden.“

Auch die St.-Barbara-Klinik setzt auf die digitalen Patientenakten mit Verfügbarkeit von Labor- und Untersuchungsbefunden. Wobei für das Haus in Heessen auch die Vernetzung mit Partnerkliniken wie dem St.-Franziskus-Hospital in Münster und dem Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup eine Rolle spielt.

Heessener Klinik vernetzt mit anderen

Im Einzeln heißt es beispielsweise: Ein digitales Radiologiesystem gibt die Möglichkeit zum ortsübergreifenden Austausch von Expertisen. Dem Patienten kommt dadurch das Wissen von Ärzten aus mehreren Einrichtungen zugute. Die Digitalisierung – so ein weiteres Beispiel aus Heessen – sorgt auch in Sachen Medikamenten für eine noch größere Therapiesicherheit der Patienten. Dafür wird ein entsprechendes Apothekensystem genutzt, das zum Beispiel auf mögliche Neben- oder Wechselwirkungen beim Patienten aufmerksam machen kann.

In der Neurochirurgie setzt die Barabara-Klinik zunehmen virtuelle Realität ein. Damit lassen sich bei der Operationsvorbereitung und Patientenerklärung komplexe Sachverhalte nachvollziehbar veranschaulichen. Dabei dient die künstliche Realität auch dazu, die Operateure auf komplexe Eingriffe gut vorzubereiten. Auch wird immer öfter auf Videokonferenzen gesetzt – sowohl mit Kollegen als auch schon mit Patienten.

Vollständig digitalisierte Radiologie-Daten

Alle Hammer Krankenhäuser setzen in der Personal- und Patientenverwaltung auf Datenbanken, aber es sind die medizinischen Bereiche, die derzeit immer spannender werden. So arbeitet das St.-Marien-Hospital mit vollständig digitalisierten Radiologie-Daten, auf die von mehreren Orten aus synchron zugegriffen werden kann – dank spezieller Hardware auch bei den Ärzten zuhause und damit rund um die Uhr.

Durch den Ausbau der Teleradiologie verfügen die Oberärzte über vollwertige Homeoffice-Stationen – das kam gerade während der Corona-Pandemie besonders zum Tragen. Durch den erneuten Ausbau der Hardware können Bilder und Befunde nun durch verschiedene Experten gleichzeitig bewertet werden, unabhängig vom Standort der Ärzte. Das ist besonders dann wichtig, wenn schnellste Klarheit bei einer Diagnose nötig ist, um gravierende Folgen zu vermeiden, also zum Beispiel bei Schlaganfällen.

Schnellere Behandlung durch Digitalisierung

Möglich macht das eine hoch abgesicherte Plattform, die mit allen Datenschutz-Anforderungen konform ist. Das Verfahren ist von der Bezirksregierung Arnsberg vor Ort überprüft worden. „So kann neben der fachlichen Expertise auch in Zeiten Corona offiziell befundet und kontaktlos eine sehr gute Qualität bereitgestellt werden“, freut sich Chefarzt Dr. Sebastian Zimmer. Und ergänzt: „Wir können nun hoch zeitkritische Behandlungen wie die Thrombektomie zur Therapie von Schlaganfällen schneller und mit noch mehr Expertise ausführen“, sagt Zimmer.

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