Kuschelplätze für Frühchen im Hammer EVK

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Dank einer Spende des Unternehmers Jürgen F. Kleine konnte das Evangelische Krankenhaus drei komplett desinfizierbare Spezialsessel anschaffen, in denen Eltern mit den Frühchen gefahrlos kuscheln können.

Hamm - Kangarooring heißt die Technik, die Frühchen das Überleben erleichtert: Sie kuscheln mit ihren Eltern, ganz nah, ganz viel. Dafür hat das EVK drei neue Spezialsessel gekauft: Sie sind komplett desinfizierbar.

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Carolina Hoheisel genießt die Zweisamkeit mit ihrem Sohn Claas, einem eine Woche alten Frühchen, der zusammen mit seinem Bruder Hanno zwei Monate zu früh per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden musste. Mutter und Kind können in einem Sessel der Firma Febromed aus dem ostwestfälischen Oelde „bonden“, also eine körperliche Bindung aufbauen. „Diese enge Bindung an die Mutter oder den Vater wird durch das sogenannte Kangarooing erheblich befördert“, erklärt Chefarzt Dr. Georg Selzer, „Oft dauert so eine Kuscheleinheit mehrere Stunden.“

Daher ist es angenehm, wenn Mütter oder Väter dafür in einem eigens konstruierten Sessel sitzen können, der eine dicke Spezialpolsterung aufweist. Zudem lässt er sich auseinanderbauen und gründlich desinfizieren. Denn die Kinder liegen auf einer Intensivstation: Sie sind sehr anfällig für Infektionen, die Hygiene ist extrem wichtig. Handelsübliche Betten oder Sessel können deshalb in ihren Zimmern nicht aufgestellt werden.

Wert von mehreren Tausend Euro

Der Sessel, in dem Carolina Hoheisel mit Claas kuschelt, verfügt auch über Halterungen für lebenswichtige Versorgungsschläuche des Frühchens und kann in eine Liegestellung gebracht werden. Das EVK verdankt drei dieser Spezialsessel im Wert von mehreren Tausend Euro dem Unternehmer Jürgen F. Kleine. Er betreibt in Hamm einen Fachgroßhandel für Bäckereien. „Ich freue mich, dass meine Spende so direkt den hilflosen kleinen Wesen dienen kann. Die Wärme und Geborgenheit von Mutter und Vater ist durch nichts zu ersetzen“, sagt er.

16 Betten hat die Frühchenstation des EVK. Manche der Kinder sind monatelang dort, meist ungefähr bis zu ihrem errechneten Geburtstermin. Bis vor zehn, 15 Jahren war es normal, dass die Kinder die meiste Zeit in Inkubatoren lagen, sogenannten Brutkästen. „Dort hat man sie praktisch kaum berührt“, erklärt Susanne Grobosch, Sprecherin des Krankenhauses. Dann gab es ein Umdenken: Mehrere Studien hatten gezeigt, dass sich die Kinder besser entwickeln und häufiger überleben, wenn sie viel Körperkontakt haben.

Keine Standardinvestitionen

Auch bisher gab es im EVK Stühle für die Kuscheleinheiten von Eltern und Kindern, allerdings weniger komfortable, sagt Grobosch. Obwohl die neuen Sessel Eltern und Patienten gut tun, gehören sie nicht zu den Standardinvestitionen des Krankenhauses.

Dies liege unter anderem an der Klinikfinanzierung, sagt Grobosch. Diese ist zweigeteilt: Einen Großteil seiner Ausgaben bekommt das Krankenhaus von den Krankenkassen erstattet. Diese Erstattungen seien vor allem für die Behandlung und Verpflegung der Patienten gedacht. Die Kosten für Investitionen in neue medizinische Geräte hingegen sollte das Land tragen. „Da ist aber seit vielen Jahren nicht annähern die Summe geflossen, die vereinbart worden war“, sagt Grobosch.

Also sei die Klinik ebenso wie viele andere Krankenhäuser seit Jahren unterfinanziert. Das EVK investiere deshalb vor allem in lebensnotwenige Geräte, sagt Grobosch. Für Dinge wie die Sessel bleibe kein Geld übrig – außer dann, wenn sich ein Spender findet. - WA

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