Entspannung sieht anders aus

Konzertveranstalter Christoph Tewes musste bislang 25 Gigs absagen

Christoph Tewes organisiert Reggae-Konzerte.
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Christoph Tewes organisiert Reggae-Konzerte.

Entspannte Vibrations und coole Klänge – das sind Kennzeichen des Reggae. Doch entspannt und cool ist der Hammer Konzertveranstalter Christoph Tewes, der sich auf Reggaekonzerte spezialisiert hat, momentan nun wirklich nicht. Die Corona-Krise und die damit verbundenen Verbote für Veranstaltungen spürt er mit seiner Ein-Mann-Agentur Revelation Concerts besonders.

Hamm –

„Ich habe dieses Jahr im Februar zwei Konzerte veranstaltet, seitdem sind 25 Konzerte ausgefallen“, erzählt Tewes. Zuletzt fiel das „Reggaeville Easter Special“ dem Virus zum Opfer. Die fünf Shows in Berlin, München, Hamburg, Dortmund und Amsterdam rund um die Ostertage mussten allesamt gecancelt werden und Tewes und die vier verpflichteten Bands guckten in die Röhre.

In der vergangenen Woche hat Black Uhuru, eine der wichtigsten Bands des Roots Reggae, die komplette Europatournee abgesagt. Eigentlich wollten die Jamaikaner im Juni sechs Shows unter anderem in Hamburg, Dortmund und Berlin spielen, doch angesichts der weltweiten Reisewarnungen im Zuge von Corona bleibt die Band lieber zuhause.

Termine müssen umgeplant werden

„Wie alle Veranstalter versuche ich, abgesagte Termine zu verschieben“, sagt Tewes. Doch es sei gar nicht so einfach, Ersatztermine zu finden. Denn jetzt fixiere sich alles auf den Herbst und viele Locations – und Hotelbetten – seien schon vergeben oder die Bands seien für den Termin schon anders verplant. Das „Easter Special“ beispielsweise könne so wie für April geplant gar nicht im Herbst stattfinden, weil eine der vier Bands dann schon andere Gigs vereinbart hat. „Damit bekämen die Zuschauer im Oktober nur noch 75 Prozent der gekauften Leistung“, rechnet Tewes vor.

Und so wird deutlich, was für ein fragiles Gebilde ein Konzertjahr für Künstler und Veranstalter ist. „Viele Reggaebands aus Jamaika kann ich überhaupt nur für Konzerte buchen, weil sie wegen anderer großer Festivals gerade in Europa sind. Fallen die aus, hängt da gleich eine komplette Tour mit kleineren Gigs mit dran“, erläutert der Hammer Veranstalter. Und derzeit sei es angesichts von Corona und den geltenden Abstandsregeln völlig undenkbar, eine Truppe mit 15 Mann im Tourbus durch fünf verschiedene Länder in Europa zu schicken. „Und was ist, wenn hier in Deutschland die Bestimmungen gelockert und Konzerte irgendwann möglich sein werden, aber in Spanien und Italien nicht?“, fragt sich Tewes.

Wunsch nach Stellungnahme von Politikern

Er erhofft sich jetzt von der Politik Klarheit: „Was genau ist eine Großveranstaltung? 1000 Zuschauer oder mehr oder weniger?“ Und für ihn als Veranstalter stellt sich die Anschlussfrage: Lohnt sich ein Konzert, das für eine Halle mit 1000 Zuschauern geplant war, überhaupt in einem kleineren Club mit maximal 400 Gästen?

Natürlich habe er Soforthilfe beantragt und gehe auch davon aus, die „Ausnahmesituation“ zu überstehen, bis wieder Konzerte stattfinden dürfen, sagt Tewes, aber er fügt hinzu: „Ich hangele mich von Monat zu Monat.“

Derzeit blickt er nach der ausgefallenen Frühjahrssaison auch mit wenig Zuversicht auf die Sommerkonzerte. „Im November und Dezember habe ich einige Clubshows geplant. Hoffentlich können wenigstens die stattfinden.“

Reggae Summer Night

Christoph Tewes organisiert mit seiner Konzertagentur Revelation Concerts jedes Jahr in Hamm die Reggae Summer Night im Kulturrevier Radbod. Ob sie in diesem Jahr zu dem geplanten Termin am 29. August stattfinden kann, ist noch offen. Zwar seien bis zum 31. August alle Großveranstaltungen wegen Corona untersagt, so Tewes, allerdings habe auch noch keine Definition genannt, was unter einer Großveranstaltung zu verstehen ist.

In den vergangenen Jahren kamen oft um die 1000 Zuschauer zu Reggae Summer Night. Am Tag vor der Reggae Summer Night, dem 28. August, steht bislang auch noch der „Kapelle Somma“ im Konzertkalender des Kulturreviers Radbod. Tewes und Kapelle Petra wollen bislang noch an den Terminen festhalten, haben aber sich für September eine Option für einen Ausweichtermin auf Radbod gesichert.

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