Parteien vor der Kommunalwahl

Wie kann im Stadtbezirk Heessen jeder gut wohnen?

Hochhäuser am Irisweg in Heessen
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Das Bild zeigt die Hochhaus-Kombo am Irisweg.

Die Parteien machen Wahlkampf im Bezirk, und jede Partei versucht, ihre Themen zu setzen. Doch jetzt geht es umgekehrt: Der Westfälische Anzeiger setzt das Thema, und die Vertreter der Parteien antworten. Waren die Antworten zu lang, wurden sie gekürzt. Heute geht es um das Thema Wohnen im Bezirk.

Unsere Frage: Das alte Hochhaus an der Ecke Heessener Straße/Münsterstraße ist weg, aber prekäres Wohnen gibt es im Bezirk noch immer. Was wollen Sie tun?

CDU

Heinrich Klockenbusch, CDU-Kandidat als Bezirksvorsteher: „Wir gehen weiterhin konsequent gegen Schandflecke und Schrottimmobilien durch Abriss und Neubau vor. Die Stadtentwicklungsgesellschaft ist dabei ein echtes Erfolgsmodell. Wo immer sich die Möglichkeit zum Einschreiten bietet, wollen wir die Stadtentwicklungsgesellschaft und alle Mittel der Stadtentwicklung nutzen. Das ist an der Ecke Heessener Straße / Münsterstraße gelungen. Am Irisweg hat sich die Chance bisher nicht ergeben, da bleiben wir am Ball.

Am Geld wird jedenfalls der Bau neuer Wohnungen nicht scheitern: dem öffentlich geförderten Wohnungsbau stehen in Nordrhein-Westfalen Rekordsummen zur Verfügung. Davon haben wir in Hamm, in Heessen und dem Hammer Norden schon besonders profitiert: Es muss dabei aber darum gehen bezahlbaren und attraktiven Wohnraum zu schaffen. Und wir wollen natürlich unsere Wohnbaulandinitiative zur Schaffung neuer Wohnungen fortführen.“

SPD

Erzina Brennecke, SPD-Kandidatin als Bezirksvorsteherin: Wir haben den Abriss der Hochhäuser an der Münsterstraße/ Heessener Straße nach jahrelangem Dulden der unzumutbaren Zustände dort durch die CDU bereits in der letzten Legislaturperiode durchgesetzt. Dort schaffen wir nun gutes und bezahlbares Wohnen. Auf das Konto der SPD-Fraktion im Rat geht auch die 35-Prozent-Quote für öffentlich gefördertes Wohnen bei zukünftigen Wohnprojekten.

Wohnen muss aber auch sozial verträglich sein. Massive Lärmstörungen und nicht ordnungsgemäße Müllentsorgung durch Einzelne führen vor allem an den Hochhäusern am Irisweg zu einer erheblichen Einschränkung der Lebens- und Wohnqualität der umliegenden Anlieger. Diese Sorgen nehmen wir ernst. Deshalb fordern wir den Abriss der Hochhäuser am Irisweg, um auch städtebaulich das gesamte Umfeld neu denken und gestalten zu können.

Auch in der neuen Heimat sehen wir enormes Potential für die Verbesserung der dortigen Wohnsituation. Für uns ist klar: Die neue Heimat ist die Perle mitten in Heessens Mitte. Für diese Perle stehen wir ein. Mit einer Aufwertung der Wohn- und Aufenthaltsqualität, der planerischen und baulichen Neuausrichtung des parkenden und fließenden Verkehrs schaffen wir gemeinsam mit allen Beteiligten einen neuen Zusammenhalt in diesem einzigartigen Heessener Quartier.

Bündnis 90/ Die Grünen

Michael Thon, bündnisgrüner Kandidat für die Bezirksvertretung: „Die aus dem Hochhaus an der Ecke Heessener Straße/ Münsterstraße vertriebenen Westfleisch-Mitarbeiter wohnen jetzt gehäuft in der Gartenstadt. Dort wollen wir aber nicht über einen Abriss nachdenken, sondern schlagen ein abgesprochenes Quartiersmanagement vor. Dabei geht es um eine sorgfältige Verteilung der Mieter und ein lebenswertes Umfeld mit viel Grün und kleinen Gärten mit Anbaumöglichkeiten.“

FDP

Heinz-Rüdiger Kaldewey, Spitzenkandidat der FDP in Heessen: „Die Stadt soll mit baurechtlichen Mitteln auf Vermieter oder Eigentümer hinwirken, damit Vorgaben umgesetzt werden. Das ist möglich und kann auch durchgesetzt werden. Aus FDP-Sicht ist das zielführender, als wenn die Stadtentwicklungsgesellschaft für Millionen Euro wenige ausgewählte Gebäude kauft und abreißt. Davon profitieren nur die Eigentümer. Mit konsequenten Kontrollen kann direkt auf Eigentümer eingewirkt werden, ihre Wohnungen zu modernisieren.

Die Linke

Selda Izci, Spitzenkandidatin der Partei „Die Linke“: „Dass die Eigentümer von Schrottimmobilien über die Stadtentwicklungsgesellschaft aus ihrer Verantwortung frei gekauft werden, lehnen wir ab. Bei Wohnsituationen wie in dem Hochhaus an der Ecke Heessener Straße / Münsterstraße gibt unsere Landessatzung genug Handlungsspielraum. Solche Objekte müssen zeitnah in Gemeineigentum überführt werden, um daraus gute Wohnprojekte zu machen, die sich jeder leisten kann.

Aber auch abseits von solchen Extrembeispielen brauchen wir mehr bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen in Hamm von 18000 auf 9000 halbiert. Gleichzeitig ist aber die Zahl der Menschen, die einen Anspruch auf eine geförderte Wohnung haben, gestiegen. Das ist ein Problem, welches die anderen Parteien immer mit dem Bauboom der letzten Jahre schönreden wollen. Sicherlich werden seit einigen Jahren wieder mehr Wohnungen gebaut, auch öffentlich geförderte, aber es fallen auch jährliche viele Bestandswohnungen aus der Mietpreisbindung. Unterm Strich ist leider keine einzige Wohnung in diesem Segment hinzugekommen. Deswegen halten wir es für dringend geboten, eine Quote von 50 Prozent für geförderten und barrierefreien Wohnraum für größere Bauvorhaben festzusetzen.

Kommentar: „Früher reagieren!“

Die Politik im Bezirk muss einfach früher auf Veränderungen reagieren, die prekäre Wohnverhältnisse signalisieren, beim ersten Anzeichen muss man da auf der Matte der Eigentümer und Vermieter stehen. Was sonst passiert, kann jeder an dem früheren Hochhaus an der Ecke Heessener Straße/ Münsterstraße sehen: Dann hilft nur noch der Abrissbagger. Im Irisweg klagen die Anwohner seit Jahren über Störungen, sie ziehen weg, die Grundstücke verlieren an Wert.

Eine schnelle Reaktion hilft nicht nur den Anwohnern, sondern vor allem auch den Menschen, die gezwungen werden, in solchen Wohnverhältnissen leben. Sie zahlen 200 oder 300 Euro pro Bett bei einem Einkommen, das sich am Entsendegesetz orientiert, also niedrig ist. Sie haben nicht viel mehr Raum für sich als die Hühner in Massentierhaltung. Sie sind das schwächste Glied in der Kette. Wollen wir das in Heessen?

Michael Girkens

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