Der Mann, der den Nerv trifft: Dr. Tim Koenen ist neuer Chefarzt der Anästhesie am St.-Marien-Hospital

Dr. Tim Koenen mag an der Anästhesie den unmittelbaren Zusammenhang von Ursache und Wirkung.
+
Dr. Tim Koenen mag an der Anästhesie den unmittelbaren Zusammenhang von Ursache und Wirkung.

Die Anästhesie am St.-Marien-Hospital hat einen neuen Chefarzt. Er erklärt seinen wichtigen Job im Hintergrund.

Hamm – Die Kunst der Betäubung entwickelt sich stetig weiter. „Inzwischen ist es möglich, bestimmte Eingriffe am offenen Schädel ohne Vollnarkose durchzuführen“, sagt Dr. Tim Koenen.

Auch kleinere Operationen im offenen Brustbereich sind mit lokaler Betäubung möglich. „Die Patienten hören manchmal mit Kopfhörern Musik, während sie operiert werden“, erzählt Koenen. Seit Januar ist er der neue Chefarzt der Anästhesie am St.-Marien-Hospital. Dort verantwortet er zwischen 7000 und 7500 Narkosen pro Jahr.

Koenen ist ein Mann für den Hintergrund. „Sie müssen als Anästhesist nicht erwarten, dass irgendein Patient in die Klinik kommt, weil Sie so tolle Narkosen machen“, sagt er. Die Stars seien andere: Herz- oder Gefäßspezialisten beispielsweise. Doch das stört ihn nicht. Zu seiner Abizeit träumte er zwar davon, als Profimusiker auf der Bühne zu stehen – er wollte Heavy Metal machen und Jazz. Allerdings spielt Koenen Bass. „Da stehen Sie ja auch hinten auf der Bühne.“

Koenens Werdegang

Koenen erzählt, er sei in einem behüteten Elternhaus in Oberhausen groß geworden. Nach dem Abi machte er seinen Zivildienst als Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz. Er fuhr zu Notfällen, lernte die Welt von einer anderen Seite kennen, als er sie bis dahin wahrgenommen hatte.

„Da sind Sie plötzlich bei Familien, bei denen die Aschenbecher um halb elf morgens voll sind und die Bierflaschen leer.“ Bei seinen Einsätzen wuchs das Interesse an der Medizin. Besonders faszinierten ihn die Anästhesisten.

Koenen erzählt, einst seien vor allem in Ungnade gefallene Operateure für die Betäubung zuständig gewesen. Sie versetzten Patienten mit Äther in eine Vollnarkose, während andere operierten – dank der Narkose länger und besser als zuvor. Den Ruhm heimsten die Operateure ein.

Anästhesie im Wandel

Heute ist die Anästhesie dem längst entwachsen und eine eigenständige Fachdisziplin. Seit Koenen sich gegen die Musik und für die Medizin entschied, stand für ihn auch fest, dass er Anästhesist werden wollte. „Sie haben einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung“, sagt er: „Wenn man Anästhesist ist, nimmt man eine Spritze, und einer schläft ein.“

Nach dem Abi machte Dr. Tim Koenen seinen Zivildienst als Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz.

Er glaubt, seine Disziplin werde an Stellenwert gewinnen – schon durch die immer ausgefeilteren Methoden der Schmerztherapie und die Entwicklungen auf dem Gebiet der Intensivmedizin: „Zu meinem Bereich gehört die Intensivstation mit insgesamt 13 Betten, die vom Notfall bis zum postoperativen Patienten genutzt wird – im Moment vor allem für Covid-Patienten.“

Narkosen oder lokale Betäubung

Koenen ist 41 Jahre alt. Seinen Facharzt hat er vor sieben Jahren gemacht. Seitdem habe sich das Fach enorm weiterentwickelt. Vor allem die lokale Betäubung spielt eine größere Rolle. „Bei vielen Operationen ist heute keine Vollnarkose nötig“, sagt Koenen.

Wer sich den Arm bricht und eine Operation braucht, dem kann er leicht den Arm betäuben. „Durch die Achselhöhle laufen die den Arm versorgenden Nerven. Dann suche ich mithilfe eines Ultraschallgeräts Nerven, die so fein sind wie die Schnurrhaare einer Katze, spritze ein Betäubungsmittel hinein – und der Arm schläft ein.“

Leben in Düsseldorf nicht vorstellbar

Koenen hat in Düsseldorf studiert, arbeitete unter anderem dort, in Krefeld und Mülheim an der Ruhr. Ab 2015 war er Oberarzt im Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie Düsseldorf, bildete sich weiter in der Sucht- und der Schmerztherapie. Trotz des Studiums und der langjährigen Arbeit in Düsseldorf wollte er dort wegziehen.

„Für meine Frau und mich war klar, dass wir nicht in Düsseldorf bleiben“, sagt er. Das Paar hat eine kleine Tochter, vier Jahre alt. Mit ihr zog die Familie nun in den Kreis Warendorf. Das gefalle ihm viel besser: „Es ist alles viel entspannter, viel ruhiger.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare