Trinkerszene mit Dauerkrach am Marktplatz nervt Anlieger

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Rund um die in Rede stehende Parkbank klemmen etliche Kronkorken von geöffneten Bierflaschen zwischen den Pflastersteinen. Auch Müll und Zigarettenkippen liegen auf dem Marktplatz verstreut.

Dass hin und wieder einmal jemand auf einer Bank auf dem Bockum-Höveler Marktplatz sitzt und eine Flasche Bier trinkt, stört die Anlieger nicht. Doch gerade in jüngster Zeit hat sich dort offenbar eine Szene entwickelt, in der reichlich Alkohol konsumiert wird. Und zwar bis tief in die Nacht hinein.

Hamm – Es wird regelmäßig auch laut auf dem Bockum-Höveler Marktplatz. „Die Säufer machen den ganzen Tag Krach. Auch nachts hört das nicht auf“, berichtet Günter Kurz, der direkt am Markt wohnt. Wer berufstätig und auf Erholung angewiesen sei, drehe dabei durch. Die Stadt will jetzt auch Sozialarbeiter einsetzen, um das Problem zu entschärfen.

Der Krach ist nicht der einzige Stein des Anstoßes. Was oben reinläuft, muss auf Dauer unten auch wieder hinaus. Um ihre Notdurft zu verrichten, gingen die „Typen“ nicht auf die öffentliche Toilette im nahegelegenen Bürgeramt, sondern in die Büsche oder an eine Häuserwand, berichtet kurz.

Schon mehrfach habe er sich schriftlich beim Ordnungsamt gemeldet. Auch von anderen Anliegern wisse er, dass sie bereits bei der Stadt angerufen hätten. Doch es geschehe nichts. Die Polizeiwache Bockum-Hövel sei vor Tagen telefonisch gar nicht zu erreichen gewesen.

Letzteres bestätigt Polizeisprecher Hendrik Heine. In der Tat habe es eine technische Störung gegeben. Über die Nummer der Hauptwache, 9160, sei die Polizei jedoch immer erreichbar. Zur Szene auf dem Markt sagte er: Die sei bekannt. Es seien mal mehr und mal weniger Leute, die sich dort träfen, und nicht alle konsumierten Alkohol. Ein Glasverbot gebe es auf dem Marktplatz nicht.

Seit Anfang April habe es 28 Einsätze gegeben, mit einem Schwerpunkt im Juni. Hauptgrund seien Ruhestörungen gewesen. Nicht immer seien die jedoch von der Szene auf dem Markt ausgegangen, sondern auch Jugendliche hätten nachts um 1 Uhr auf dem Platz Basketball gespielt und seien Skateboard gefahren. Fünf mal habe man auch niemanden mehr angetroffen. „Wenn es Beschwerden gibt, gehen wir denen auch nach. Wir sind vor Ort, schauen uns das an, überprüfen Personen und erteilen Platzverweise. Manche gehen dann auch freiwillig“, so Heine.

Die Polizei sehe kein riesiges Problem in dieser Szene. Der Markt sei kein Schwerpunkt für Kriminalität. Seit April sei nur eine Strafanzeige wegen Körperverletzung gefertigt worden. Ein alkoholisierter 30-Jähriger habe auf einen ebenfalls alkoholisierten 41-Jährigen eingeschlagen. In einem weiteren Fall habe man eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte gefertigt. Ein 43-jähriger Mann aus Bockum-Hövel sei aufgrund seines alkoholisierten Zustandes mehrmals zu Boden gestürzt. Der Mann habe jegliche Behandlung seitens des hinzugerufenen Rettungsdienstes abgelehnt. Die ebenfalls hinzugerufenen Polizeibeamten habe er versucht zu bespucken und zu schlagen. Zudem habe er sie mehrfach beleidigt und sei dann gefesselt ins Gewahrsam gebracht worden.

Auch der Stadt sind die Probleme mit den Menschen, die Alkohol trinken und Ruhestörungen verursachen, bekannt. Stadtsprecher Lukas Huster sagt, der Kommunale Ordnungsdienst sei alleine in der vergangenen Woche dreimal vor Ort gewesen. Immer wieder werde der Marktplatz kontrolliert, auch um 22 und 23 Uhr. „Aber wir haben nicht viele Optionen. Wir erteilen Platzverweise, wenn es abends zu laut ist“, so Huster.

Allerdings will die Verwaltung nicht zuletzt wegen der vermehrten Beschwerden in der jüngsten Zeit Konsequenzen ziehen. „Wir wollen dort auch sozialarbeiterisch tätig werden, mit freien Trägern, um die Menschen aufzusuchen. Unser Ziel ist es, Verständnis bei ihnen zu wecken und sie dazu zu bewegen, einen anderen Ort zu finden.“ An anderen Orten habe man damit Erfolge erzielt, zum Beispiel am Bahnhof.

Wenn man den Menschen das Gefühl gebe, mit ihnen auf Augenhöhe zu reden und ihren Bedürfnissen Rechnung zu tragen, sei das erfolgreicher. Huster gibt aber auch zu bedenken, dass es natürlich erlaubt sei, sich auf den Markt zu setzen und Alkohol zu trinken, solange man niemanden störe.

„Ich freue mich schon auf die nächsten Regentage. Dann herrscht auf dem Marktplatz wieder Ruhe“, sagt Anlieger Kurz.

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