Geheimniskrämerei um Corona-Impfungen in Hamm

Kommentar: Schwarze-Peter-Spiel um Impfstart in Hamm trifft Stadtspitze

Eine saubere Spritze.
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Das Impfmittel kam am Sonntag wie erwartet in Hamm an. Nur wurde es - anders als fast überall sonst in Europa - überraschend nicht genutzt. (Symbolbild)

In der ganzen EU startete am Wochenende die Corona-Impfkampagne. Ausnahme: sechs Kreise in Oberfranken (hier gab es eine technische Panne) – und Hamm! Die WA-Redaktion bezweifelt, dass im Rathaus noch die Fäden zusammenlaufen. Ein Kommentar.

In Hamm trafen die 180 Impfdosen zwar pünktlich am Sonntag ein – verabreicht werden sollen sie aber erst am heutigen Montag in einem Seniorenheim. Die Verschiebung sei „aus Rücksicht auf die Bewohner“ des Heimes erfolgt, so die Stadt. Nähere Gründe zur völlig unerwarteten und völlig unvermittelt kommunizierten verschobenen Sachlage werden nicht genannt - nirgends. (News zum Coronavirus in Hamm)

Impfstart in Hamm verschoben - Kommentar der WA-Redaktion:

„Hat die neue Stadtspitze das Heft des Handelns in der Corona-Krise noch in der Hand? So, wie sie am Sonntag damit umgegangen ist, muss das bezweifelt werden.

Noch um kurz nach zehn Uhr am Sonntagmorgen beharrte Stadtsprecher Detlef Burrichter darauf, nicht mitteilen zu wollen, in welchem Seniorenheim die ersten Impfdosen verabreicht werden. Damit setzte er die Geheimniskrämerei von vor Weihnachten fort. Wenn das die ‚neue Offenheit‘ der neuen Stadtspitze ist, dann ‚Gute Nacht‘, Informationspolitik.

Mittags hieß es, am Sonntag werde überhaupt nicht geimpft. Die Stadtspitze scheint von dieser Planänderung nicht nur selbst überrascht, sie scheint schlicht übergangen worden zu sein.

Von wem übergangen? Von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) jedenfalls nicht. Die sollte laut Stadt verantwortlich sein für die Auswahl des Heimes, dessen Bewohner zuerst geimpft werden. Erst als die KVWL den ‚Schwarzen Peter‘ an die Stadt Hamm zurückgab, reichte deren Sprecher den gleich weiter an die ‚Arbeitsgemeinschaft der stationären Altenhilfeeinrichtungen in Hamm‘ – von der am Sonntag kein Ansprechpartner erreichbar war.

Wo nun am heutigen m Montag geimpft wird blieb also weiter ein Geheimnis. Dass das lange Bestand haben wird, darf bezweifelt werden angesichts der enormen Zahl von Beteiligten: Diejenigen, die in dem Seniorenheim arbeiten, diejenigen, die geimpft werden, und nicht zuletzt deren Angehörige, von denen vermutlich nicht wenige ihre Zustimmung geben mussten, wenn beispielsweise eine Patientenverfügung vorliegt.

Geheimniskrämerei ist beste Nahrung für Gerüchte: Wieso, weshalb, warum wird da etwas verheimlicht? Dagegen hilft nur offensive Offenheit.“

Der Kreis Warendorf ging - wie die meisten Kreise und kreisfreien Städte in NRW und ganz Deutschland überhaupt - am Sonntag offensiv mit dem Impfstart um. „Heute ist ein historischer Tag“, brachte es Landrat Dr. Olaf Gericke dort auf den Punkt

Impfzentrum in Hamm - die wichtigsten Fakten:

  • Das Impfzentrum soll täglich im Zwei-Schicht-Betrieb von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein (der genaue Starttermin im Januar ist noch nicht bekannt).
  • 6 „Impfstraßen“ wurden in der vorderen der Dreifachsporthallen gemeinsam von der Stadt, der KVWL und den Zentralhallen eingerichtet.
  • 600 Impfungen am Tag sollen möglich sein, das entspricht 18.000 Impfungen im Monat.
  • Begleitpersonen sind ausdrücklich erwünscht, werden aber nur dann mitgeimpft, wenn sie ebenfalls einen Termin haben.
  • Menschen mit Symptomen wie Fieber werden strikt von allen anderen getrennt, um Ansteckungswege zu verhindern. Die Fiebermessung findet verpflichtend nach der Ankunft statt.
  • Im Foyer werden die persönlichen Daten der Impfkandidaten geprüft. Personalausweis und Krankenversicherungskarte sollten deshalb mitgebracht werden. 
  • Vor der Impfung gibt es ein Aufklärungsgespräch mit einem Arzt zum allgemeinen Befinden und möglichen Allergien. Danach geht es in eine Impfkabine, wo die Spritze gesetzt wird. 
  • Die Impfungen werden durch Ärzte der KVWL vorgenommen.
  • An einem der sechs Schalter kann sich der Impfling „auschecken“. Es werden die Originalunterlagen ausgehändigt. Diese müssen zum zweiten Impftermin nach exakt drei Wochen mitgebracht werden.
  • Geimpfte werden im Anschluss für 30 Minuten in einem Ruheraum beobachtet; damit soll gewährleistet werden, dass sie den Impfstoff gut vertragen.
  • Nach höchstens 60 Minuten soll die gesamte Prozedur vorüber sein.
  • Ein klares Park- und Verkehrskonzept soll die Belastung für die Anwohner und die Schüler im Umfeld so niedrig wie möglich halten. Wichtig: Dieses greift schon jetzt.

Aufbau des Impfzentrums an der Friedensschule in Hamm

Impfzentrum Hamm an der Friedensschule
Impfzentrum Hamm an der Friedensschule
Impfzentrum Hamm an der Friedensschule
Impfzentrum Hamm an der Friedensschule
Aufbau des Impfzentrums an der Friedensschule in Hamm

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