Initiative unbestechlicher Ärzte: „Korruption härter bestrafen“

+
Zum Thema „Korruption im Gesundheitswesen – ein globales Problem“ nahmen (von links) Dr. Klaus Reinhardt , Michael Thews MdB, Prof. Dr. Dr. Alexander Lohner, Kathrin Vogler MdB, Dr. Christiane Fischer, Bernd Lammers und Dr. Gopal Dabede Stellung.

Hamm - Kugelschreiber, Einladungen zu Mittagessen und Bildungsreisen in exotische Länder: Manch ein Pharmaunternehmen versucht Ärzte mit derartigen Verlockungen zu beeinflussen, damit sie den Patienten ihre Medikamente verschreiben und sie somit einen Wettbewerbsvorteil haben.

Um gegen Korruption und Vorteilsnahme im Gesundheitswesen vorzugehen, hat sich „Mezis“ („Mein Essen zahle ich selbst“), eine Initiative unbestechlicher Ärzte, gegründet. Diese tagte nun in Hamm und stellte ihre Sichtweisen und Lösungsansätze im Rahmen eines Vortrags am Freitag im Kleist-Forum vor.

„Korruption ist kein deutsches Problem, sondern ein globales“, machte Dr. Christiane Fischer, Ärztliche Geschäftsführerin der Initiative, das Ausmaß deutlich. Das größte Problem sei, dass bislang nur ein Teil dieser Vorteilsnahmen strafrechtlich geahndet werden könne – nämlich dann, wenn Geld fließe. Alltägliche Vorteilsnahmen wie Einladungen zu Mittagessen betreffe dies nicht. Da am Freitag Experten aus verschiedenen Bereichen anwesend waren, sollte die Diskussion vor rund 50 Besuchern dazu dienen, „Antworten aus der Politik und von der Ärztekammer zu bekommen und eine medizinisch-ethische Bewertung abzugeben“, sagte Fischer.

„Ich bin froh, dass wir in Hamm solch eine Diskussion führen, weil die Patienten ein Vertrauensverhältnis zu den Medizinern haben. Und die möchten schließlich nicht, dass die Ärzte bei der Empfehlung von Medikamenten beeinflusst werden und sie womöglich deshalb nicht die optimale Behandlung erhalten“, erklärte der Bundestagsabgeordnete Michael Thews (SPD) und forderte eine härtere Bestrafung bei Bestechungen. Tatsächlich sei ein Gesetzesentwurf auf dem Weg.

Von „Strukturen der Sünde“ sprach unterdessen der Medizinethiker Prof. Dr. Dr. Alexander Lohner. Die Korruption im Gesundheitswesen entstehe seiner Meinung nach auch dadurch, dass dieser Sektor immer globalisierter werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare