Sorge vor Corona-Ansteckung

Kliniken schlagen Alarm: Angst hält Patienten fern

Wer ernsthafte Beschwerden hat, muss sich in die Notaufnahme begeben – wie hier am EVK.
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Wer ernsthafte Beschwerden hat, muss sich in die Notaufnahme begeben – wie hier am EVK.

Weil die Menschen Angst haben, sich im Wartezimmer mit dem Coronavirus zu infizieren, gehen sie nicht mehr zum Arzt. Das ist zunächst plausibel, nimmt aber in Hamm groteske Züge an. Selbst bei ernsthaften und möglicherweise lebensbedrohenden Beschwerden meiden die Hammer offenbar eine medizinische Versorgung.

Hamm – Die drei Akutkrankenhäuser in der Stadt beobachten seit Beginn der Corona-Krise Mitte März einen Rückgang der Behandlungszahlen bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder akuten Bauschmerzen um 25 bis 30 Prozent. Das erklärte ein Stadtsprecher gestern auf WA-Anfrage.

Dabei handele es sich um Patienten, die zum Beispiel einen verstärkten Druck auf der Brust, Atemnot oder sehr starke Bauchschmerzen hätten. „Doch auch bei leichteren Verläufen sind dies ernstzunehmende Symptome, die untersucht und behandelt werden müssen“, heißt es weiter aus dem Rathaus und den drei Kliniken.

Einziger Erklärungsansatz für den rapiden Rückgang ist auch aus Medizinersicht, dass die Menschen offenbar Angst haben, sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus zu infizieren oder dass die Zeit für eine Behandlung ihrer Symptome fehle. „Und aus dieser Angst heraus kommen die Patienten oft erst in weit fortgeschrittenem Stadium ihrer Erkrankung in die Klinik. Zeit ist aber häufig ein Faktor, der eine wichtige Rolle für die weitere Prognose – zum Beispiel bei Herzinfarkten, aber auch bei einer akuten Blinddarmentzündung –ist“, schildert Dr. Rainer Löb, Ärztlicher Direktor der Barbara-Klinik seine Erfahrungen der letzten Wochen. Auch Prof. Dr. Wolfgang Kamin, Ärztlicher Direktor des EVK, und Prof. Dr. Dirk Böcker, Ärztlicher Direktor des St. Marien-Hospitals, bestätigen diese Beobachtungen.

Ärzte sehen Sorgen vor Corona unbegründet

In einer gemeinsamen Erklärung rufen die Ärztlichen Direktoren dazu auf, die eigene Gesundheit aufgrund der Ängste nicht fahrlässig aufs Spiel zu setzen. „Die Angst vor einer Ansteckung darf nicht dazu führen, dass Patienten ihre Beschwerden nicht ernst nehmen und erst spät – und dann vielleicht zu spät – ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen“, heißt es weiter in der Erklärung.

Zudem seien die Sorgen unbegründet. In den Hammer Einrichtungen würden Covid-19-Patienten oder welche mit Verdacht auf Covid-19 strikt von „normalen“ Patienten getrennt. Es handele sich quasi um „ein Krankenhaus im Krankenhaus“, ohne dass Kontakte zwischen den einzelnen Bereichen bestünden. Das gelte sowohl für Patienten als auch für Mitarbeiter.

Freie Betten werden nach und nach reduziert

In den Krankenhäusern laufen zudem die Vorbereitungen, um dringliche, „planbare“ Patienten zu versorgen – also OPs vorzunehmen, die vor einigen Wochen aufschiebbar waren, jetzt aber durchgeführt werden müssen, um Folgeschäden zu vermeiden. Dies sei aber noch kein wirkliches Hochfahren von OP-Fahrplänen, heißt es weiter aus dem Rathaus.

Insgesamt seien derzeit knapp 50 Prozent der Krankenhausbetten in Hamm, also mehr als 500 Betten, frei. Dies entspreche der derzeitigen Landesvorgabe. Bundesgesundheitsminister Spahn hat nun angekündigt, die Zahl der freizuhaltenden Betten zu minimieren. „Laut Medienberichten auf rund 25 Prozent – allerdings ist dies noch nicht abschließend geklärt. Klar ist, dass sich die Krankenhäuser an die Vorgaben von Bund und Land halten werden.“

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Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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