Kraftwerk noch mal 200 Millionen Euro teurer

[UPDATE 14 Uhr] HAMM - Das neue Kohlekraftwerk in Hamm verschlingt immer neue Millionen: Die Investitionskosten steigen bei der neuen Anlage um weitere 200 Millionen auf 2,4 Milliarden.

Die ersten von insgesamt 16 Zündölbrennern von Block D des Kohlekraftwerks in Uentrop seien erfolgreich getestet worden, meldete RWE Power kurz vor Weihnachten -- und versteckte die eigentliche Nachricht der Pressemitteilung weiter hinten in einem Nebensatz: "Mit einem Investment von 2,4 Milliarden Euro setzt das Kraftwerksprojekt, das RWE Power gemeinsam mit 23 Stadtwerkepartnern (GEKKO) realisiert, wichtige Impulse für Wirtschaft und Arbeitsmarkt."

Die Nachricht ist: Das Kraftwerk wird noch einmal 200 Millionen Euro teurer. Das sei lange bekannt, sagte ein Sprecher der RWE, der Betrag sei im vergangenen Jahr "zwischen den Partnern kommuniziert worden". Allerdings habe man Stillschweigen vereinbart.

Die Gründe für die weitere Kostensteigerung in Höhe von 200 Millionen Euro seien dieselben wie bei der Kostensteigerung vor zwei Jahren: Erhebliche Probleme beim Stahlbau und die damit verbundenen Verzögerungen. Die Stadtwerke Hamm sind Anteilseigner am neuen Kraftwerk - die Beteiligung liegt bei 1,6 Prozent. Die EVB in Beckum etwa hält einen Anteil von 0,196 Prozent an dem Projekt GEKKO. Wie mehr als 30 andere regionale Energieversorger auch.

40 Millionen Euro hatten beispielsweise die Stadtwerke Münster zu Beginn in das Kraftwerk investiert und hofften auf Gewinnbeteiligungen aus dem Stromverkauf. Für die Jahre 2013 bis 2015 hat die Stadt Münster sieben Millionen Euro als mögliche Verluste in die Risikoplanung eingestellt. In Dortmund ist man noch pessimistischer eingestellt: Der dortige Versorger DEW21, dessen Anteil etwa das Dreifache des Münsterschen beträgt, kalkuliert bereits mit geschätzten Verlusten in Höhe vpm 15 bis 16 Millionen für den Beteiligungszeitraum ab 2014.

Die Hammer Stadtwerke-Sprecherin Cornelia Helm gibt sich zuversichtlich und verweist auf einen im Dezember 2011 geschlossenen Vertrag zwischen den 23 beteiligten Stadtwerken und der RWE. Ein Punkt darin betreffe die Kosten -- die seien nämlich gedeckelt worden: "Durch die Kostendeckelung ab einem bestimmten Zeitpunkt können unvorhergesehen Kosten nicht auf die Stadtwerke umgeschlagen werden."

Helm bestätigt, dass die Kostensteigerung intern bekannt gewesen sei, verweist aber auf die führende Rolle der RWE: "Wir sind nur eines von 23 beteiligten Stadtwerken. Hauptanteilseigner ist die RWE, und konkrete Zahlen gibt nur RWE 'raus." Eines ist Helm wichtig: "Die höheren Kosten werden unsere Kunden auf keinen Fall belasten", verspricht sie.

Mit der Steigerung der Gesamtinvestitionen für das neue Kohlekraftwerk von ursprünglich zwei Milliarden Euro um insgesamt mehr als ein Fünftel auf 2,4 Milliarden Euro setzt sich an schlechten Nachrichten fort, was im Dezember vor drei Jahren begann.

Dezember 2009: "Handwerkliche Fehler" könnten den Kraftwerksbau in Uentrop verzögern, hieß es damals. Das neue Kohlekraftwerk in Hamm-Uentrop werde möglicherweise nicht wie geplant im Februar 2012 in Betrieb gehen können. Am Kesselgerüst sei es zu Rissen in Schweißnähten gekommen.

Februar 2010: Die Verzögerung wird erstmals abgeschätzt: Das neue RWE-Kohlekraftwerk werde erst Mitte 2012 ans Netz gehen. Grund für die Verzögerung der Inbetriebnahme seien ,umfangreichen Mängel an beiden Kesselgerüsten'. Die Verzögerungen kosten Geld, denn der Strom wird später als geplant produziert -- und bringt deshalb später als geplant Geld in die Kasse der Investoren. Hinzu kommt, dass das Kohlekraftwerk Immissionszertifikate braucht -- und die wären Anfang 2012 kostenlos gewesen; später müssen sie gekauft werden.

Dezember 2010: Der Stadtanzeiger meldet, dass das Kohlekraftwerk teurer wird. "Um mehr als 200 Millionen Euro steigen die Baukosten - das sagt eine neue Investitionsprognose. Demnach wird das Kohlekraftwerk statt zwei Milliarden gut 2,2 Milliarden Euro kosten" -- das ging aus internen Zahlen hervor, die dem Stadtanzeiger vorlagen. Den Zahlen zufolge reduziert sich die erwartete Rendite des Großprojektes. Zu diesem Zeitpunkt soll das Kraftwerk irgendwann im Jahr 2013 ans Netz gehen.

November 2012: Wegen des dynamischen Ausbaus regenerativer Energien wird das neue Kraftwerk zumindest zehn Jahre lang nicht im Volllastbereich arbeiten -- und das heißt: Gewinne sind durch den Betrieb der Anlage voraussichtlich nicht zu machen. Es drohen sogar Millionenverluste.

Januar 2013: RWE-Power gibt bekannt, dass das Kraftwerk weitere 200 Millionen Euro teurer wird. Damit beträgt die Steigerung der Investitionskosten mittlerweile zwischen 20 und 25 Prozent. - mig/sf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare