Interview

„Lebensqualität nicht verbauen“: Andrea Pfeifer ist Grünen-Spitzenkandidatin in Rhynern

Will Bezirksvorsteherin in Rhynern werden: die grüne Kandidatin Andrea Pfeifer.
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Will Bezirksvorsteherin in Rhynern werden: die grüne Kandidatin Andrea Pfeifer.

Wenn am Sonntag, 13.September, das neue Team der Bezirksvertretung Rhynern gewählt wird, möchte auch Andrea Pfeifer ein gehöriges Wörtchen mitreden. Die Spitzenkandidatin der Grünen sieht ihre Mannschaft gut aufgestellt.

Rhynern – Wichtiger als Posten und Personen sind ihr allerdings die Inhalte ihrer Politik, wie sie im Gespräch mit Anzeiger-Redakteur Jörg Beuning verrät.

Sie stehen erneut als Spitzenkandidatin auf der Liste. Mit welchen Zielen gehen Sie die Wahl an?

Wir sind zur Zeit in der Opposition und dürfen unseren Finger in die Wunden legen: Flächenverbrauch verringern, Verkehrsprobleme lösen, qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, Ortskerne stärken, Radwegenetz ausbauen, Naherholungsgebiete ausdehnen, verträgliche Landwirtschaft fördern, Hochwasserschutz Priorität geben. Aber auch: faire Bürgerbeteiligung zulassen. Eigentlich all das, womit wir auch 2014 in den Wahlkampf gegangen sind. Denn die Probleme in unserem Bezirk sind längst nicht gelöst, sondern haben sich verschärft.

Träumen Sie insgeheim von der Wahl zur Bezirksvorsteherin?

Wer Bezirksvorsteher wird, sehe ich nicht als relevant für die Entwicklung unseres Bezirks an. Wichtig ist für mich, dass jeder, der Mitglied in der Bezirksvertretung Rhynern ist, die Möglichkeit hat, mit seinen Anregungen und Aktivitäten unseren Bezirk vorwärts zu bringen. Wir haben als Parteien teilweise unterschiedliche Ziele. Das ist aber gut so, solange wir das endlich als Ideenpool für den Bezirk nutzen würden. Seitdem ich in der Bezirksvertretung bin, versuche ich, Inhalte in den Vordergrund zu stellen. Echte Problemlösungen sind doch das einzige, was wirklich interessiert.

Hat die Corona-Pandemie die Chancen Ihrer Partei verschlechtert?

Im Gegenteil: Wir verfolgen unsere Ziele genau wie vorher und es gibt genügend Beispiele, wie man mit einer Änderung des eigenen Verhaltens etwas für den Klimaschutz bewegen kann. Da denke ich an den Rückgang des CO2-Ausstoßes während des Lockdowns. Ich finde, das motiviert neue Wege zu gehen.

Ihr Team ist neu aufgestellt. Was zeichnet das neue Team aus? Könnte die Erfahrung, zum Beispiel von Herrn Kroker, fehlen?

Ja, unser Team ist größer geworden, das Interesse an grüner Politik nimmt deutlich zu. Es ist wirklich schade, dass Uli Kroker – zumindest in der BV – seine Erfahrung nicht mehr einbringen wird, natürlich fehlt er uns. Aber Ulrike Wollenhaupt und ich haben unseren Job in der BV lange genug gemacht, um zu wissen wo der Hase in der BV lang läuft. Und die meisten anderen aus unserem Team sind auch schon lange dabei. Übrigens: Wir sind Grüne, wir setzen auf Frauen-Power! Es kommt nicht von ungefähr, dass wir viele wirklich aktive Frauen in unserem Team haben. Ich finde das toll!

Was zeichnet den Stadtbezirk Rhynern aus? Was muss besser werden?

Rhynern ist der grüne Bezirk. Also landschaftlich grün. Das soll so bleiben, denn da steckt viel Lebensqualität für uns alle drin. Wir haben hier ein Pfund, mit dem wir gut aufgestellt sind und wir müssen aufpassen, dass wir uns das nicht im wahrsten Sinne des Wortes „verbauen“. Weitgehend unbemerkt vom kritischen Blick der Bürger des Bezirks findet ein Ausverkauf des Bodens statt. Politik und Stadtverwaltung haben die Potenzialflächen für Gewerbe- und Wohnungsbau massiv erweitert: rund 33 Hektar mehr Gewerbefläche, rund 100 Hektar zusätzliche Wohnfläche.

Alles nach dem alten Schema „Nicht kleckern, sondern klotzen“. Das ist Wahnsinn, besonders angesichts des jetzt schon fühlbaren Klimawandels. In den Wahlprogrammen der Parteien stehen mehr grüne Themen als je zuvor. Uns freut das. Allerdings fragen wir uns, wie der Klimawandel gestoppt werden kann, wenn immer mehr Gewerbeflächen und Wohnbaugebiete ausgewiesen werden. Wir müssen vom unbegrenzten Wachstumsgedanken weg.

Das Baugebiet Dierhagenweg ist Ihnen, zumindest mit Blick auf die mögliche Größe, ein Dorn im Auge. Wie wollen Sie es erreichen, dass der Stadtbezirk Rhynern auch ohne das Neubaugebiet lebendig und jung bleibt?

Die Frage, wie der Stadtbezirk Rhynern ohne das Baugebiet Dierhagenweg  bestehen kann, stellt sich doch gar nicht. Dieses Baugebiet nimmt die Hälfte der möglichen Wohnungsbaufläche ein. Wir haben noch weitere 50 Hektar, die nach dem Willen von Politik und Verwaltung zur Verfügung stehen würden. Wir stellen uns die Entwicklung unseres Bezirks Rhynern anders vor. Anstatt immer neue riesige Wohnbaugebiete aus dem Boden zu stampfen, können kleine Baugebiete unter Klimagesichtspunkten und nach Bedarf entwickelt werden. Und vor allem zu vernünftigen und familiengerechten Preisen. Jeder Bauwillige ist doch willkommen.

Rhynern, Westtünnen und Berge müssen nicht aber um jeden Preis wachsen. Wir wollen den Dorfcharakter der Siedlungskerne erhalten. Der Bezirk Rhynern hat viele Wohnhäuser aus den 60er und 70er Jahren, die mit Förderungen saniert werden können. Ich kann aus meinem beruflichen Hintergrund in der Immobilienbranche nicht bestätigen, dass an Bestandsimmobilien nur bedingtes Interesse herrscht. Gerade im Bezirk Rhynern beobachte ich, dass viele Einfamilienhäuser sehr begehrt sind und gar nicht erst auf den Markt kommen.

Das Augenmerk muss auf die Lebensqualität der Einwohner gelegt werden. Vor allem brauchen wir aber unsere Naherholungsgebiete rund um die Ortskerne. Deshalb fordern wir am Dierhagenweg und am Dorchkamp den Ausbau der Naherholungsgebiete. Nur so kann die Frischluftschneise am Dierhagenweg erhalten bleiben. Das ist Klimaschutz.

Was wünschen Sie sich für die nächste Legislaturperiode für die Arbeit der Bezirksvertretung?

Fairness und mehr Bürgerbeteiligung. Anregungen der Bürger müssen stärker berücksichtigt werden. Einsprüche dürfen nicht einfach so weggeschoben werden. Und: Die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinaus ist wirklich wichtig, da gibt es noch viel Luft nach oben.

Sie wollen die Westtünner Mitte rund um den Haltepunkt stärken. Was stellen Sie sich da konkret vor?

Das ist ein Thema, an dem wir schon lange arbeiten. Westtünnen braucht ein echtes Zentrum. Das ist dann ein Treffpunkt, von dem eigentlich alle im Bezirk profitieren. Beispielsweise mit einem kleinen Platz, Gastronomie, Eisdiele wäre schön, Cafe, eine Einkaufsgelegenheit für Obst, Gemüse, Fleisch, ein Kiosk, Post, Geldautomat, usw.

Aber auch eine Radstation mit Auflademöglichkeit für E-Bikes, Fahrradunterstand. Wichtig ist uns, diesen Ort klimagerecht zu gestalten, mit Bäumen, Hecken. Das sind aber nur einige Ideen. Auf jeden Fall müssen die Bürger befragt werden.

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