Zeitaufwand, Kundenfragen... Das sagen die Geschäftsleute!

Kontrollen gegen Kriminelle in der Innenstadt: schlecht oder recht?

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Hamm – Großaufgebote von Polizei, Zoll und Ordnungsamt im Bahnhofsviertel erregen Aufsehen. Wie zuletzt Mitte Juli, als die Behörden nach Rückzugsorten Krimineller Ausschau hielten. WA.de fragte vor Ort nach Eindrücken und Meinungen.

Vor der eigenen Ladentür sieht die Einsatzkräfte und ihre Fahrzeuge niemand wirklich gerne – denn das könnte zu falschen Rückschlüssen in der Kundschaft führen. Kontrollen aber, und darin sind sich wohl die meisten Händler und Gewerbetreibenden im Quartier einig, müssen sein.

„Kontrollen bringen Sicherheit“, sagt Adem Aydin vom Friseursalon „HAM M.A.“ an der Gustav-Heinemann-Straße. Auch vor seinem Ladenlokal standen im Juli Einsatz-Fahrzeuge. „Die Kundschaft fragt sich natürlich, was das zu bedeuten hat. Dann stehen die Telefone nicht mehr still, und wir müssen viel erklären.“

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"Unterstützen Kontrollen mit gutem Gewissen"

„Aber wir unterstützen die Kontrollen mit ruhigem Gewissen, weil wir nichts zu verbergen haben“, ergänzt Aydins Geschäftspartner Mehmet Kayikci. „Klar, die Kontrollen brauchen Zeit und stören daher auch den Betriebsablauf. Aber sie sind normal.“ Die Wirkung auf die Kundschaft müsse man hinnehmen. „Wir wollen ja schließlich, dass in der Branche, zum Beispiel was Löhne und Arbeitsverhältnisse angeht, sauber gearbeitet wird“, ergänzt Aydin. „Schwarze Schafe“ müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Einsatzkräfte vor dem Friseursalon „HAM M.A.“ warfen im Juli 2019 Fragen auf.

Auch die normalen Kontrollgänge von Polizei und Ordnungsamt seien nur zu begrüßen. Einen rechtsfreien Raum vor ihrer Ladentür wollen sie nicht. Sie sind stolz auf das, was sie sich in vier Jahren hier aufgebaut haben: insgesamt 13 Mitarbeiter, davon vier Auszubildende und – nach eigenen Angaben – 70 Prozent Stammkunden, ein Querschnitt durch die Gesellschaft und viele sogar von außerhalb.

Die Chefs von „HAM M.A.“: Mehmet Kyikci, Esma Kocak und Adem Aydin (von links) begrüßen Kontrollen.

Ordnung muss sein, findet Hemo Amin

Einen rechtsfreien Raum wünscht sich auch Hemo Amin nicht. Der Betreiber eines arabischen Lebensmittelgeschäfts an der Bahnhofstraße begrüßt ebenfalls die Kontrollen auf der Straße und in den Betrieben. „Das finde ich richtig“, sagt er. „Aber wenn der Zoll kommt, bleiben die Kunden weg. Bei mir sind das zu 70 Prozent Frauen, denn die haben Angst.“ Er glaubt, dass es in der Bahnhofstraße viele Leute gibt, „die hier nicht nur spazieren gehen“. Ordnung müsse sein, daher auch Kontrollen.

Mehdi Shabani, einer der Betreiber der Gastronomie „Heinrich“ im Kleist-Forum, findet nicht, „dass hier so großes Theater ist“. Kontrollen begrüße er. „Denn wenn jeder machen könnte, was er wollte, wäre das eine Katastrophe.“

Die Bahnhofstraße und das Bahnhofsviertel: Händler und Gewerbetreibende wünschen sich Sicherheit und teils noch mehr Kontrollen.

Gökhan Sen wünscht sich Kameras

Gökhan Sen, Betreiber eines Handy- und PC-Reparaturgeschäfts in der Bahnhofstraße, wünscht sich noch mehr Präsenz und Flexibilität der Ordnungshüter – und auch Kameras. Er selbst fühle sich zwar sicher, „aber die illegalen Geschäfte laufen hier jeden Tag vor meinem Schaufenster“. Das schrecke die zahlende Kundschaft ab.

Ataman Cihangir, Betreiber eines Wettbüros und einer Sportsbar wenige Meter weiter, möchte seine Ruhe haben. „Kontrollen und Sicherheit müssen sein“, sagt er. Überprüfungen des Zolls sähen zwar nicht gut aus, seien aber korrekt. Er selbst habe Lokalverbote ausgesprochen, dulde auch keine Aufenthalte vor seiner Tür. „Ich möchte zwar niemanden ausschließen, aber ich muss auf meinen Laden aufpassen.“

Zahlen zur Kriminalität im Bahnhofsviertel:

Von Januar bis Oktober 2018 zählte die Polizei 107 Delikte im Bereich von Straßenkriminalität (Betäubungsmitteldelikte sind darin nicht enthalten. Daten sind schwerer zu erheben, weil auch die Bundespolizei Fälle bearbeitet.)

Vom 1. Januar bis 30. Juni 2019 sind es 67 Fälle von Straßenkriminalität. Im Einzelnen sind dies: 37 Fahrraddiebstähle, neun Taschendiebstähle, sieben Körperverletzungen, drei Raubdelikte, fünf Diebstähle aus Autos und ein Exhibitionist.

Rein rechnerisch und ungeachtet der Qualität der Taten liegt der Monatsschnitt 2018 bei 10,7 Delikten, 2019 bisher bei einem Wert von 11,1 Straftaten, also kaum verändert.

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